Jägern reicht's! Noch mehr Tote Wildschweine wären gegen die Ehre

Jäger sollen demnächst mit Nachtzielgerät schießen dürfen.
Jäger sollen demnächst mit Nachtzielgerät schießen dürfen.  © Imago

Dresden - Aus Furcht vor der näher rückenden Schweinepest (TAG24 berichtete) fordert Sachsens Bauernpräsident Wolfgang Vogel jetzt den Abschuss von 70 oder 80 Prozent aller Wildschweine. Und die Landesregierung schießt flugs ein Aktionsprogramm hinterher. Doch den "Krieg im Sachsenwald" lehnen viele Jäger ab. Die Gründe sind vielschichtig.

Laut neuem Jagdgesetz, das jetzt auf den Weg gebracht wurde, soll Jägern die Verwendung von Schalldämpfern, Nachtzielgeräten und den noch weit umstritteneren Fallen gestattet werden. "Da sträubt sich mir das Gefieder", ärgert sich Jörg Köhler, Chef des Großenhainer Jagdverbandes. "Das widerspricht der Waidgerechtigkeit, dem Tierschutz und der Jäger-Ehre."

Für Köhler sind die 80 Prozent Reduzierung ohnehin nur ein Schuss ins Blaue. "Es gibt ja keine Bezugsgröße. Keiner weiß, wie viel Wild im Wald wirklich ist."

Werden die Rotten mal so prophylaktisch ausgerottet? Die Bauern blasen zur großen Jagd.
Werden die Rotten mal so prophylaktisch ausgerottet? Die Bauern blasen zur großen Jagd.  © Imago

Außerdem wehrt er sich dagegen, dass jetzt prophylaktisch Rotten ausgerottet werden sollen: "Ein Jäger weiß, wie er die Bestände hegt. Wir brauchen keinen Startschuss."

Zumal die Wildschweine bei der Verbreitung der Krankheit eine viel geringere Rolle spielen als der Mensch.

Der Jagddruck auf Wildschweine ist ohnehin schon enorm hoch, weil die Population stark gestiegen ist. "Das Problem ist aber hausgemacht", gibt André Pöschl von der Jägerschaft Westerzgebirge der Politik die Schuld. "Die Landwirtschaft wird ja dafür belohnt, dass sie riesige Maisfelder anlegt. So fühlt sich das Schwarzwild wohl und vermehrt sich."

Gar nicht wohl fühlt sich Pöschl mit den Saufallen: "Das grenzt an Tierquälerei. Die Schweine geraten in Panik und leiden erbärmlich." Auch mit dem per Waffengesetz reglementiertem Nachtzielgerät haben die Schützen jagdethische Bedenken, weil die "Wilde Sau" dann gar keine Chance hat. Die Jäger fühlen sich zum Krieger reduziert, oder zum Schädlingsbekämpfer der Nation.

Auch ökonomisch lohnt sich die Wildschwein-Jagd nicht mehr, die Ankaufpreise für das Fleisch sind inzwischen im Keller. Einfach Tiere abknallen und das Fleisch wegwerfen ist nicht Sache anständiger Jäger. Olaf Kroggel vom Jagdverband Muldental: "Wir schießen nicht für die Tonne!"

Mit Nachtsichtgeräten soll die Quote erhöht werden.
Mit Nachtsichtgeräten soll die Quote erhöht werden.  © 123RF / orcearo

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