Meningokokken? Nach Todesfall in Dresdner Kita müssen Dutzende Kinder Antibiotika nehmen

Dresden - Ein trauriger Todesfall macht betroffen: Am Montag verstarb ein kleines Kind (3) im Krankenhaus. Das Gesundheitsamt prüft, ob sich das Mädchen mit Meningokokken infiziert hatte (TAG24 berichtete).

Am Freitag hatte die Dreijährige noch ihre Kita "Pirolino" in Cotta besucht. Wegen möglicher Ansteckungsgefahr erhielten dort jetzt Dutzende Kinder Antibiotika.
Am Freitag hatte die Dreijährige noch ihre Kita "Pirolino" in Cotta besucht. Wegen möglicher Ansteckungsgefahr erhielten dort jetzt Dutzende Kinder Antibiotika.  © Tino Plunert

Die ansteckenden Erreger können Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung auslösen. Dutzende Kinder der Kita, in die auch die Dreijährige ging, erhielten gestern eine Antibiotika-Prophylaxe.

Das Mädchen hatte am Freitag noch die Kita "Pirolino" in Cotta besucht. Am Montag musste sie ins Krankenhaus. Dort verstarb sie nach kurzer Zeit. "Das Kind war bei uns in Behandlung", bestätigt der Leiter der Kinderklinik am Universitätsklinikum, Prof. Reinhard Berner (55).

"Wir wissen noch nicht, ob es sich um Meningokokken handelte." Erste Tests bestätigten die Erreger nicht, weitere Laboruntersuchungen werden noch ausgewertet.

Das Gesundheitsamt geht dennoch dem Verdacht einer Meningokokken-Sepsis nach: "Aufgrund des schweren Krankheitsverlaufs müssen wir zunächst davon ausgehen", so Amtsleiter Jens Heimann (47).

Die Folge: Wegen Ansteckungsgefahr erhalten 37 Krippenkinder zwei Tage vorsorglich Antibiotika (als Saft oder Dragees). Sechs Amtsmitarbeiter kümmerten sich am Mittwoch darum. Auf Wunsch wird die Arznei auch allen 150 Kindern und 24 Erziehern verabreicht. Die Familie hatte sie bereits am Dienstag erhalten. Da die Kinder nicht isoliert werden müssen, kann der Kita-Betrieb weiterlaufen. Weitere Krankheitsfälle waren bis Mittwochabend nicht bekannt.

Infektionen mit Meningokokken sind sehr selten. In Dresden hatte es 2015 und 2017 einen Fall gegeben, im letzten Jahr zwei Fälle. Einer davon an einer Kita in Striesen: Ein Mädchen hatte eine Hirnhautentzündung erlitten, konnte erfolgreich behandelt werden.

Übertragung von Mensch zu Mensch

Meningokokken sind Bakterien, die Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung auslösen können.
Meningokokken sind Bakterien, die Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung auslösen können.  © 123RF

Meningokokken sind Bakterien, die lebensbedrohliche Erkrankungen wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Blutvergiftung (Sepsis) auslösen können.

Die Erreger werden meist durch Tröpfcheninfektion (Speichel) bei direktem Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Etwa beim Sprechen, Husten, Spielen, Kuscheln. Seltener ist eine Übertragung durch Schmierinfektion, da die Bakterien außerhalb des Körpers (leben im Nasen-Rachen-Raum) schnell absterben.

Erste Beschwerden zeigen sich in der Regel nach drei bis vier Tagen. Bei Hirnhautentzündungen (rund zwei Drittel der Krankheitsfälle) häufig Fieber, Gliederschmerzen, Nackensteifheit. Ein Drittel der Erkrankten erleidet eine Blutvergiftung. Auch hier tritt Fieber auf, in schweren Fällen Einblutungen (auf Punkte auf der Haut achten).

Die Erkrankung tritt häufig bei Kindern unter fünf Jahren oder bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren auf, seltener im Erwachsenenalter. 5 bis 10 Prozent aller Erkrankungen verlaufen tödlich. Empfohlen wird eine Impfung, allerdings finanzieren viele Kassen nicht den vollen Schutz.

Prof. Reinhard Berner (55) leitet die Kinderklinik am Universitätsklinikum.
Prof. Reinhard Berner (55) leitet die Kinderklinik am Universitätsklinikum.  © dpa/Thomas Albrecht
Jens Heimann (47) leitet das Gesundheitsamt, untersucht den traurigen Todesfall.
Jens Heimann (47) leitet das Gesundheitsamt, untersucht den traurigen Todesfall.  © Thomas Türpe

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