Made in Sachsen! Auf diese Produkte sind Asiaten scharf

Sachsen - Die EU ist zwar immer noch Sachsens wichtigster Handelspartner. Mit einem Exportvolumen von knapp elf Milliarden Euro rangiert Asien aber auf Platz zwei (China sechs Milliarden Euro, Taiwan 1,2 Milliarden Euro, Japan 0,7 Milliarden Euro).

Fürs dreiteilige Anti-Aging-Set zahlen Kunden in Asien 4500 Euro. Dafür werden die Fläschchen auch mit Swarovski-Kristallen veredelt.
Fürs dreiteilige Anti-Aging-Set zahlen Kunden in Asien 4500 Euro. Dafür werden die Fläschchen auch mit Swarovski-Kristallen veredelt.  © 123rf.com/Maik Börner

Meissener Porzellan, Lausitzer Fruchtsäfte oder Porsche-Modelle aus Leipzig haben sich in China, Japan, Taiwan & Co. längst als Exportschlager etabliert. Neuerdings haben es die Asiaten auch auf sächsisches Bier und (hier abgefülltes) Gletscherwasser abgesehen. Und die fernöstlichen Ladys schwören auf erzgebirgische Luxus-Kosmetik made in Bad Schlema.

"Wie prickelnder Champagner" soll sich das Serum auf der Haut anfühlen. Die erzgebirgische Firma Medical Beauty Research beschreibt seine Abkürzung "MBR" gern mit den Luxus-Autos "Maybach, Bentley und Rolls-Royce".

Das teuerste Rennpferd heißt "Liquid Surgery". Für 4461 Euro verspricht das Anti-Aging-Set ein "Facelifting". Wegen der hohen Nachfrage aus Asien expandierte das Unternehmen gerade erst.

Was hierzulande kaum jemand kennt, versetzt Damen und Herren aus Fernost in Freudentaumel. MBR-Betriebsleiter Ronald Behrens (39): "In Asien kommen wir mit unseren Lieferungen fast nicht nach." Deswegen musste das Unternehmen jüngst aufstocken. "Wir haben zehn neue Mitarbeiter eingestellt." Derzeit arbeiten 41 Angestellte in Produktion, Vertrieb und Logistik.

Zum Absatzmarkt mit derzeit 32 Ländern zählen neben Asien auch die USA, Russland, die Türkei und Deutschland. In heimischen Drogerie-Regalen sucht man die MBR-Kosmetik aber vergebens. Nur in Kosmetik-Studios, Spas und ausgesuchten Parfümerien gibt's die Pflegeartikel exklusiv.

"Sie müssen diese Produkte erlebt haben, dann stellt sich die Begeisterung ein", schwärmt Behrens. Der Online-Vertrieb auf Drittanbieter-Plattformen wie Ebay und Amazon ist den Partnern allerdings untersagt.

Auch privat setzt MBR-Betriebsleiter Ronald Behrens (39) auf die Hautpflege "an der Grenze zur Medizin".
Auch privat setzt MBR-Betriebsleiter Ronald Behrens (39) auf die Hautpflege "an der Grenze zur Medizin".  © Maik Börner

Vor allem die Ladys aus China, Taiwan und Korea schwören auf die deutschen Ampullen, Cremes und Seren. Denn: "Was draufsteht, ist auch drin."

Neben den speziellen Sets aus den Serien "Pure Perfection" und "The Best" sind in Fernost vor allem Gesichtsmasken der Renner. Doch auch Sonnen-Produkte sind dort im Kommen: "Unsere Sonnen-Linie schießt dieses Jahr durch die Decke", so Behrens. "Asiaten achten auf eine helle Haut."

Der Betriebsleiter selbst schwört auf die dreiwöchige, hochdosierte "Vitamin-C-Kur" (Kostenpunkt 480 Euro): "Meine Hautprobleme bin ich inzwischen los", erzählt er. Immerhin, seine Poren seien viel feiner, und die dunklen Augenringe längst verschwunden.

Ein Prosit auf unser Bier

Was wäre Sachsen ohne sein Bier! Die Eibauer Privatbrauerei benetzt mit ihrem Schwarzbier schon seit Jahren die chinesischen und südkoreanischen Kehlen.

Und die Feldschlösschen-Brauerei exportiert neben Schwarzbier, Dunklem Hefeweizen, Pils und Lager vor allem helles Hefeweizen nach Fernost. Letzteres wird übrigens nicht nur ins "Land des Lächelns" verschifft, sondern auch nach Südkorea und Vietnam.

Meeega-beliebt bei Asiaten: Sächsisches Bier.
Meeega-beliebt bei Asiaten: Sächsisches Bier.

Auch die Craft-Beer-Szene weit im Osten ist erwacht. Exporteur Jann von der Brelie (35) aus Leipzig weiß auch, warum die Chinesen so verrückt nach seinem "Pale Ale" und dem Weizenbier der Marke "Weiße Elster" sind: "Die Chinesen verbinden das Bier stark mit Deutschland." Schließlich sei der Produktionsstandard der deutschen Biere weltweit einmalig.

Der Ruhm kommt nicht von ungefähr. Schon 1903 gründeten deutsche Siedler in der ehemals deutschen Kolonialstadt Qingdao die Germania-Brauerei. Heute bekannt unter "Tsingtao", zählt die Brauerei zur zweitgrößten in China.

Gletscherwasser

Wasser ist nicht gleich Wasser, schon gar nicht für die Asiaten! Die vogtländische Firma ICEIS Germany GmbH importiert Gletscherwasser aus Island, füllt es im heimischen Falkenstein in Fünf-Liter-Boxen ab. Chef Torsten Kowitz (51): "Auch nach China haben wir schon verschifft."

Derzeit laufen die Verhandlungen mit Japan. Immerhin, das Wasser mit dem hohen Sauerstoffgehalt schmeckt auch bei sommerlichen Temperaturen immer noch frisch.

Dank des hohen PH-Wertes soll es stark entsäuernd wirken, Sodbrennen und Muskelkater mildern und sogar Neurodermitis-Beschwerden bei kleinen Kindern lindern.

In Asien gefragt: Die Hautpflege der Bad Schlemaer Luxuskosmetik-Manufaktur Medical Beauty Research (MBR) durchläuft vier bis fünf Qualitätskontrollen - hier versiegelt Mitarbeiterin Jana Le (49) die Cremedosen von Hand.
In Asien gefragt: Die Hautpflege der Bad Schlemaer Luxuskosmetik-Manufaktur Medical Beauty Research (MBR) durchläuft vier bis fünf Qualitätskontrollen - hier versiegelt Mitarbeiterin Jana Le (49) die Cremedosen von Hand.  © Maik Börner

Holzspielzeug

Auch auf deutsche Holzspiele sind die Asiaten scharf! Zumindest im fernen Japan und Südkorea hat man Gefallen an den lernfördernden Spielen aus dem mittelsächsischen Döhlen gefunden.

Rainer Härtel, Chef von "Holz Klang & Spiel": "Die Asiaten schätzen unsere Qualität und die pfiffigen Ideen." Abgesehen haben es die südkoreanischen Bambini vor allem auf die Lege-Spiele aus Birkensperrholz und die ausgeklügelten Logik-Spiele wie Labyrinth oder Sudoku. "Und in Japan sind die Spiele mit Glöckchen der absolute Renner."

Porsche, Meissener Porzellan, Fruchtpüree

Die Asiaten reißen sich auch um unser Meissener Porzellan, Porsche-Autos und Fruchtpüree. So ist Taiwan beispielsweise der Hauptabnehmer von Meissener Wandbildern und opulenten, barocken Prunkvasen. Japan importiert vor allem Geschirr für Tisch und Tafel.

Knapp die Hälfte aller Exportgüter geht aber nach China. Die Volksrepublik ist auch bei Porsche der Hauptabnehmer. Allein 2017 kaufte das Reich der Mitte 6 200 Porsche Panamera und 31.000 Autos vom Modell Macan.

Wegen der hohen Pestizid-Belastung in den eigenen Rohwaren ist auch sächsische Kinder- und Babynahrung in China gefragt. Der chinesische Exportanteil der Lausitzer Früchteverarbeitung beträgt derzeit zwölf Prozent.

Gletscherwasser aus Island wird in Falkenstein abgefüllt.
Gletscherwasser aus Island wird in Falkenstein abgefüllt.
Die Kratervase „Blumenmalerei“ wird besonders nach Taiwan exportiert.
Die Kratervase „Blumenmalerei“ wird besonders nach Taiwan exportiert.  © MEISSEN®
Dieses Spielauto von Holzklang lässt Kinderaugen strahlen. Wie bei dem großen Modell sorgen ein bewegliches Lenkrad, ein Ganghebel und eine Geschwindigkeitsanzeige für Spiel und Spaß.
Dieses Spielauto von Holzklang lässt Kinderaugen strahlen. Wie bei dem großen Modell sorgen ein bewegliches Lenkrad, ein Ganghebel und eine Geschwindigkeitsanzeige für Spiel und Spaß.
Ebenfalls ein Objekt der Begierde: Der Porsche Panamera.
Ebenfalls ein Objekt der Begierde: Der Porsche Panamera.  © 123rf.com

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