21 Millionen Funde: Dresden öffnet die Schatzkammer der Geschichte

Dresden - Es ist das Herz der sächsischen Archäologie: Gut behütet und gekühlt lagern in einem Depot in Klotzsche 21 Millionen Ausgrabungs-Fundstücke, die einst unter der Erde im Freistaat schlummerten. Heute öffnet die "Schatzkammer" ausnahmsweise ihre Pforten, können Artefakte wie das "Pferd von Cossa" und Sachsens ältestes Werkzeug besichtigt werden.

Christoph Heiermann (59) vom Landesamt für Archäologie mit Sachsens ältestem Werkzeug: Einem 280.000 Jahre altem Faustkeil, der bei Markkleeberg entdeckt wurde.
Christoph Heiermann (59) vom Landesamt für Archäologie mit Sachsens ältestem Werkzeug: Einem 280.000 Jahre altem Faustkeil, der bei Markkleeberg entdeckt wurde.  © Ronald Bonß

Die Staufläche ist so groß wie ein Fußballfeld: Meterhoch türmen sich die Regale im Depot, beherbergen 60.000 Kisten. "Darin lagert unser historisches archäologisches Erbe", sagt Christoph Heiermann (59), Sprecher des sächsischen Landesamtes für Archäologie.

"Das reicht von der Gefäßscherbe bis hin zur Grabplatte. Alle Funde wurden von Menschen hergestellt, reichen bis in die Steinzeit vor 300.000 Jahren zurück."

Einer der größten Schätze ist das älteste sächsische Werkzeug: Faustkeile und Schaber aus Feuerstein! Sie sind 280.000 Jahre alt, wurden von Neandertalern mit Knochen oder anderen Steinen bearbeitet. Und zwar in der Region ums heutige Markkleeberg bei Leipzig!

Dort wurden die Artefakte in den 70er-Jahren in der Erde entdeckt. "Die Neandertaler nutzten das Werkzeug, um Wild zu zerlegen und zu häuten. Auch Knochen konnten sie damit aufschlagen, um ans Mark zu kommen", so Heiermann.

Neben polierter Axt und riesigem Vorratsgefäß staunen Forscher auch über Essensvorräte aus der Jungsteinzeit (um 7000 v. Chr.): Erbsen, die im heutigen Nickern gefunden wurden! "So ein Fund ist ganz selten. Essen würde ich die aber nicht mehr", sagt Heiermann schmunzelnd.

Höchst ungewöhnlich das 1998 bei Leipzig entdeckte "Pferd von Cossa": Ein achtjähriger Hengst, der 1000 n. Chr. ohne Reiter stehend in einer Grube beerdigt wurde. Interessant auch metallische Pfeilspitzen von Armbrüsten, die unterm Dresdner Schlosshof gefunden worden. "Sie konnten Rüstungen durchschlagen", erklärt Heiermann.

Übrigens: Der Platz im Depot wird langsam knapp. Denn pro Jahr kommen 300.000 Funde aus sächsischen Ausgrabungsstätten hinzu. Penibel werden alle Stücke gewaschen, sortiert, beschriftet. Schließlich landen sie im Depot, wo zum Erhalt immer 17 Grad Raumtemperatur und geringe Luftfeuchte herrschen. Zu sehen bekommen die Artefakte für gewöhnlich nur Forscher und Museen - heute haben Sie die Chance.

Hier geht's zu den Artefakten:

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen des Landesamtes für Archäologie (Zur Wetterwarte 7 in Klotzsche)! Mitarbeiter führen durch Fundaufbereitung, 3D-Labor, Restaurierung und Depot, präsentieren die spektakulärsten Funde der sächsischen Ausgrabungsgeschichte. Nur heute von 15 bis 19 Uhr möglich. Eintritt frei! Achtung Autofahrer: Wegen Straßen-Bauarbeiten am besten Zufahrt über Königsbrücker Landstraße und hinter dem großen Tor links den Parkplatz nutzen.

21 Millionen Fundstücke! Sachsens archäologischer Schatz lagert gut sortiert in 60 000 Kisten in einem riesigen Depot in Klotzsche.
21 Millionen Fundstücke! Sachsens archäologischer Schatz lagert gut sortiert in 60 000 Kisten in einem riesigen Depot in Klotzsche.  © Ronald Bonß
Wurde stehend beerdigt: Das "Pferd von Cossa" wurde 1998 im Tagebau Schleenhain bei Leipzig entdeckt.
Wurde stehend beerdigt: Das "Pferd von Cossa" wurde 1998 im Tagebau Schleenhain bei Leipzig entdeckt.  © Ronald Bonß
Diese Erbsen wurden im heutigen Nickern ausgegraben, sind rund 9000 Jahre alt.
Diese Erbsen wurden im heutigen Nickern ausgegraben, sind rund 9000 Jahre alt.  © Ronald Bonß
Gefunden unterm Dresdner Schlosshof: Diese Geschossspitzen von Armbrüsten aus dem 14. und 15. Jahrhundert durchschlugen Rüstungen.
Gefunden unterm Dresdner Schlosshof: Diese Geschossspitzen von Armbrüsten aus dem 14. und 15. Jahrhundert durchschlugen Rüstungen.  © Ronald Bonß

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