Vor den Augen anderer Fahrgäste: Behinderte Rentnerin muss auf den Bahnsteig pullern

Dresden/Leipzig - Was tun, wenn man während einer Zugfahrt dringend muss, aber alle Toiletten zu sind? Das fragte die schwerbehinderte Dresdnerin Hannelore T. (58) eine Zugbegleiterin der Deutschen Bahn. Was dann passierte, ist unfassbar.

Auf so einem Bahnsteig musste die schwerbehinderte EU-Rentnerin am späten Nachmittag ihre Notdurft verrichten - vor der Augen der Passagiere im Zug.
Auf so einem Bahnsteig musste die schwerbehinderte EU-Rentnerin am späten Nachmittag ihre Notdurft verrichten - vor der Augen der Passagiere im Zug.  © Holm Helis

Mit ihrem Mann Gerhard (65) hatte die kranke EU-Rentnerin (zu 80 Prozent schwerbehindert) einen schönen Tag im Leipziger Zoo verbracht.

Auch auf der Rückfahrt im Regional-Express nach Dresden war die Welt noch in Ordnung. "Bis meine Frau auf Toilette musste", schildert der Senior. "Doch beide WCs waren verschlossen."

Das Ehepaar wandte sich an eine Zugbegleiterin. "Sie sagte, es gibt kein Spülwasser mehr, die Toiletten sind voll. Meine Frau müsse es bis Dresden aushalten", erinnert sich Gatte Gerhard.

"Das war aber nicht möglich, die Fahrt dauerte noch etwa eine halbe Stunde. Daraufhin schlug die Zugbegleiterin vor, meine Frau soll am nächsten Haltepunkt gehen und ich soll mich in die Türe stellen, damit der Zug nicht weiterfährt."

Als der Zug anhielt, stieg Hannelore also aus.

Doch auf dem schmalen Bahnsteig war nichts. Kein WC, kein Kiosk.

"Sie musste sich an einen schmalen Mast hocken, auf dem Bahnsteig ihre Notdurft verrichten. Vor den Augen vieler Passagiere", berichtet der Senior und ringt mit der Fassung. Seine Frau: "Für mich war das eine große Erniedrigung. Es war entwürdigend", sagt die frühere Altenpflegerin.

Hannelore (58) und ihr Mann Gerhard T. (65) aus Dresden ärgern sich über die Erniedrigung und das Verhalten der Deutschen Bahn nach dem Vorfall.
Hannelore (58) und ihr Mann Gerhard T. (65) aus Dresden ärgern sich über die Erniedrigung und das Verhalten der Deutschen Bahn nach dem Vorfall.  © Holm Helis

Zurück in Dresden beschwerte sich Gerhard telefonisch.

"Der Bahnmitarbeiter meinte, gesperrte Toiletten können in vollen Zügen vorkommen. Kein Wort des Bedauerns. Die Bahn muss doch eine Lösung für das Toiletten-Problem finden. Es geht ihnen sicher ums Geld. Aber sollen sich die Leute denn in die Hose machen?"

Immerhin bedauert die Bahn den Vorfall mittlerweile.

"Wir entschuldigen uns bei dem betroffenen Ehepaar", so eine Unternehmenssprecherin. "Den genauen Umständen gehen wir momentan noch nach."

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