Vor zehn Jahren erschütterte Sachsen ein grausames Verbrechen: Der Tag, an dem Marwa starb

Dresden - Es ist der Jahrestag eines grausigen Verbrechens: Am Montag jährt sich der Todestag von Marwa El-Sherbini (†31). Die ägyptische Studentin wurde am 1. Juli 2009 am Landgericht Dresden von Alex W. (heute 38) erstochen.

Marwa El-Sherbini wurde nur 31 Jahre alt. Auf den Stufen des Landgerichtes Dresden stand lange ein Bild der getöteten Ägypterin. Hier wurden Blumen abgelegt.
Marwa El-Sherbini wurde nur 31 Jahre alt. Auf den Stufen des Landgerichtes Dresden stand lange ein Bild der getöteten Ägypterin. Hier wurden Blumen abgelegt.  © Steffen Füssel

Es war ein Schock! Die bis dahin "offene", sächsische Justiz erkannte auf grausame Art ihre Grenzen. Bis dahin gab es in Gerichten im Freistaat keinerlei Eingangskontrollen. Das nutzte der aggressive Mann aus. Zum Prozess brachte er ein Küchenmesser im Rucksack mit und niemand hinderte ihn.

Marwa El-Sherbini war 2008 auf einem Spielplatz, den sie mit ihrem Sohn (damals 3) besuchte, von Alex W. übel ausländerfeindlich beschimpft worden. Die couragierte Frau zeigte ihn an. Das Amtsgericht verdonnerte den Täter zu 780 Euro Strafe. Doch er legte Berufung ein, es kam zum erneuten Prozess.

Wieder war Marwa als Zeugin geladen, begleitet von Sohn Mustafa und Ehemann Elwy (heute 42). Als die Befragung beendet war, wollten alle drei den Saal verlassen. In dem Moment griff sich Alex W. das Messer, stürzte sich auf die Frau und stach immer wieder zu.

Obwohl Ehemann Elwy und der Pflichtverteidiger des Täters versuchten dazwischenzugehen, wurde Marwa tödlich verletzt. Wachmänner und ein zufällig anwesender Polizist stürmten den Saal. Der Beamte schoss, traf aber den Ehemann am Bein. Schließlich wurde der Täter überwältigt. Doch für die im dritten Monat schwangere Frau kam jede Hilfe zu spät.

Sicherheitsvorkehrungen in sächsischen Gerichten seither erhöht

Alex W. (heute 38) wurde auch zum Selbstschutz während des Prozesses bewacht. Immer wieder versuchte der Russlanddeutsche, sich selbst zu verletzten oder zu randalieren.
Alex W. (heute 38) wurde auch zum Selbstschutz während des Prozesses bewacht. Immer wieder versuchte der Russlanddeutsche, sich selbst zu verletzten oder zu randalieren.  © Jörn Haufe

Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen und unter großem internationalen Interesse wurde später gegen Alex W. verhandelt. Im November 2009 fiel das Urteil: lebenslange Haft!

In sächsischen Gerichten werden seither Eingangskontrollen durchgeführt: Immer wieder werden Waffen aller Art aus dem Verkehr gezogen. Im Landgericht Dresden erinnert eine Gedenktafel in Deutsch und Arabisch an die Bluttat. Auch in diesem Jahr wird dort zum Jahrestag Marwa El-Sherbini gedacht.

Der Ausländerrat widmet ihr nächste Woche zahlreiche Gedenkveranstaltungen. So gibt es am Montag, 17 Uhr, ein ökumenisches Friedensgebet in der Kreuzkirche.

Am Mittwoch, 19.30 Uhr, finden ein Podiumsgespräch unter dem Titel "Tödliche Realitäten. Der rassistische Mord an Marwa El-Sherbini" in der Zentralbibliothek und am Donnerstag eine Buchlesung zum Thema im Johannstädter Kulturtreff (18 Uhr) statt.

Kerzen brannten lange zum Gedenken an Marwa El-Sherbini am Landgericht.
Kerzen brannten lange zum Gedenken an Marwa El-Sherbini am Landgericht.  © Thorsten Eckert

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