Warum fliehen so viele Georgier nach Sachsen?

Dresden - Die Zahl der Flüchtlinge, die neu nach Sachsen kommen, geht zurück. Überraschend: Obwohl sie kaum Chancen auf Asyl haben, stammen die meisten Asylbewerber in diesem Jahr aus einer ehemaligen Sowjetrepublik: Georgien. Warum?

Nicht Syrer oder Afghanen, sondern Georgier dominieren dieses Jahr die Asyl-Statistik.
Nicht Syrer oder Afghanen, sondern Georgier dominieren dieses Jahr die Asyl-Statistik.  © DPA / Arne Dedert

In den sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen wurden von Januar bis April 2269 Neuzugänge erfasst, so die Landesdirektion. Im Vorjahreszeitraum waren es 3 052.

Von ihnen stammen die meisten aus Georgien, nämlich 267.

Dahinter folgen Syrien (223), Venezuela (200), Irak (144) und die russische Föderation (125) auf Platz fünf. Auch im vergangenen Jahr lag Georgien bei den Herkunftsländern bereits auf Platz zwei hinter Syrien.

"Georgien zählt bundesweit zu den Top 10 der Herkunftsländer bei Asylbewerberzugängen", so ein Sprecher der Landesdirektion. Ein Grund ist offenbar die Einführung der Visafreiheit 2017 und die Hoffnung auf Arbeit.

Das Bundeskriminalamt sieht zudem Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Kriminalität - vor allem Wohnungseinbrüche. "Es liegt nahe, dass diese Personen den Asylantrag nur stellen, um sich zur Begehung von Straftaten vorübergehend in Deutschland aufhalten zu können", so das BKA bereits 2016 zur "Welt".

Erstaufnahme in Dresden: Derzeit sind 40 Prozent der Plätze belegt, so die Landesdirektion.
Erstaufnahme in Dresden: Derzeit sind 40 Prozent der Plätze belegt, so die Landesdirektion.  © Ove Landgraf

Auch in Sachsen machten georgische Banden immer wieder Schlagzeilen.

Die Einstufung als sicheres Herkunftsland scheiterte zuletzt im Februar im Bundesrat.

Damals bedauerte Sachsens Innenminister Roland Wöller (48, CDU), dass das dringend notwendige Signal an die Herkunftsländer weiter ausbleibe: "Gerade einmal 0,2 bis drei Prozent der Asylbewerber aus den sogenannten Maghreb-Staaten und Georgien werden in Deutschland anerkannt."

Sie dominieren neben Tunesien und Marokko auch die Abschiebungen: In diesem Jahr wurden bislang 35 Georgier in ihre Heimat zurückgeschickt. 2018 waren es 129.

Die ehemalige Sowjetrepublik Georgien gilt als Schnittstelle zwischen Europa und Asien.
Die ehemalige Sowjetrepublik Georgien gilt als Schnittstelle zwischen Europa und Asien.  © DPA Infografik

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