So "locker" kann der Knast in Sachsen sein

Arbeit ist ein Mittel zur Resozialisierung. Hier ein Insasse der JVA Zeithain, der sich um Bienen kümmert.
Arbeit ist ein Mittel zur Resozialisierung. Hier ein Insasse der JVA Zeithain, der sich um Bienen kümmert.  © Petra Hornig

Dresden - Ein Aufenthalt im Knast ist nicht schön. Aber er kann inzwischen mit vielen Erleichterungen verbunden sein, wie eine Statistik des sächsischen Justizministeriums zeigt. Besonders häufig werden sogenannte Lockerungen gewährt.

So wurden in der Vollzugsanstalt Waldheim 2016 genau 84,07 Prozent aller deutschen Insassen "Lockerungen" gewährt. Im Jahr zuvor waren es dort noch 56,5 Prozent. Das geht aus einer Antwort von Justizminister Sebastian Gemkow (38, CDU) hervor.

Im Jugendknast Regis-Breitingen waren es 2016 immerhin noch 69,7 Prozent und in Zeithain 68,9 Prozent. Nur die Knäste in Dresden (26,1%), Bautzen (36,4%), Chemnitz (29%) und Görlitz (5,3%) hinkten hinterher.

Abgefragt hat die Zahlen die Grünen-Rechtsexpertin der Landtagsfraktion, Katja Meier (38).

Auch Gärtnern gehört inzwischen zum festen Repertoire im Knast. Hier ein Garten- und Schneckengehege in Zeithain.
Auch Gärtnern gehört inzwischen zum festen Repertoire im Knast. Hier ein Garten- und Schneckengehege in Zeithain.  © Petra Hornig

"Lockerungen" bedeuten Ausgang mit oder ohne Begleitung", erklären Thomas Galli (43) und René Selle (45).

Galli war Direktor der JVA Zeithain und hat Bücher zum Knast verfasst, Selle ist Landeschef des Bundes der Strafvollzugsbediensteten. "So was wird ausführlich geprüft und auch nur gewährt, wenn keine Fluchtgefahr besteht", so Galli. "Auch eine mögliche Sucht und die Gefahr weiterer Straftaten spielen eine Rolle."

Laut Selle werden die "Lockerungen" zunächst bei kurzen Ausgängen mit Bediensteten getestet. Klappt alles, können sich längere Wege anschließen, auch schon mal mit Vertrauten. Den Höhepunkt der Kulanz stellt ein Urlaub übers Wochenende dar.

Seltener ist hingegen eine Beschäftigung außerhalb. Sie übersteigt in Sachsen nicht die 12-Prozent-Marke.

Gar nicht verhandelbar ist der Besitz eines Fernsehers - der muss sein. Auch andere "Begünstigungen" wie Hofgang. Üblich sind sogenannte "Langzeitbesuche" im Knast selbst.

Im Klartext: Ein Raum auch für Liebesstunden etwa mit der Ehefrau. Diese Gelegenheiten gibt es aber nicht überall und auch nur, wenn jemand lange sitzen muss und eine feste Beziehung hat.

Hat Knasterfahrung, aber als Chef: Thomas Galli (43).
Hat Knasterfahrung, aber als Chef: Thomas Galli (43).  © Thomas Türpe
Wer im Knast ist, will schnell wieder raus. Gute Führung und mangelnde Fluchtgefahr können sogenannte Lockerungen mit sich bringen.
Wer im Knast ist, will schnell wieder raus. Gute Führung und mangelnde Fluchtgefahr können sogenannte Lockerungen mit sich bringen.  © Norbert Neumann
Justizminister Sebastian Gemkow (38, CDU).
Justizminister Sebastian Gemkow (38, CDU).  © Eric Münch

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