Orden für El-Sisi war nur der Anfang: Frey will in Kairos neuer Oper antanzen

Dresden/Kairo - Erst ein Preis, dann ein Ball? Während um die Preisverleihung des St. Georgs Ordens an Ägyptens Präsident El-Sisi noch heftig gestritten wird (TAG24 berichtete), hat SemperOpernball-Chef Hans-Joachim Frey (54) ein nächstes Projekt im Auge: Er will in Kairo einen Opernball inszenieren! War das der wahre Grund für den Preis an El-Sisi?

Das Opernhaus Kairo wurde 1985 als Geschenk von Japan an den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak gebaut.
Das Opernhaus Kairo wurde 1985 als Geschenk von Japan an den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak gebaut.  © imago images/Zuma Press

Gerade entsteht vor den Toren der Millionenmetropole Kairo eine neue Super- Verwaltungsstadt samt Opernhaus - komplett gebaut von El-Sisis Militär.

Forciert der Präsident die Arbeiten, könnte die neue Oper (2600 Plätze) noch in diesem Jahr öffnen, sonst 2021. "Wir suchen nach vielen guten Ideen für ein Grand Opening", so Kulturministerin Dr. Inés Abdel Daim im Gespräch mit Frey, der zuvor auch Präsident El-Sisi sein Ballprojekt umrissen hatte.

Auch der Direktor der alten Kairoer Oper und Ex-Tänzer Magdy Saber signalisierte den Wunsch nach Kooperation und Kulturaustausch.

"Ein Ball zur Eröffnung der neuen Oper ist unrealistisch, weil sich ein Haus erst einspielen muss und ein Ball mit erheblichen Um- und Ausbauten verbunden ist", so Frey. "Aber nach einem halben Jahr, wenn die Technik eingespielt ist, ist ein Opernball durchführbar."

Der SemperOpernball Verein will in diesem Fall aber nicht als Veranstalter auftreten und Tickets verkaufen, vielmehr der Produktion beratend zur Seite stehen. "Wir verstehen dieses Projekt als weiteren kulturellen Brückenschlag von Europa nach Ägypten", erklärt Frey.

Schon nach dem erfolgreichen Ball-Export 2019 nach St. Petersburg habe er Anfragen aus dem arabischen und asiatischen Raum erhalten.

Mammut-Projekt und Mega-Baustelle: Capital Cairo entsteht auf einer Fläche von 700 Quadratkilometern, soll über 45 Milliarden Dollar kosten und für bis zu sieben Millionen Bewohner angelegt werden.
Mammut-Projekt und Mega-Baustelle: Capital Cairo entsteht auf einer Fläche von 700 Quadratkilometern, soll über 45 Milliarden Dollar kosten und für bis zu sieben Millionen Bewohner angelegt werden.  © dpa/Matthias Toedt
Planen einen Kulturaustausch: Ägyptens Opernchef Magdy Saber (l.) und Ballchef Hans-Joachim Frey.
Planen einen Kulturaustausch: Ägyptens Opernchef Magdy Saber (l.) und Ballchef Hans-Joachim Frey.
Die Visualisierung zeigt, wie die neue Oper einmal aussehen soll.
Die Visualisierung zeigt, wie die neue Oper einmal aussehen soll.  © privat

Auch über dem sächsischen Preisträger liegt ein Schatten

Unternehmer Hans Jürgen Naumann (84): "Dass El-Sisi den St. Georgs Orden erhalten hat, ist für mich kein Grund, die Ehrung nicht anzunehmen."
Unternehmer Hans Jürgen Naumann (84): "Dass El-Sisi den St. Georgs Orden erhalten hat, ist für mich kein Grund, die Ehrung nicht anzunehmen."  © Petra Hornig

Auch ein Sachse wird am 7. Februar auf dem SemperOpernball geehrt: Der Unternehmer Hans Jürgen Naumann (84) wird mit dem St. Georgs Orden ausgezeichnet - für sein Lebenswerk und seine Verdienste beim Aufbau des Freistaates.

Der gebürtige Tauchauer Maschinenbau-Ingenieur wanderte 1960 in die USA aus. 1992 gründete er in Chemnitz die Niles-Simmons Industrienanlagen GmbH und siedelte neun Jahre später die Unternehmensgruppe Niles-Simmons-Hegenscheidt in Sachsen an. Naumann ist Vorsitzender des Kompetenzzentrums Maschinenbau in Chemnitz und Präsident des Industrievereins Sachsen.

Und doch liegt auch über diesem Preisträger ein Schatten. In einem Interview 2017 hatte Naumann in Anlehnung an US-Präsident Trump dafür appelliert, dass "die weiße Bevölkerung zusammenstehen muss". Die afrikanische Jugend dagegen müsse man zum Militär einziehen, um "ihnen dort Disziplin" beizubringen.

Die damalige Wissenschaftsministerin Eva-Maria-Stange (SPD) rüffelte Naumann daraufhin und rügte den "deutlich rassistischen Tenor" seiner Äußerungen.

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