Neue Erkenntnisse zum Juwelen-Raub: Weniger gestohlen als befürchtet!

Dresden - Nach dem Einbruch vom Montag in das Historische Grüne Gewölbe laufen die Ermittlungen der Sonderkommission "Epaulette" in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Dresden auf Hochtouren. Am Dienstagnachmittag wurden auf einer Pressekonferenz neue Erkenntnisse über das Ausmaß des Raubes bekanntgegeben.

Die kurzfristig einberufene Pressekonferenz im Schloss.
Die kurzfristig einberufene Pressekonferenz im Schloss.  © TAG24

Marion Ackermann, Generaldirektorin der Kunstsammlungen gab am Dienstag bekannt, dass größere Teile des gestohlen geglaubten Schatzes noch da sind. Die Diebe hätten aufgrund ihrer Eile nicht die Vitrine ausgeräumt, sondern einen größeren Teil der drei Juwelen-Garnituren liegen lassen.

Vor allem was den reinen Materialwert beträfe, wäre der Schaden weitaus geringer als bisher angenommen. Die gestohlenen Schmuckstücke haben hauptsächlich einen kulturhistorischen Wert. Die gestohlenen Diamanten und Brillanten selbst verfügen über einen so alten Schliff, dass sie auf dem heutigen Markt kaum eine Rolle spielen dürften.

Auf mögliche Fehler im Sicherheitskonzept angesprochen, wird sich auf laufende Ermittlungen berufen. Man wolle erst deren Ergebnisse abwarten, bevor man sich dazu äußere. Auch gehe man mit großer Besorgnis dem Gedanken nach, ob das Insiderwissen der Täter aus dem Hause selbst kam.

Der Sicherheitsdienst an der Videoüberwachung hatte sich dazu entschieden, per Notruf 110 die Polizei zu verständigen. Es wäre seine Ermessensentscheidung gewesen. Ebenfalls hätte er den Raum des Raubüberfalls aufsuchen können, dies aber wegen der groben Gewalt, mit der die Täter vorgegangen waren, nicht getan und daher die Beamten per Notruf verständigt.

Auch das Licht blieb aus, angeblich um den Dieben die Arbeit zu erschweren. So seien einige Kunstgegenstände liegengeblieben. Durch die Dunkelheit allerdings sind die Aufnahmen der Überwachungskamera sehr schlecht und dienen nur schwer einer genauen Täterbeschreibung.

Der Angriff sei in außergewöhnlicher Weise vor- und nachbereitet worden.

Polizei bekam 91 Hinweise aus der Bevölkerung

Auch in der Tiefgarage auf der Kötzschenbroder Straße wurden reichlich Spuren gesichert.
Auch in der Tiefgarage auf der Kötzschenbroder Straße wurden reichlich Spuren gesichert.  © Ove Landgraf

Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, hat sich inzwischen der Verdacht bestätigt, dass die Täter nach dem Einbruch und Juwelen-Raub mit einem Audi A6 vom Tatort flüchteten und der Wagen kurze Zeit später in einer Tiefgarage in der Kötschenbroder Straße in Brand gesetzt wurde.

Als Beweis werden Spuren des Tatorts im Wrack des Fahrzeuges genannt.

Zudem gehen die Ermittler davon aus, dass der Stromverteilerkasten in die Nähe der Augustusbrücke vorsätzlich in Brand gesetzt wurde.

Dadurch fiel die Straßenbeleuchtung aus, was den Kriminellen beim Einbruch in die Schatzkammer in die Karten spielen sollte.

"Insgesamt sprechen die Umstände für eine zielgerichtete und vorbereitete Tat", so der Kriminalrat Olaf Richter.

Bislang war es noch nicht möglich, eine abschließende Bestandsaufnahme aller tatsächlich gestohlenen Schmuckstücke zu erstellen. Diese Aufgabe soll von den Verantwortlichen des Grünen Gewölbes übernommen werden.

Von der Soko "Epaulette" wurden zudem Zeugen befragt, auch Gäste des Dresdner Hotels Taschenbergpalais Kempinski in unmittelbarer Nähe am Tatort wurden interviewt. Darüber hinaus gingen 91 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Diese müssen nun noch ausgewertet werden.

Bild und Video-Hinweise an die Polizei können zudem über ein Portal übermittelt werden, das unter der URL: https://sn.hinweisportal.de erreichbar ist.

Außerdem werden mögliche Zeugen noch einmal dazu aufgerufen, sich bei der Polizei zu melden.

Wer hat Wahrnehmungen im Zusammenhang mit der Straftat gemacht? Wer hat verdächtige Personen am Tatort gesehen?

Die Pressekonferenz vom Dienstag zum Nachschauen

Die Untersuchungen der Polizei dauern an.
Die Untersuchungen der Polizei dauern an.  © Norbert Neumann

So lief der Juwelen-Raub im Grünen Gewölbe ab

Am Montagmorgen wurde gegen 5 Uhr der Staatsschatz aus dem Juwelenzimmer im Grünen Gewölbe aus einer Vitrine entwendet. Die Täter drangen über ein Fenster im Erdgeschoss ein, nachdem sie das davor befindliche Gitter zertrennt hatten, zerstrümmerten mit einer Axt das Sicherheitsglas der Vitrine und entwendeten die Beute, Juwelengarnituren aus der Zeit August des Starken. Der gesamte Einbruch dauerte nur wenige Minuten.

Um 4.59 Uhr alarmierte der Sicherheitsdienst im Residenzschloss über den Notruf 110 die Polizei. Auf den Monitoren in der Sicherheitszentrale hatten die Wachleute die beiden Ganoven gesehen - während der Tat. Um 5.04 waren die ersten Polizisten vor Ort. Da waren die Räuber bereits fort.

Nur eine Minute später gab es einen Hinweis auf ein Fluchtfahrzeug. 5.08 Uhr traf der Kripo-Dauerdienst ein. Alle verfügbaren Funkstreifenwagen (16 insgesamt) wurden alarmiert. Zur selben Zeit (5.09 Uhr) ging das Licht am Theaterplatz aus.

Video aus dem Grünen Gewölbe zeigt die Räuber beim Beutezug

Zwei Täter wurden von einer Überwachungskamera beim Einbruch gefilmt. Mit den Aufnahmen sucht die Polizei nach den Kunst-Räubern. Die Video-Sequenz aus dem Grünen Gewölbe zeigt die Sächsische Schatzkammer im Dunkeln und dauert gut 30 Sekunden an. Zeugenhinweise werden unter der Telefonnummer 0351 4832233 entgegen genommen.

Schmuckstücke aus dem Juwelierzimmer im Grünen Gewölbe entwendet

Von der Polizei wurden am Montagabend insgesamt 10 Fotos gestohlener Kostbarkeiten aus dem Juwelierzimmer veröffentlicht. Darunter befinden sich auch der Bruststern des Polnischen Weißadlerordens oder der Degen eines Diamantrose-Sets. Alle Schmuckstücke, die von den Räubern entwendet worden, findet Ihr >>>hier.

Das Juwelierzimmer im Grünen Gewölbe.
Das Juwelierzimmer im Grünen Gewölbe.  © Sebastian Kahnert/ZB/dpa
Zwei der Schätze, die aus Sachsens Schatzkammer gestohlen wurden.
Zwei der Schätze, die aus Sachsens Schatzkammer gestohlen wurden.  © Jürgen Karpinski/Grünes Gewölbe/Polizeidirektion D

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