Isolierstationen in Vorbereitung, Atemschutz wird knapp, Pandemie-Plan: Sachsen rüstet gegen das Coronavirus

Dresden - Lange war der Osten vom Corona nicht betroffen. Mittlerweile hat das Virus aber auch Sachsen im Griff. Schon ab Donnerstag greift der neue Pandemie-Plan, ein Koordinierungsstab aus Ärzten, Apothekern und Ministeriellen tagt, Mittwoch treffen sich die Landräte. Allerdings bleibt es dabei: Es gibt bislang nur einen Infizierten, einen Rentner (67, Stand: 3. März) aus Schmiedeberg im Osterzgebirge.

Gesundheitsministerin Petra Köpping (61, SPD).
Gesundheitsministerin Petra Köpping (61, SPD).  © Holm Helis

Laut Gesundheitsministerin Petra Köpping (61, SPD) stehen 61 Sachsen unter Coronaverdacht - zwei aus Dresden, einer aus dem Erzgebirge, der Rest aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Darunter auch 21 Personen aus dem direkten Umfeld des erkrankten Mannes, 16 Bekannte und Verwandte wurden bereits negativ getestet.

Der zuständige Reiseleiter der betroffenen Gruppe sagte am Dienstag sächsische.de: "Für meine Frau und mich ist der Test zum Glück negativ ausgegangen. Wir sind jetzt aber in Quarantäne." Direkte Verhaltensanweisungen dafür habe er aber nicht erhalten.

Tagsüber bleiben beide in der Wohnung, abends gehen sie an die frische Luft. "Wenn mir aber jemand Bekanntes begegnet, muss ich abdrehen und den Kontakt vermeiden. Ich will auch nicht darauf angesprochen werden."

Auch wenn weltweit noch immer kein Medikament existiert: Lokal stehen die Krankenhäuser bereit. So heißt es aus dem Helios-Klinikum Pirna: "Generell können alle Kliniken, die Patienten mit Influenza aufnehmen, auch Corona-Erkrankte behandeln." Zusätzlich zu Isolierzimmern könne eine ganze Isolierstation eingerichtet werden.

Auch das Städtische Klinikum Dresden mit den Standorten Neustadt und Friedrichstadt ist ständig auf die Behandlung infektiöser Patienten vorbereitet. In Neustadt/Trachau steht eine Infektiologische Station mit 20 Betten zur Verfügung. Hier können Patienten in Isolierpflege betreut werden. Es gibt eine Corona-Arbeitsgruppe.

Im Verdachtsfall den Hausarzt fragen

Atemschutz wird bereits an einigen Kliniken knapp.
Atemschutz wird bereits an einigen Kliniken knapp.  © dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Vom Leipziger Uniklinikum heißt es: "Wir haben eine Vereinbarung mit dem Städtischen Klinikum St. Georg, dass Patienten mit klarem Verdacht in den dortigen Spezialzimmern behandelt werden, solange Kapazitäten frei sind. Für weniger klare Fälle haben wir hier am Haus auf einer Station zwei Isolierzimmer vorbereitet."

"Angespannt" ist in Leipzig die Verfügbarkeit von Schutzkleidung und Hygieneartikeln, "problematisch" in Dresden. In Pirna sind alle Mitarbeiter auf "ressourcenschonende Nutzung" etwa von Schutzmasken hingewiesen.

Die Landesärztekammer mahnt, dass im Verdachtsfall immer die Hausärzte Ansprechpartner sind. Es empfehle sich ein vorheriger Anruf. Auch der Patientenservice 116 117 gebe Auskunft bei Verdacht.

Unterdessen hagelt es weiter Absagen. Zum Beispiel gibt es nun doch keine Buchmesse in Leipzig. Rein präventiv hätten sich Stadt und Veranstalter auf das Aus verständigt, so ein Rathaussprecher. Einen Ersatz gibt es aber für die kleine, parallel stattfindende Mangamesse in Leipzig.

Nicht statt findet hingegen die bundesweite Apfelverteilaktion am Samstag. Das betrifft zahlreiche öffentliche Plätze wie den Dresdner Altmarkt. Auch das für gestern im Dippoldiswalder Sportpark geplante Fußball-Turnier wurde abgesagt.

Und, böse Ironie: Die für Mittwoch geplante Übergabe eines neuen Infektionsrettungswagens in Leipzig ist ebenfalls abgesagt.

Inzwischen müssen die Krankenhäuser mit Schutzkleidung gut haushalten.
Inzwischen müssen die Krankenhäuser mit Schutzkleidung gut haushalten.  © dpa/Marcel Kusch
Das Krankenhaus Dresden-Neustadt in Trachau.
Das Krankenhaus Dresden-Neustadt in Trachau.  © Ove Landgraf
Mitarbeiter des Landratsamtes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nahmen am Dienstag von Bekannten des Infizierten in Dippoldiswalde Proben.
Mitarbeiter des Landratsamtes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nahmen am Dienstag von Bekannten des Infizierten in Dippoldiswalde Proben.  © Tino Plunert
Eine Mitarbeiterin des Landratsamtes betritt mit Schutzkleidung das Nebengebäude.
Eine Mitarbeiterin des Landratsamtes betritt mit Schutzkleidung das Nebengebäude.  © Tino Plunert
Doch abgesagt. Die Leipziger Buchmesse findet nicht statt.
Doch abgesagt. Die Leipziger Buchmesse findet nicht statt.  © dpa/Jens Kalaene

Titelfoto: Holm Helis, dpa/Marcel Kusch


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