Schüsse und Todes-Paste: So furchtbar leiden Sachsens Vögel

Dresden/Leipzig – Wehe, du kommst als Singvogel in eine sächsische Stadt. Dort gibt es Leute, die dir nach dem Leben trachten.

Mauersegler Malte bekam bei einer OP neue Federn verpasst - auch die verklebte sich der arme Kerl wieder..
Mauersegler Malte bekam bei einer OP neue Federn verpasst - auch die verklebte sich der arme Kerl wieder..  © Eva Brendel

Der Naturschutzbund (Nabu) berichtet aktuell über eine Vielzahl qualvoller Vogelmorde.

Im Blickpunkt steht die Vogelabwehrpaste, die Hausmeister auf Fensterbretter und Dachrinnen anbringen.

Mauersegler Malte glaubte wohl, in Dresden glücklich werden zu können. Er hatte einen der immer seltener werdenden Nistplätze gefunden. Doch der Hauseigner verschloss den Eingang zum Nest mit Blech, brachte spitze Nägel an und bestrich Flächen mit tödlicher Vogelklebepaste.

Malte muss lange um Kinder und Partnerin gekämpft haben. Eine Nachbarin fand ihn in den letzten Zuckungen – der Schnabel und das Gefieder waren völlig verklebt. Weil die Wildvogel-Station ihm nicht helfen konnte, wurde er in die Mauersegler-Klinik nach Frankfurt gebracht. Dort erhielt er seinen Namen.

Auch in Leipzig fordert die Vogelpaste dutzende Opfer. Karsten Peterlein vom Nabu sah erst kürzlich einen weiblichen Hausrotschwanz jämmerlich verenden: „Die Vögel mit verklebtem Gefieder werden flugunfähig und leichter Opfer im Straßenverkehr oder sie verhungern qualvoll.“ Die Anwendung der Paste sei als tierschutzwidrig verboten, im Handel ist sie trotzdem erhältlich.

Nach der letzten Vogelzählung gab es in Sachsen einen erheblichen Rückgang. Das liegt nicht nur an Vogelpaste und Insektenmangel. Häuser mit Nestern bekommen einfach eine Fassade davor gebaut, Nistkästen mit „Familie Blaumeise“ verschwinden im Schredder für Äste und ein Großstadt-Cowboy schießt gar auf Vögel – alles Fälle aus dieser Brutsaison allein in Leipzig.

Zurück zu Mauersegler Malte. In der Klinik wurde ihm das Gefieder eines toten Artgenossen transplantiert. Nachdem die Untere Naturschutzbehörde Dresden den Hauseigentümer zum Abbau aller vergrämenden Fallen verpflichtet hatte, wurde Malte in Frankfurt freigelassen.

Happy End? Dass er in Dresden angekommen war, weiß man aus einem ganz traurigen Grund: Er wurde in dieser Woche erneut neben seiner ehemaligen Brutstätte mit verklebtem Gefieder gefunden und zurück nach Frankfurt gebracht.

Er wird wohl ein Jahr dort verbringen und die Mauser abwarten müssen. Eva Brendel: „Dazu benötigt er ganz viel Kraft und einen starken Lebenswillen.“

Info: www.nabu-leipzig.de und www.mauersegler.com

Dieser Falke konnte wegen seines verklebten Gefieders nicht mehr richtig fliegen, überlebte den Zusammenstoß mit einem Auto nicht.
Dieser Falke konnte wegen seines verklebten Gefieders nicht mehr richtig fliegen, überlebte den Zusammenstoß mit einem Auto nicht.  © NABU Leipzig

Titelfoto: Eva Brendel


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