Zwei Plätze in Dresden betroffen: Stadt hat giftige Kunstrasen im Visier

Dresden - Über Jahre galten Kunstrasenplätze als topmodern und pflegeleicht. Mittlerweile ist, vor allem angestoßen durch die Grünen, eine Diskussion um Mikroplastik und Schadstoffe in vollem Gange. Die Stadt hat sich jetzt umfangreich geäußert, zwei Plätze sind im Fokus.

Auf dem Kunstplatz an der Saalhausener Straße ist möglicherweise schädliches SBR-Granulat verbaut. Der Platz wird jedoch bald saniert.
Auf dem Kunstplatz an der Saalhausener Straße ist möglicherweise schädliches SBR-Granulat verbaut. Der Platz wird jedoch bald saniert.  © Steffen Füssel

In Dresden gibt es aktuell 26 Großspielfelder und acht kleine Plätze, auf denen mit Kunststoff-Granulat gefüllter Kunstrasen liegt.

Unglaublich: Laut Stadt müssen pro Platz "etwa 3,5 Tonnen pro Jahr an Füllstoff nachgelegt werden". Das ergab jetzt eine Anfrage von Grünen-Stadtrat Torsten Schulze (49).

Dafür gibt es laut Stadt keine Umweltauflagen. Dennoch ist sich Sportbürgermeister Peter Lames (55, SPD) möglicher Gefahren bewusst: "Seit 2009 wird bei allen Sanierungen und Neubauten auf SBR-Granulate verzichtet, es werden ausschließlich gesundheitlich unbedenkliche Neugranulate verwendet." Grund ist eine Studie, dass SBR-Granulate krebserregende Stoffe enthalten können. Vorschriften dafür gibt es nicht.

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In Dresden liegen laut Rathaus dennoch auf zwei Sportplätzen noch SBR-Granulate. Betroffen sind laut Stadt der Sportplatz Schönfeld und der Platz an der Saalhausener Straße (Naußlitz). Dort wird allerdings schon bald saniert.

Danach wird ein Granulat ohne Mikroplastik verwendet. Torsten Kirtschig, Vorstand der SG Schönfeld, sieht keinen Grund zur Sorge: "Diese Informationen stimmen nicht."

Stadtrat Torsten Schulze ist alarmiert. "Die Diskussion bisher war teils unsachlich, geprägt von Verharmlosung und Ignoranz. Doch die Fakten müssen zu einer Kurskorrektur beim verantwortlichen Sportbürgermeister führen."

Seine Forderung: Kunstrasenplätze müssen zukünftig ohne Mikroplastik und gefährliche Stoffe auskommen. Stattdessen sollen alternative Füllstoffe wie Kork oder Olivenkerne genutzt werden. Zudem müssen Naturrasenplätze wieder wichtiger werden."

Auch in Schönfeld befindet sich laut Stadt ein Platz mit dem kritischem Füllstoff.
Auch in Schönfeld befindet sich laut Stadt ein Platz mit dem kritischem Füllstoff.  © Steffen Füssel
Sportbürgermeister Peter Lames (55, SPD) will zukünftig weniger Kunststoff-Füllungen verwenden.
Sportbürgermeister Peter Lames (55, SPD) will zukünftig weniger Kunststoff-Füllungen verwenden.  © Steffen Füssel
Alle seit 2009 sanierten oder neu gebauten Plätze, etwa das Feld der SG Einheit Dresden-Mitte, kommen mit ungiftigem Granulat aus.
Alle seit 2009 sanierten oder neu gebauten Plätze, etwa das Feld der SG Einheit Dresden-Mitte, kommen mit ungiftigem Granulat aus.  © Holm Helis

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