Er besiegte den Krebs, nun will er mit seinem Fahrrad durch den Himalaya

Dresden - Wie muss man sich fühlen, wenn man dem Tod von der Schippe gesprungen ist? Wo viele verzweifeln und den Lebensmut verlieren, da fing für Philipp Markgraf die abenteuerliche Reise ins Unbekannte erst an.

Einmal quer durch den Himalaya: Philipp Markgraf (28) möchte die höchsten Passstraßen dieser Welt bezwingen.
Einmal quer durch den Himalaya: Philipp Markgraf (28) möchte die höchsten Passstraßen dieser Welt bezwingen.  © Thomas Schlorke

Vor fünf Jahren bekam der 28-Jährige die Diagnose Krebs. Statt zu verzweifeln, schöpft der junge Mann aus seinem Schicksal unfassbar viel Kraft. Der Dresdner möchte nun den Himalaya alleine mit dem Rad durchqueren. Gut 20.000 Kilometer hat er vor sich.

Es geschah im November 2014. Philipp Markgraf aus Dresden studiert Architektur, ist glücklich verheiratet, singt als Bass im Dresdner Kammerchor, treibt viel Sport. Das ist wohl das, was man als ein rundum erfülltes Leben nennt. Dann kam die Diagnose: ein Keimzelltumor, der schon Metastasen gebildet hat. "Die Krankheit hat mich mitten im Leben erwischt", so Markgraf.

Die Diagnose Krebs würde wohl die meisten Menschen aus den Angeln heben. Bei Philipp Markgraf hingegen stellte sich plötzlich diese eigenartige innere Ruhe ein. "Das war seltsam", erinnert sich der Architektur-Student.

"Ich habe komischerweise eine Befreiung empfunden, fühlte mich von allen Plänen, die man sich für die Zukunft zurechtlegt, befreit." Als einen "schönen Zustand" beschreibt Philipp die Zeit nach der Diagnose. "Obwohl es Drama pur war - ich fühlte Leichtigkeit."

2015 musste sich Philipp einer komplizierten OP unterziehen.
2015 musste sich Philipp einer komplizierten OP unterziehen.  © privat

Es folgte eine Chemotherapie, im Juni 2015 wurde Philipp operiert. "Die OP war heftig, ich war danach am Rande der Lebensfähigkeit." Es war ein komplizierter Eingriff, zu nah lag der Tumor an Nerven und Schlagadern. Nur ein falscher Schritt und es hätte böse enden können. "Dementsprechend zerstört war ich danach."

Und dann fasste Philipp einen Entschluss, der sein ganzes Leben verändern sollte. "Ich habe mich entschlossen, die Chemotherapie entgegen aller Warnungen zu beenden", sagt der 28-Jährige. "Werfen Sie Ihr Leben nicht weg", warnten die Ärzte den jungen Mann. Doch Philipp blieb dabei. Er wusste, er würde sich für den richtigen Weg entscheiden.

Seine Ehefrau Enaira, die er 2012 in Brasilien kennen lernte, steht hinter ihm. Die Familie hat die Entscheidung nie hinterfragt. Und dann kam das Unerwartete: "Nach sechs Monaten war ich gegen jegliche Prognosen genau so fit wie früher." Dazu stellte Philipp seine Ernährung um, isst kein Fleisch mehr, verzichtet auf tierische Produkte.

Philipp widmet sich wieder dem Radsport und fasst vergangenen Herbst schließlich den Entschluss: Mit seinem Rad möchte er auf große Reise gehen. "Man kann zwar keine Berge versetzen, aber man kann ja drüber fahren." Seine Route führt ihn durch 24 Länder, 20.000 Kilometer muss er auf dem Fahrrad abstrampeln.

Philipp Markgraf bekam 2014 die Diagnose Krebs. Nach einer radikalen Lebensumstellung geht es de Studenten besser als je zuvor.
Philipp Markgraf bekam 2014 die Diagnose Krebs. Nach einer radikalen Lebensumstellung geht es de Studenten besser als je zuvor.  © Thomas Schlorke

Ende März startete Philipp mit seinem Gravelbike und 20 Kilo Gepäck in Dresden, überquerte die Alpen und ist derzeit in Kaltern am See in Südtirol. Bald geht es weiter, durch die Türkei, Armenien, den Iran in Richtung Pakistan. Er wird die höchste Passstraße der Welt (Khardung-La) überwinden, durch den Himalaya fahren, bis er schließlich den Süden Indiens erreicht. Für jeden gefahrenen Kilometer möchte Philipp Markgraf einen Euro an die Kinderkrebshilfe des Dresdner Sonnenstrahl e. V. spenden.

Etwa ein Jahr wird Philipp unterwegs sein. "Für mich ist das auch ein Experiment. Ich weiß zum Beispiel noch nicht, wie ich auf Höhe reagiere." Sein Ziel: fünf Tage fahren, zwei Ruhetage. Pro Tag möchte er etwa 100 Kilometer schaffen. Es werde nicht alles einfach sein, Angst habe er aber keine. Auch nicht, dass der Krebs zurückkommt.

Wie, wo und wann seine Reise endet, darüber will sich Philipp noch nicht den Kopf zerbrechen. "So kitschig es klingt, aber der Weg ist das Ziel", sagt er. "Vielleicht gehe ich für eine Weile in ein buddhistisches Kloster, vielleicht werde ich aber auch für immer reisen."

Hier könnt Ihr Philips Reise verfolgen: www.pedalskillcancer.com

Ende März hat sich Philipp von Dresden aus auf große Reise begeben. 20.000 Kilometer möchte der 28-Jährige mit dem Rad mit nach Indien fahren.
Ende März hat sich Philipp von Dresden aus auf große Reise begeben. 20.000 Kilometer möchte der 28-Jährige mit dem Rad mit nach Indien fahren.  © 123RF

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