In Sachsens Untergrund ticken die Zeitbomben

Dresden - 7,5 Tonnen Weltkriegsmunition vernichtete der Kampfmittelbeseitigungsdienst 2018. Das waren zwar zwei Tonnen weniger als im Vorjahr. Doch die Bomben-Experten stehen vor einem anderen Problem: Ihr Job wird zunehmend riskanter.

In der Dippoldiswalder Heide werden Fliegerbomben festgestellt und gesprengt.
In der Dippoldiswalder Heide werden Fliegerbomben festgestellt und gesprengt.  © Roland Halkasch

"Die Munition wird immer unberechenbarer", sagt Jürgen Scherf (59), Sprecher des Polizeiverwaltungsamtes. Der Grund: Über 70 Jahre nach Kriegsende funktionieren die Zünder - bedingt durch Korrosion - manchmal anders als gedacht. Auch der Sprengstoff hat sich chemisch verändert.

Jüngstes Beispiel: Bei der Bombenentschärfung in Dresden-Löbtau im vergangenen Jahr gingen die Kampfmittelbeseitiger davon aus, dass die Fliegerbombe mit der Chance 50 zu 50 detoniert oder eben nicht. Fehlanzeige: "Sie detonierte zum Teil", so Scherf.

Das Hauptgeschäft der Experten sind übrigens nicht Bomben, sondern die Beseitigung von Artilleriemunition wie Minen und Granaten. 183 Kilo allein 2018, 55 Tonnen mehr als 2017. In 36 Fällen war die Munition nicht transportfähig, zehn Fälle mehr als 2017.

Ende der Munitionsfunde nicht abzusehen

Experten bei der Granatensprengung in der Dippoldiswalder Heide.
Experten bei der Granatensprengung in der Dippoldiswalder Heide.  © Holm Helis

Dass die gestiegene Zahl der transportunfähigen Geschosse mit der Unberechenbarkeit in Zusammenhang stehen, "kann man nur spekulieren", so Scherf. Vernichtet werden die Fundstücke in Zeithain.

Je nach Munition geschieht das auf unterschiedliche Weise: Bomben werden zersägt (in Stücke mit höchstens 500 Gramm Sprengstoff) und verbrannt.

Waffen werden in einem Ausglühofen vernichtet, der alle Öffnungen verklebt; kleinere Munition landet im Detonationsofen.

Ein Ende der Munitionsfunde ist nicht abzusehen: "Das wird uns noch Jahre beschäftigen", so Jürgen Scherf.

2018 gab es 792 Einsätze. Dabei wurden die Spezialisten zu 349 Fundstellen gerufen. Rund 400 Munitionstransporte erfolgten.

Jürgen Scherf (59), Sprecher des Polizeiverwaltungsamtes, erklärt die geplanten Abläufe nach dem Bombenfund in Löbtau.
Jürgen Scherf (59), Sprecher des Polizeiverwaltungsamtes, erklärt die geplanten Abläufe nach dem Bombenfund in Löbtau.  © Norbert Neumann
Immer unberechenbarer werden die Bomben - wie auch diese im Dresdner Stadtteil Löbtau.
Immer unberechenbarer werden die Bomben - wie auch diese im Dresdner Stadtteil Löbtau.  © xcitepress
Hier detonierte die Bombe von Löbtau - aber nur teilweise.
Hier detonierte die Bombe von Löbtau - aber nur teilweise.  © DPA

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