Urteil im Infinus-Skandal: Alle Angeklagten müssen in Haft

Dresden - Haft für die Ex-Bosse von INFINUS. Am Landgericht Dresden fielen am Montagmittag die Urteile gegen die sechs früheren Manager des Finanzdienstleisters. Laut Anklage hatten sie über 20.000 Anleger um 312 Millionen Euro betrogen.

Mit Spannung wurden die Urteile im Infinus-Prozess erwartet. Das Gericht sprach Haftstrafen für die Ex-Manager aus.
Mit Spannung wurden die Urteile im Infinus-Prozess erwartet. Das Gericht sprach Haftstrafen für die Ex-Manager aus.  © Holm Helis

Im brechend vollen Verhandlungssaal verkündete Chef-Richter Hans Schlüter-Staats (56) die Urteile.

Folgende Strafen wurden verhängt:

  • Jörg Biehl (56) 8 Jahre
  • Andreas K. (57) 4 Jahre 6 Monate
  • Rudolf O. (57) 6 Jahre, 10 Monate
  • Kewan K. (52) 6 Jahre
  • Siegfried B. (52) 5 Jahre 10 Monate
  • Jens P. (51) bekam 5 Jahre 4 Monate aufgebrummt.

Die Ex-Manager erhielten die Freiheitsstrafen wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs.

Beim Richterspruch waren zahlreiche Anleger im Saal. Sie verfolgten den zweieinhalbjährigen Prozess, bangen nach wie vor um ihr Geld.

Bis November 2013 agierte die INFINUS-Gruppe mit insgesamt 20 Firmen im Finanzsektor von Dresden aus. Nach einem anonymen Hinweis wegen angeblicher Scheingeschäfte und riskanter Verträge zwischen den einzelnen Firmen, rückte die Staatsanwaltschaft zur Razzia an. Teure Bilder, Autos, Immobilien wurden ebenso beschlagnahmt, wie tausende Akten mit Verträgen.

Die Manager kamen in U-Haft, saßen dort zum Teil drei Jahre. Nur Tage nach der Razzia meldete INFINUS Insolvenz an. Seither bangen die Anleger um ihre Gelder. Nicht nur das: Die Insolvenzverwalter verklagen die Anleger inzwischen auf die Rückzahlung von Zinsen, die sie einst von INFINUS ausgezahlt bekamen.

Der Prozess ist einer der größten Wirtschaftsfälle, der in Sachsen je stattfand. Schon die Zahlen sind gigantisch:

Die Anklage umfasste 757 Seiten. Alle erfassten Dokumente, Gutachten und Bilanzen besitzen ein Datenvolumen von 20 Terabyte! In über 160 Verhandlungstagen wurden rund 270 Zeugen gehört.