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Neuer Chef der Landeszentrale: "Politische Kultur darf nicht den Bach runtergehen!"

Dr. Roland Löffler, neuer Chef der Bibliothek der Landeszentrale, stand TAG24 in einem ausführlichen Interview Rede und Antwort.

Von Pia Lucchesi

Dr. Roland Löffler (46) in der 
Bibliothek der Landeszentrale für politische Bildung. Er möchte, dass seine 
Einrichtung nicht nur als Haus für Dresden wahrgenommen wird.
Dr. Roland Löffler (46) in der Bibliothek der Landeszentrale für politische Bildung. Er möchte, dass seine Einrichtung nicht nur als Haus für Dresden wahrgenommen wird.

Dresden - Nach sieben Monaten Vakanz ist die Stelle des Direktors der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) nun wieder besetzt.

Der gebürtige Hesse Dr. Roland Löffler tritt die Nachfolge von Frank Richter an.

Der 46-Jährige ist ein Hoffnungsträger, übernimmt er das Amt doch in schwierigen, turbulenten Zeiten.

Fertige Konzepte präsentiert der studierte Theologe nach seinen ersten Arbeitstagen nicht.

Bis Ende des Jahres will er die Angebote der SLpB auf den Prüfstand stellen.

Bewährtes soll fortgeführt und Neues ausprobiert werden.

Im exklusiven Interview mit TAG24 spricht Löffler über seine Ziele, Toleranzgrenzen, Landlust und Familienstreit.

Dr. Roland Löffler im Interview 
mit TAG24-Redakteurin Pia Lucchesi.
Dr. Roland Löffler im Interview mit TAG24-Redakteurin Pia Lucchesi.

TAG24: In ihrer Antrittsrede sagten Sie, dass es ohne Mut zur Freiheit keine Demokratie gibt. Wann waren Sie das letzte Mal mutig für die Demokratie?

Roland Löffler: Im letzten Jahr habe ich als erster das polnische Bürgerprotestkomitee KOD zu einer Veranstaltung nach Berlin eingeladen. Diese Gruppe brachte letztes Jahr zehntausende Bürger auf die Straße - gegen die Einschränkungen beim Verfassungsgericht.

Die Entwicklung in Polen macht mir Sorgen, gerade weil meine Frau aus Polen stammt. Mir war wichtig, KOD in Deutschland eine Plattform zu geben. 400 Leute kamen, auch viele KOD-Gegner. Ein emotionaler, spannender Abend.

In Polen wird wie in Sachsen heftig über Zuwanderung gestritten...

Wenn dort das Thema Flüchtlinge aufkommt, gehen die Emotionen hoch. Ich halte dagegen und versuche die Debatte auf eine sachliche Ebene zu bringen.

Was sind Sie mehr in solchen Diskussionen - Theologe, Philosoph oder Demokrat?

Soll ich Ihnen sagen, was ich da bin? Ich fühle mich manchmal wie die personifizierte Angela Merkel und bin der Punchingball für meine polnischen Freunde. Ist aber kein Drama für mich, die Polen regen sich schnell wieder ab - und wir trinken einen Wodka zusammen.

Sprechen Sie Polnisch?

Sehr schlecht, aber ich will die Sprache unbedingt noch lernen. Verstehen geht ein bisschen besser.

Dr. Roland Löffler: 

„Politische Kultur darf nicht 


den Bach runtergehen“.
Dr. Roland Löffler: „Politische Kultur darf nicht den Bach runtergehen“.

Sie sind parteilos. Wie würden Sie ihre Geisteshaltung beschreiben?

Parteilos zu sein und politisch zu denken, schließt sich ja nicht aus. Ich komme aus einem journalistischen Elternhaus, da ging es fast immer um Politik. Dann habe ich mich in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert, Theologie studiert.

Daraus hat sich mein Grundgerüst an Werten, Überzeugungen und mein Menschenbild entwickelt. Deshalb ist mir Bildung wichtig: Politisches Verständnis entsteht nicht von allein, sondern braucht Zeit und Impulse, die wir als Landeszentrale für Sachsen liefern.

Sie haben sich nach dem Studium für eine Karriere als Stiftungsmanager jenseits der Kirche und gegen das Pfarramt entschieden. Warum?

Weil ich festgestellt habe, dass ich ein besserer Amateur-Christ als Profi bin. Ich schätze den Berufs des Pfarrers sehr, wollte ihn aber nicht ein Leben lang ausüben. Kultur, Politik, Bildung - das hat mich auch immer sehr interessiert.

In der Stiftungsarbeit konnte ich mich um aktuelle gesellschaftliche Themen kümmern wie Integration, Demografie, Ehrenamt und politische Beteiligung.

Das war sehr anregend, man musste neue Trends aufspüren und Themen setzen. Ähnlich ist es auch bei der Landeszentrale. Ich habe eine große Neugier auf Themen, Menschen, gerade hier in Sachsen. Hier in den neuen Bundesländern ist vieles noch nicht fertig, hier lässt sich noch manches gestalten.

Steht TAG24 Rede und Antwort: Der neue Chef der Landeszentrale.
Steht TAG24 Rede und Antwort: Der neue Chef der Landeszentrale.

Das SLpB-Jahresmotto heißt „Nu is aber gudd!“ Wo hat ihre Toleranz Grenzen?

Wenn in Riesa ein Schweinekopf vor einem arabischen Lebensmittelladen liegt. Einschüchterung ist kein Teil unserer politischen Kultur in Deutschland. Wer so etwas macht, ist außen vor. Da müssen wir Demokraten zusammenstehen und sagen, dass eine rote Linie überschritten wurde.

Sie möchten die ländliche Perspektive in der politischen Debatte stärker verankern. Warum?

Die meisten Deutschen leben jenseits der Großstädte. Deshalb hat das Land große Bedeutung. Ich mag es dort, meine Großeltern hatten einen Handwerksbetrieb auf einem Dorf.

Nun ziehen viele Menschen weg, weil es in größeren Städten bessere Ausbildungsmöglichkeiten und höher bezahlte Jobs gibt, jeder nach seinen Wünschen leben kann.

Das ist kein sächsisches, sondern ein weltweites Phänomen. Dadurch sterben manche Orte aus. Das tut weh. Wichtig ist, dass die Anliegen der Bürger ernst genommen werden.

Wir brauchen ihre Stimme und ihr Engagement vor Ort. Politik und Verwaltung werden die Veränderungen im ländlichen Raum nicht alleine lösen.

Das Thema muss auf die Agenda und viel intensiver und ehrlicher diskutiert werden. Unser Jahresmotto als Landeszentrale wird 2018 darum Stadt-Land-Mensch sein.

Welchen Beitrag soll die SLpB unter ihrer Ägide in dieser Diskussion leisten?

Wir können Themen setzen, Ideen-Agentur sein und erfolgreiche Modelle aus anderen Regionen Deutschlands und Europas vorstellen. Wir als Landeszentrale wollen uns wichtigen Zukunftsfragen unserer Gesellschaft stellen. Grundsätzlich sehe ich einen Hauptauftrag unseres Hauses darin, die Streitkultur im Lande zu befördern.

Mich stört sehr, dass wir mittlerweile eine Verrohung in der öffentlichen Debatte haben. Wenn wir so weitermachen, dann geht unsere politische Kultur den Bach runter. Damit es nicht soweit kommt, wollen wir dazu beitragen, dass in Sachsen ehrlich und offen um gute Lösungen gerungen wird.

Fotos: Steffen Füssel

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