Versuchter Mord! So lange muss der Moschee-Bomber aus Dresden hinter Gitter

Dresden - Neun Jahre und acht Monate Haft wegen versuchten Mordes!

Nino K. hört dem Richter mit eingefrorenem Lächeln bei der Verkündung des Urteils zu.
Nino K. hört dem Richter mit eingefrorenem Lächeln bei der Verkündung des Urteils zu.

So lautet das Urteil gegen den "Moschee-Bomber" Nino K. (31). Das Landgericht Dresden verurteilte den Anlagenmonteur vor wenigen Minuten. Es war der 27. Verhandlungstag.

Über Nino K. sagte der Richter, dass beim Angeklagten aggressiver, kruder Nationalismus mit Zügen von Nationalsozialismus zu erkennen sind. Außerdem Antipluralismus, insbesondere gegenüber Menschen mit muslimischem Glauben, und eine einhergehende permanente Diffamierung staatlicher Institutionen und Behörden.

Im September 2016 hatte Nino K. laut Anklage drei Rohrbombe vor der Fatih Camii Moschee abgestellt. Eine detonierte. Kurz danach zündete er einen Sprengsatz am ICC, demolierte dabei eine Scheibe.

Laut Staatsanwalt handelte Nino K. aus Ausländer- und Islamfeindlichkeit, wollte mit dem Anschlag auf die Moschee Menschen töten.

Immer wieder wurden Ermittlungsfehler bekannt

Die Fatih Camii Moschee nach dem Sprengstoffanschlag im September 2016.
Die Fatih Camii Moschee nach dem Sprengstoffanschlag im September 2016.  © dpa/Sebastian Kahnert

Drei Monate später wurde Nino K., der schon Redner bei PEGIDA war, gefasst, sitzt seither in U-Haft. Im Prozess, der im Januar begann, hatte er erklärt, er habe nur ein Zeichen setzen, aber niemanden verletzten oder gar töten wollen.

Das Verfahren, das eigentlich im April hätte schon enden sollen, zog sich in die Länge, weil immer wieder massive Ermittlungsfehler bekannt wurden.

So wurde angeblich der entscheidende Hinweis für die Rohrbomben erst Monate nach der Tat und zufällig im Kehricht gefunden. Weil das LKA auf ein Sprengstoffgutachten verzichtete, ordneten die Richter Nach-Gutachten im Bundeskriminalamt an.

Der Richter verteidigte die umfangreichen Nachermittlungen, die vor allem über das BKA liefen. Insbesondere an die Adresse des LKA Sachsen - einige Fahnder saßen im Saal - gewandt, sagte der Richter: "Sorgfältige Ermittlungen sind nötig und unerlässlich, um eine sichere Grundlage für die Strafzumessung zu haben."

Außerdem verhinderten genaue Ermittlungen, dass sich ein Täter eine Legende bastelt und sich als Opfer darstellen könnte.

Am Ende hatte der Staatsanwalt fast elf Jahre Haft gefordert, während die Verteidiger unter fünf Jahren Haft blieben.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidiger von Nino K. kündigten an, in Revision zu gehen.


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