Diese Frau ist Dresdens "Miss Europa"

Katharina Grzesik (36) leitet das "Europe Direct Informationszentrum" in Dresden.
Katharina Grzesik (36) leitet das "Europe Direct Informationszentrum" in Dresden.  © Petra Hornig

Dresden - Bürokratiewahnsinn, Regelungswut und überbezahlte Beamte? Die Europäische Union hat einen schweren Stand bei ihren Bürgern. In Dresden versucht Katharina Grzesik (36) für die EU zu werben. Dresdens „Miss Europa“ leitet das „Europe Direct Informationszentrum“, eine offizielle Außenstelle der EU.

Ihr Büro ist beim Dresdner Umweltzentrum an der Schützengasse angedockt: „Ich bin Anlaufstelle für Bürger, die sich für die EU interessieren oder konkrete Fragen haben“, so Grzesik. Sie vermittelt zuständige Ansprechpartner und hat Infobroschüren zur Hand. Zusätzlich organisiert sie Veranstaltungen und besucht Dresdner Schulklassen, die mehr über die EU erfahren wollen.

„Ohne die EU wären nicht so viele internationale Firmen in Dresden und damit verbunden nicht so viele Arbeitsplätze“, sagt Grzesik und verweist auf millionenschwere EU-Fördergelder in den vergangenen Jahren.

EU-Hilfe in Millionenhöhe erhält der Chip-Hersteller "Globalfoundries"
EU-Hilfe in Millionenhöhe erhält der Chip-Hersteller "Globalfoundries"  © DPA

Ein Blick in den aktuellen Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) listet zahlreiche Dresdner Firmen auf, die enorm profitieren.

Beim Chip-Hersteller Globalfoundries fließen von 2015 bis 2019 allein um die 25 Millionen Euro Forschungsgelder. Auch die Bosch Sensortec GmbH erhält 1,38 Millionen Euro.

Nicht nur Großprojekte erhalten eine Finanzspritze aus Brüssel: 25 000 Euro erhalten die Deutsche Werkstätten Hellerau für eine neue Software, die Dresden 1900 Museumsgastronomie GmbH bekam 5000 Euro Unterstützung für einen Messeauftritt.

Dazu kommen unzählige Schulungen, Sprachkurse und Fortbildungen für Dresdner, die von der EU mitfinanziert werden.

Übrigens: Auch die Stadt Dresden selbst erhält EU-Gelder. Bis 2020 fließen etwa 11,8 Millionen Euro in die Fördergebiete Dresden Nordwest, Johannstadt und die Pirnaische Vorstadt.

Kontakt zu Katharina Grzesik: europe_direct(at)uzdresden.de

Termine nach Vereinbarung.

Meine Meinung: "Die EU ist's wert"

TAG24-Redakteur Dominik Brüggemann.
TAG24-Redakteur Dominik Brüggemann.  © Steffen Füssel

Für viele Leute ist die Europäische Union absolut unpopulär. Kein Wunder, denn über Bürokraten, die uns ständig neue Regeln vorsetzen, lässt sich leicht schimpfen. Und wer so manches Fördergeld-Formular der EU kennt, wird die im Verhältnis leichte deutsche Steuererklärung lieben!

Doch trotz aller berechtigten Kritik bietet die EU grundlegende Werte und Freiheiten, die uns die Mühen wert sein sollten.

Die Urlaubsfahrt in die Nachbarländer wird nicht mehr durch eine stundenlange Grenzkontrolle behindert. Durch den freien Warenverkehr profitiert insbesondere Deutschland als Exportnation.

Und unsere Beitragsgelder an die EU gelangen nicht nur per Einbahnstraße nach Brüssel. Allein 2,1 Milliarden Euro fließen von 2014 bis 2020 aus einem Fördertopf nach Sachsen.

Und so abgedroschen es klingt: Die EU sichert seit mehreren Generationen einen Frieden in Europa. Diese grundlegenden Werte sind inzwischen für viele selbstverständlich.

Die EU hat somit kein Werte-, sondern ein Imageproblem. Kleine Informationsbüros wie in Dresden helfen, das Wirken und die Werte der EU vor Ort bekannter zu machen. Eine Aufgabe, die inzwischen wieder mehr als notwendig zu sein scheint.


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