Kulturhauptstadt-Bewerbung: Dresden verwandelt sich in Venedig

Dresden - Wird aus Elbflorenz bald Elbvenedig? Mit dem Projekt "Canale Grande 2025" (korrekt wäre "Canal Grande), benannt nach Venedigs bekannter Hauptwasserstraße, will der Verein Zeitgenossen e.V. in Dresden eine Vaporetto-Linie nach dem Vorbild der Lagunenstadt entwickeln.

Anke Brandt (51), Jens H. Zander (49) und Eszter Ratz (27) sehen die Elbe als "Canale Grande".
Anke Brandt (51), Jens H. Zander (49) und Eszter Ratz (27) sehen die Elbe als "Canale Grande".  © Petra Hornig

Das Projekt ist Teil der Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt 2025. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

Bereits für August den Starken (1670-1733) war die Elbe der Canal Grande von Sachsen. Er ließ nach venezianischem Vorbild Häfen anlegen und Gondeln bauen, hatte sogar italienische Gondoliere in seinen Diensten.

Ab 1842 wurde ein ganzjähriger Pendelverkehr mit täglich vier Touren elbauf- und elbabwärts eingerichtet. Der höfische Gondelverkehr endete mit dem Sturz der Monarchie 1918.

"Wir wollen Augusts Idee demokratisieren", erklärt Architekt Jens H. Zander (49) vom Verein Zeitgenossen. Die Wassertaxis, die zwischen Schloss Pillnitz und Schloss Übigau unterwegs sein sollen, sollen nicht mehr nur für die Eliten offen sein.

Die Elbfähren sollen in das Konzept eingebunden werden. "Die Fähren sollen nicht nur von einer Elbseite auf die andere übersetzen, sondern im Zickzackkurs flussauf- und flussabwärts fahren", sagt er.

Wasserbusse (Vaporetto) wie in Venedig sind auch in Dresden denkbar.
Wasserbusse (Vaporetto) wie in Venedig sind auch in Dresden denkbar.  © imago/Manfred Segerer

Welche vorhandenen oder neuen Anlegestellen angefahren werden könnten und wie sich Wassertaxis auf die Stadtentwicklung auswirken würden, wollen an diesem Wochenende etwa 30 Architekten in einem zweitägigen Workshop im Deutschen Hygiene-Museum herausfinden.

Dieser findet im Showroom "Neue Heimat Dresden 2025" statt, in dem bis zum 15. Dezember die Projekte der Kulturhauptstadtbewerbung zu sehen sind. Dieser bleibt auch während des Workshops geöffnet, sodass die Besucher den Architekten bei der Ideenentwicklung über die Schulter schauen können.

Die Ergebnisse werden auf einem 6,5 Meter breiten und 2,20 Meter hohen Luftbild angebracht und am Sonntag um 17 Uhr veröffentlicht. Bis zum Ende der Ausstellung werden sie dort zu sehen sein. Die Arbeit an dem Projekt endet aber nicht mit dem Workshop.

"In einer zweiten Stufe gehen wir dann mehr in die Tiefe", sagt Zander. Die Vereinsvorsitzende Anke Brandt (51) kündigt an, dass es mit dem Projekt auch dann weitergehe, wenn Dresden nicht Kulturhauptstadt werden sollte.

Kulturhauptstadt: Starke Konkurrenz für Dresden

Im Jahr 2025 stellen Slowenien und Deutschland je eine Kulturhauptstadt Europas. Neben Dresden haben sich sieben weitere deutsche Städte um den Titel beworben, darunter auch Chemnitz und Zittau.

Nach mehr als drei Jahren Arbeit hat Dresden seine Bewerbung am 30. September in Form eines Bewerbungsbuches offiziell bei der Kulturstiftung der Länder eingereicht. Am 10. Dezember präsentiert die Stadt ihr Programm einer internationalen Jury. Die gibt am 12. Dezember bekannt, welche Städte in die finale Entscheidungsrunde vorrücken.

Im Falle einer erfolgreichen Bewerbung plant Dresden mit einem Budget von knapp 71 Millionen Euro.

Die Freitreppe des Wasserpalais im Schloss Pillnitz diente früher zum Besteigen der Gondeln auf der Elbe.
Die Freitreppe des Wasserpalais im Schloss Pillnitz diente früher zum Besteigen der Gondeln auf der Elbe.  © dpa/Sebastian Kahnert
Schloss Übigau soll eine der Anlegestellen für die Wasserbusse sein.
Schloss Übigau soll eine der Anlegestellen für die Wasserbusse sein.  © Norbert Neumann

Titelfoto: imago/Manfred Segerer

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