So viel lässt sich Dresden Kunst kosten

Paul Elsner (48) brachte das Kraftwerk Mitte zum leuchten. Einen Teil der 70 000 Euro teuren Installation bezahlte die Kunstkommission der Stadt.
Paul Elsner (48) brachte das Kraftwerk Mitte zum leuchten. Einen Teil der 70 000 Euro teuren Installation bezahlte die Kunstkommission der Stadt.

Von Dirk Hein

Dresden - Jahr für Jahr gibt die Stadt zwischen 50 000 und 300 000 Euro für Kunst im öffentlichen Raum aus. Lesen Sie mal, was sich die Künstler dafür haben einfallen lassen - und wie hart sie kritisiert werden.

2011 standen für Kunst im öffentlichen Raum 100 000 Euro zur Verfügung. Ein Teil des Geldes floss in das wohl umstrittenste Dresdner Kunstwerk: das Klo-Kino.

Mehrere „Abwahlversuche“ im Stadtrat scheiterten, Künstlerin Franka Hörnschemeyer (56) biss sich durch und realisierte das am Ende 377 900 Euro teure Werk.

Ähnlich schwer hatte es 2013 André Tempel (45). Seine Skulptur „Amalia“ wollte „mit einfachsten Mitteln und Materialien eine Skulptur von zugleich monumentaler und graziler Wirkung“ schaffen.

Dieser Schokofluss erinnert an die Hochzeit der Schokoladenindustrie in Plauen.
Dieser Schokofluss erinnert an die Hochzeit der Schokoladenindustrie in Plauen.

Die 20 000 Euro teure Holz-Kunst stand kaum, als Unbekannte zündelten. An zwei Stellen brach das Feuer aus.

Auch das 2015 errichtete Kunstwerk von Nezaket Ekici (44) wurde beschädigt. Das Teppich-Portal „Post it“ (Wert: etwa 25 000 Euro) am Landgericht wurde mit islamfeindlichen Sprüchen verschmiert.

Andere Projekte der Dresdner Kunstkommission begeisterten uneingeschränkt. Das „Neumarktfenster“ (20 000 Euro) zeigte einen Blick hinter die künstlichen Neumarkt-Fassaden.

Seit Ende 2014 leuchtet die Licht-Installation „Restzeichen“ (70 000 Euro) von Paul Elsner (48) auf dem Kraftwerk Mitte. In kräftigem Grün zeigen 75-LED-Tafeln Zitate, Ziffern oder grafische Muster an.

Mit viel Pomp weihte Kulturbürgermeister Ralf Lunau (50, parteilos) den „Trichter“ ein. Im Volksmund hieß das Kunstwerk da schon längst „Klokino“.
Mit viel Pomp weihte Kulturbürgermeister Ralf Lunau (50, parteilos) den „Trichter“ ein. Im Volksmund hieß das Kunstwerk da schon längst „Klokino“.

Regelmäßig profitieren auch die „Haifische Süd-West“ vom Geld der Kommission. Dank der Künstlertruppe entstand in Dresden-Plauen ein mehrfach ausgezeichneter Freiluftkunstraum.

Beispiele: Der Schoko-Fluss besteht aus Beton-Schokolade und erinnert an die im 19. Jahrhundert europaweit führende Schokoladenindustrie.

Der Stacheldrahtzaun von HYD INVEST mahnt vor Privatisierung und Parzellierung im Plauenschen Grund. Drei weitere Kunstwerke folgen im Herbst - wieder mitfinanziert aus städtischen Töpfen.

Experten-Kommission wählt die Werke aus

Neues hinter Alten: Künstlerin Anke Binnewerg ermöglichte am Neumarkt einen Blick hinter die aufgesetzte Fassade. Die Stadt förderte mit 20.000 Euro.
Neues hinter Alten: Künstlerin Anke Binnewerg ermöglichte am Neumarkt einen Blick hinter die aufgesetzte Fassade. Die Stadt förderte mit 20.000 Euro.

Seit 1994 gibt es in Dresden eine „Richtlinie für Kunst im öffentlichen Raum“. Deren Umsetzung liegt in den Händen einer Kunstkommission.

Die wird alle vier Jahre neu berufen und besteht aus Vertretern der Stadtverwaltung (Kulturbürgermeister Ralf Lunau), Künstlern (Prof. Barbara Wille), Architekten (ehemals Peter Kulka) und Stadträten (CDU, Grüne, Linke).

Die Kommission entscheidet auf vierteljährlich stattfindenden Sitzungen, welche Projekte gefördert werden. Wer als Künstler eine „grundsätzlich genehmigungsfähige Idee“ hat, meldet sich im Amt für Kultur und Denkmalschutz unter Telefon 0351/488 89 42.

2013 zimmerte André Tempel (45) seine Skulptur „Amalia“. Die Kunstkommission der Stadt gab 20 000 Euro dazu.
2013 zimmerte André Tempel (45) seine Skulptur „Amalia“. Die Kunstkommission der Stadt gab 20 000 Euro dazu.

Fotos: Andreas Weihs, Thomas Türpe, Petra Hornig, Christian Suhrbier, Steffen Füssel


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