Der lange Winter bereitet den Gärtnern Sorgen

Dresden - Stiefmütterchen & Co. dürsten derzeit in den Supermärkten vor sich hin. Auch in den Gewächshäusern stapeln sich die Frühblüher.

Primeln über Primeln: Kunden dürften sich derzeit im Gartencenter (Reicker Straße 43) über ein Überangebot freuen. Gartenbau-Technikerin Kassandra Sattler (28) hilft beim Aussuchen.
Primeln über Primeln: Kunden dürften sich derzeit im Gartencenter (Reicker Straße 43) über ein Überangebot freuen. Gartenbau-Technikerin Kassandra Sattler (28) hilft beim Aussuchen.  © Steffen Füssel

Schuld ist das schlechte Wetter. Bleibt Dresden jetzt etwa auf dem Frühling sitzen? Landet der Lenz gar auf dem Kompost, wie zuletzt 2013?

Bislang blieb der Ansturm auf die Primeltöpfe aus. Die Kunden hadern noch. Auch die Friedhofsgärtner halten sich zurück. Die Schlechtwetterperiode drückt auf den Abverkauf. Das bekommen vor allem die Produzenten zu spüren.

In den Gewächshäusern der Dresdner Gartenbau Rülcker GmbH stapeln sich die Töpfe mit Hornveilchen, Vergissmeinnicht und Rosenprimeln. Gärtnermeisterin Jutta Ulbrich (47) und ihre Leute machen derzeit Überstunden. "Wir topfen um, wässern, düngen - und eigentlich wollen wir auch verkaufen."

Geschäftsführer Thomas Schrön (33) hofft auf den baldigen Wetterumschwung: "Die nächste Woche ist entscheidend." Denn die Gewächshäuser sind immer noch voll. Die Sommerpflanzen schreien aber schon nach Platz. Die Pelargonien wölben längst ihre Blättchen.

Auch Petunien und Husarenknöpfchen müssten eigentlich auseinandergerückt werden, damit sie nicht nur in die Höhe schießen, sondern auch in die Breite wachsen können.

Wohin mit all den Frühblühern? Zierpflanzengärtner Daniel Kühling (27) schiebt die Regale im Gewächshaus der Gartenbau Rülcker GmbH hin und her.
Wohin mit all den Frühblühern? Zierpflanzengärtner Daniel Kühling (27) schiebt die Regale im Gewächshaus der Gartenbau Rülcker GmbH hin und her.  © Steffen Füssel

Einer, der noch an den Frühling glaubt, ist Tobias Muschalek (41), Geschäftsführer vom Landesverband Gartenbau Sachsen. Ganz unverzagt hat er es gewagt: "Wir haben eine Pflanzschale draußen." Nur nachts stellt er das Gefäß ins Treppenhaus, damit der Frost den zarten Blüten nichts anhaben kann. Auch in den städtischen Grünanlagen Dresdens soll morgen der Startschuss fallen. "Ab Montag kommen die Pflanzkübel raus", verspricht Pressesprecherin Annett Hoffmann.

Da der Boden jüngst noch bis zu 60 Zentimeter tief gefroren war, werde die Bepflanzung der Beete dieses Jahr wohl bis nach den Osterferien dauern. Derweil hoffen die Gärtner auf milde Witterung und spucken schon mal in die Hände.

Rund 89.000 Frühblüher und 45 000 Blumenzwiebeln sollen noch in die städtische Erde, darunter Tulpen und Narzissen, aber auch Kaiserkronen, Schneestolz und Traubenhyazinthen.

Glaubt fest an den Lenz: Tobias Muschalek (41), Chef vom Landesverband Gartenbau Sachsen.
Glaubt fest an den Lenz: Tobias Muschalek (41), Chef vom Landesverband Gartenbau Sachsen.  © Steffen Füssel
Dicht an dicht: Gärtnermeisterin Jutta Ulbrich (47) würde die Pelargonien gern auseinanderrücken. Doch der Platz fehlt!
Dicht an dicht: Gärtnermeisterin Jutta Ulbrich (47) würde die Pelargonien gern auseinanderrücken. Doch der Platz fehlt!  © Steffen Füssel
Weit und breit gibt es keine Frühblüher.
Weit und breit gibt es keine Frühblüher.  © Uwe Meinhold
Narzissen, auch Osterglocken genannt.
Narzissen, auch Osterglocken genannt.  © Klaus Jedlicka
Eigentlich sollten die Blumen schon in Beeten und auf Balkonen erfreuen.
Eigentlich sollten die Blumen schon in Beeten und auf Balkonen erfreuen.  © Klaus Jedlicka

Titelfoto: Steffen Füssel