Landtagswahl Sachsen: So läuft der Wahltag

Dresden - Am Sonntag wird in Sachsen über die Zusammensetzung des neuen Landtages abgestimmt. Gut 3,3 Millionen Bürger sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Noch nie in der Geschichte des Landes war der Ausgang eines Urnenganges so ungewiss. Werden sich die regierenden Parteien behaupten können oder straft der Wähler sie nun ab? Dieser 1. September 2019 ist ein Schicksalstag für den Freistaat.

Der Landtag in Dresden ist heute TV-Wahlstudio.
Der Landtag in Dresden ist heute TV-Wahlstudio.  © Norbert Neumann

Spätestens seit dem Beginn der PEGIDA-Aufzüge in Dresden weiß man in der Republik, dass es in Sachsen brodelt. Wie viel Druck auf dem Kessel ist, zeigte das Ergebnis der Bundestagswahl 2017.

Die konservativen Christdemokraten stürzten ab, die rechtspopulistische AfD startete zum Höhenflug. 30 Jahre nach dem Mauerfall steht diese demokratische Landtagswahl nun im Zeichen der Auseinandersetzung dieser beiden Parteien.

Die CDU stellt seit der Wiedervereinigung die mit Abstand stärkste Partei und den Ministerpräsidenten.

Nach dem Wahldebakel 2017 trat Stanislaw Tillich (60) als MP zurück.

Sein Nachfolger Michael Kretschmer (44) müht sich seither, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und einen neuen Politik-Stil zu etablieren.

CDU droht Verlust von Direktmandaten: Wird AfD zum Nutznießer?

Die Umfragewerte der einzelnen Parteien schwankten in den vergangenen fünf Jahren stark. In der Grafik fanden die Freien Wähler keine Berücksichtigung. Deren Umfragewerte schwankten zwischen drei und vier Prozent und übersprangen nicht die 5-Prozent-Hürde
Die Umfragewerte der einzelnen Parteien schwankten in den vergangenen fünf Jahren stark. In der Grafik fanden die Freien Wähler keine Berücksichtigung. Deren Umfragewerte schwankten zwischen drei und vier Prozent und übersprangen nicht die 5-Prozent-Hürde  © TAG24

Dass die Christdemokraten bei der Landtagswahl 2014 eines der 60 Direktmandate an eine Linke abgeben mussten, glich einer Sensation.

Dieses Jahr könnte die CDU die Hälfte ihrer Direktmandate verlieren - vor allem an die AfD, die besonders im ländlichen Raum viele Anhänger hat.

Sogar MP Kretschmer kann sich nicht sicher sein, dass er seinen Wahlkreis in der Oberlausitz gewinnt. Auch Grüne wittern ihre Chance. Sie spüren Rückenwind durch den enormen Zuspruch der "Fridays for Future"-Bewegung.

In den Polit-Umfragen ist seit Anfang des Jahres Bewegung. Das Interesse an dieser Wahl übertrifft alles Bekannte: Noch nie haben so viele Wähler den Wahl-O-Mat befragt, ihre Briefwahl beantragt. Noch nie haben so viele breite gesellschaftliche Bündnisse zum Urnengang aufgerufen.

Etwa 1100 Journalisten haben sich zur Berichterstattung beim Landtag akkreditiert. Unter Ihnen Pressevertreter aus Japan, Dänemark, Russland und der Türkei. Über 50 Übertragungswagen parken am Landtag, um heute Bilder und O-Töne aus Elbflorenz zu senden - die Welt schaut auf Sachsen.

Im Landtagswahl Sachen Live-Ticker von TAG24 erfahrt auch Ihr alles über aktuelle Entwicklungen zur Wahl in Echtzeit.

Wie Wahlhelferin Maria Freunde fürs Leben fand

Die Dresdner Chemieingenieur-Studentin Maria Stier (34) ist heute Wahlvorstand im Wahlbezirk 11300 - Gymnasium Dreikönigsschule.
Die Dresdner Chemieingenieur-Studentin Maria Stier (34) ist heute Wahlvorstand im Wahlbezirk 11300 - Gymnasium Dreikönigsschule.  © Norbert Neumann

Von 8 bis 18 Uhr öffnen am Sonntag die 4 300 Wahllokale in den 60 Wahlkreisen ihre Türen. Dass bei der Stimmabgabe alles reibungslos abläuft, das werden 35 000 Frauen und Männer als ehrenamtliche Wahlhelfer sicherstellen.

Maria Stier (34) gehört zu dieser Freiwilligen-Schar. Die Dresdnerin engagiert sich als Wahlvorsteherin im Gymnasium Dreikönigsschule.

"Als 18-jährige Auszubildende bin ich 2004 das erste Mal Beisitzerin bei einer Wahl gewesen. Damals habe ich das aus purer Neugier gemacht. Das Erfrischungsgeld versüßte mir den Job", berichtet Maria Stier.

Seither war sie fast bei jeder Wahl dabei - zuerst als Beisitzerin und seit 2010 als Vorsteherin. Die Studentin für Chemieingenieurwesen: "Heute mache ich das aus Überzeugung. Ich finde, jeder sollte etwas für unsere Gesellschaft tun."

Die Einsätze im Wahllokal empfand sie nie als Last. Im Gegenteil: Maria Stier ist dort mit Lust dabei. Sie sagt: "Ich kann mich auf ein tolles Team verlassen. Seit 2012 arbeiten wir zusammen." Da sind Freundschaften entstanden, die schon viel, viel länger halten als eine Legislaturperiode.

Landtagswahl Sachsen: Erst- und Zweitstimme für Kandidat und Partei

Egal ob Kreuz oder Kringel: Der Wählerwille muss auf dem amtlichen Stimmzettel eindeutig erkennbar sein, sonst ist die Stimme ungültig.
Egal ob Kreuz oder Kringel: Der Wählerwille muss auf dem amtlichen Stimmzettel eindeutig erkennbar sein, sonst ist die Stimme ungültig.  © DPA / Patrick Pleul

Alle fünf Jahre wählen die Sachsen die Mitglieder des Landtags. Dabei hat jeder Wähler zwei Stimmen - eine Direktstimme und eine Listenstimme.

In allen 60 Wahlkreisen wird je ein Abgeordneter direkt gewählt. Den Einzug ins Parlament schafft der Bewerber, der die meisten Stimmen auf sich vereinigt.

Haben zwei Bewerber gleich viele Stimmen, entscheidet das vom Kreiswahlleiter zu ziehende Los. Mit der Listenstimme vergibt der Wähler seine Stimme an eine Landesliste (Partei).

Wie viele der insgesamt 120 Sitze im Parlament eine Partei erhält, entscheidet das Listenstimmenergebnis.

Zur Landtagswahl in Sachsen muss nur ein Stimmzettel ausgefüllt werden.

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