Juwelen-Raub in Dresden: Trifft den Vitrinen-Hersteller eine Schuld?

Dresden - Nachdem die Täter im Grünen Gewölbe die Vitrine blitzschnell mit einer Axt zertrümmern konnten, rückt der Hersteller in den Fokus.

Das Residenzschloss.
Das Residenzschloss.  © Holm Helis

Der Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Syndram (64), hatte schwere Vorwürfe erhoben: Das Versprechen des Glaslieferanten habe nicht gehalten. Die Kunstsammlungen seien davon ausgegangen, dass man 15 Minuten mit einer Axt auf die Vitrine einschlagen muss, bis sie beschädigt werde. Den Namen der Firma nannte er nicht.

Das aber bringt Uwe Reier, Chef der Vitrinen- und Glasbau Reier GmbH aus Lauta, auf die Palme. Er sieht durch Syndram sein Unternehmen in Misskredit gebracht. Viele würden nun davon ausgehen, dass er als einziger regionaler Museums-Einrichter der "Schuldige" sei.

Er habe Vitrinen für das Juwelenzimmer geliefert, nicht aber die vom Einbruch betroffene Vitrine, sagte er TAG24. Er forderte die Kunstsammlungen auf, den Vitrinenhersteller zu nennen. "Um alle anderen Firmen vom Generalverdacht der Schuld freizustellen." Die Kunstsammlungen reagierten bislang nicht auf eine TAG24-Anfrage.

Die zerstörte Vitrine stammt offenbar von der Firma Sehner aus der Nähe von Stuttgart. Sie ist auf der Firmen-Website als Referenz aufgeführt. Bislang ließ das Unternehmen eine TAG24-Anfrage unbeantwortet.

Unterschiede bei Glas-Widerstandsfähigkeit

Diese Vitrine wurde mit wenigen Axtschlägen zerstört.
Diese Vitrine wurde mit wenigen Axtschlägen zerstört.  © Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Hans Christian

Glasbau-Experte Uwe Reier verwies indes darauf, dass die Firmen nur nach den Anforderungen der Ausschreibung produzieren. Die Firma könne somit nicht entscheiden, ob die Auswahl des Glases sicherheitstechnisch ausreichend ist. "Eine Prüfung der in der Ausschreibung formulierten Anforderung an die Verglasung der Vitrinen wäre vor Schuldzuweisung hilfreich."

Es gibt nach seinen Angaben bei der Widerstandsfähigkeit vier Kategorien: Durchwurfhemmung, Durchbruchhemmung, Durchschusshemmung und Sprengwirkungshemmung.

"Diese Widerstandsklassen und Bezeichnungen geben an, welchem Angriffsgewicht, welchem Angriffswerkzeug oder welcher Angriffswaffe die Scheibe für eine definierte Zeit standhalten muss. Das ist wichtig zu wissen, da keine Scheibe dem dauerhaften Angriff standhalten kann", so Uwe Reier.

Bei Museumsvitrinen sei Durchwurfhemmung üblich: "Eine 1100 Millimeter mal 900 Millimeter große Scheibe muss dem dreimaligen Aufprall einer 4,11 Kilogramm schweren Stahlkugel mit 10 Zentimeter Durchmesser aus 6 Meter Höhe standhalten."

Einem mehrfachen Angriff mit einer Axt - wie im Grünen Gewölbe von Dresden geschehen - könne dieses Glas nicht standhalten, so Reier.

Sandra Jäschke, Sprecherin des Finanzministeriums erklärt: "Fakt ist, dass die Vitrinen Teil des Gesamt-Sicherheitskonzeptes sind, was zwischen Kunstsammlungen, Landeskriminalamt und Sächsischem Immobilien- und Baumanagement abgestimmt wurde. Geliefert wurde genau das, was auch damals gefordert bzw. ausgeschrieben war, nämlich Verbundsicherheitsglas. Wichtig war damals auch, dass die Vitrinen vom Aussehen den historischen entsprechen und man durch das Glas die Objekte dennoch gut sehen kann."

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