Sind Sächsische Kleingärten beliebte Nazi-Treffs?

Dresden - Sind Sachsens Kleingartenanlagen Rückzugsort von Rechtsextremisten? Zig Aktivitäten sind Verfassungsschutz und Innenministerium bekannt. Zuletzt hatte eine Dresdner Sparte als Neonazi-Treffpunkt für Wirbel gesorgt.

Der braune Barde Frank Rennicke (53) lockte Rechte ins "Sommerland".
Der braune Barde Frank Rennicke (53) lockte Rechte ins "Sommerland".

Im Dresdner Kleingarten-Idyll "Gartenfreunde Sommerland" trafen sich im Vereinsheim regelmäßig Neonazis, sogar Szene-Liedermacher Frank Rennicke (53), der zum "Liederabend" kam (TAG24 berichtete).

Vereins-Chef Steffen Pätzig (50) hatte sich entsetzt gezeigt, durchgegriffen und wurde danach massiv angefeindet.

Neue Zahlen gibt´s nun von Innenminister Roland Wöller (48, CDU) auf Anfrage von Valentin Lippmann (27, Grüne): Demnach gab es seit 2014 insgesamt 52 neonazistische Aktivitäten in sächsischen Kleingärten - teils mit über 100 Teilnehmern.

In diesem Jahr sind es bislang acht.

"Im Landkreis Mittelsachsen fand eine Party parteiungebundener Rechtsextremisten mit Auftritt des Liedermachers "FreilichFrei" statt", so der Minister.

Weitere Treffen gab es im Kreis Nordsachsen, Leipzig, Kreis Leipzig (je 1) sowie vier im Kreis Zwickau.

In den Jahren davor lag der Schwerpunkt in Dresden. Meist handelt es sich um Liederabende, Treffen und Partys - auf Gartengrundstücken in deren Eigentum bzw. von Familienangehörigen.

Lippmann: "Offensichtlich sehen Neonazis in Kleingärten zunehmend einen Rückzugsraum für sich und ihre Aktivitäten."

Er verwies auf die Terrorgruppen "Oldschool Society" und die "Freie Kameradschaft Dresden", die in Sachsen ebenfalls Kleingartenanlagen für ihre Treffen nutzten. Er forderte Wöller auf, ein Handlungskonzept vorzulegen.

Dem Landesverband der Kleingärtner ist aktuell nur der "Sommerland-Fall" bekannt.

Aber natürlich komme rechtsextremes Gedankengut vor. Verbands-Vize Lothar Fritzsch (67): "Das Bundeskleingartengesetz gibt es her, dass man solche Leute fristlos kündigen kann."

Zehntausende Kleingärten gibt es in Sachsen. Neonazi-Aktivitäten seien aber mitnichten ein Massenphänomen, so der zuständige Verband.
Zehntausende Kleingärten gibt es in Sachsen. Neonazi-Aktivitäten seien aber mitnichten ein Massenphänomen, so der zuständige Verband.  © Steffen Füssel
Lothar Fritzsch (67) vom Landesverband der Kleingärtner.
Lothar Fritzsch (67) vom Landesverband der Kleingärtner.  © PR / Landesverband Sachsen der Kleingärtner
Treffen in der Kleingarten-Kneipe in Dresden, darunter auch der Ex-NPD-Abgeordnete René Despang (46, hinten links).
Treffen in der Kleingarten-Kneipe in Dresden, darunter auch der Ex-NPD-Abgeordnete René Despang (46, hinten links).

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