Neuer Plan: Wird das Japanische Palais bald ein Diplomatie-Zentrum?

Dresden - Ministerien, Förderprogramme, eine Landesbank - der Freistaat verfügt über unzählige Instrumente, um zu regieren, zu repräsentieren und die Wirtschaft zu fördern. Das reicht nicht, findet die Dresdner Architektin Ines Miersch-Süß (51). Sachsen brauche ein zentrales, aber neutrales Gäste-Haus mit Diplomatenparkett usw. Der Ort: das Japanische Palais in der Landeshauptstadt.

Hat große Visionen: Architektin Ines Miersch-Süß (51) zeigt auf das Japanische Palais im Hintergrund.
Hat große Visionen: Architektin Ines Miersch-Süß (51) zeigt auf das Japanische Palais im Hintergrund.  © Steffen Füssel

"Sachsen braucht ein internationales Begegnungszentrum", sagt Miersch-Süß. "Einen Ort, wo sich alle treffen."

Bislang würden Investoren gern von Ministerium zu Ministerium geschickt oder landeten nur an dem Haus, das für sie zuständig wäre. Bestenfalls gehe man am Treffpunkt irgendwo im Land nach einem Geschäftsessen wieder auseinander.

Eine Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft aber komme nicht zustande. Lobbygruppen wirkten eher intern, die Wirtschaftsförderung Sachsen funktioniere nur nach außen.

Sie schlägt darum das Japanische Palais als sächsisches Gäste-Haus vor. Hier solle der Ort sein, wo Sachsen seine Vision von sich zeigt - potenziellen Investoren, Diplomaten, Gästen. Den Überbau soll die sogenannte Saxony Foundation bilden - keiner Stiftung, wie es die wörtliche Übersetzung nahelegt, eher eine Landestochter nach Vorbild zum Beispiel vom Staatsweingut Wackerbarth. Das Palais selbst ist bereits im Landesbesitz.

Schon August der Starke habe einst das Palais gebaut, "um Sachsen für Europa ein Gesicht zu geben", so die Architektin. Darum sei der Einbau von Diplomatenzimmern im edlen Sachsen-Treff auch nur gerechtfertigt. Im Hof könne ein "riesengroßes Sachsen-Modell" das Entrée bilden.

Das Problem: Noch beherbergt das Palais das Museum für Völkerkunde Dresden und das Archiv der Avantgarden. Während das Archiv bald ins Blockhaus zieht, soll die Naturkundesammlung ein paar Hundert Meter hinauf ans Königsufer wandern, so die Pläne von Miersch-Süß und Mitstreitern.

"Dort stellen wir uns das 'Global Forum of Nature' vor", sagt sie. Ein modernes Haus für Nachhaltigkeit, gelegen zwischen Finanzministerium und Narrenhäusl.

Die Idee zur Nutzung des Japanischen Palais hat die Architektin bereits Landtagspräsident Matthias Rößler (64, CDU) unterbreitet. Der verwies sie an die Landtagsfraktionen.

Das nach dem Krieg wiederaufgebaute Japanische Palais war bis 1945 Sitz der Landesbibliothek.
Das nach dem Krieg wiederaufgebaute Japanische Palais war bis 1945 Sitz der Landesbibliothek.  © dpa/euroluftbild.de/Robert Grahn

Titelfoto: dpa/euroluftbild.de/Robert Grahn

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