Und das mit 52! Politiker wird jetzt Altenpfleger

Dresden - Perspektivisch fehlen sachsenweit unglaubliche 17.000 Pflegekräfte. Doch das Image der Pflegeberufe ist schlecht, kaum jemand will sich für Alte und Kranke abrackern.

"Nicht anprangern, sondern selber handeln": Politiker Maximilian Kretzschmar (52) ist jetzt Pflege-Azubi.
"Nicht anprangern, sondern selber handeln": Politiker Maximilian Kretzschmar (52) ist jetzt Pflege-Azubi.  © Eric Münch

Dagegen will Maximilian Kretzschmar ein Zeichen setzen. Nach zwölf Jahren hauptberuflich in der Politik ist der 52-Jährige seit einer Woche Pflege-Azubi.

Max Kretzschmars Weg war nie geradlinig. Bei Carl Zeiss in Jena zum Feinoptiker ausgebildet, war er später Kinoleiter, machte sein Abi am Abendgymnasium nach, studierte und zog anschließend zwölf Jahre lang hinter den Kulissen der Linke-Fraktion im Dresdner Stadtrat die Kommunikations-Strippen.

Obendrein saß er für seine Partei im Ortsbeirat. Nun der nächste radikale Kurswechsel.

"Ausschlaggebend war der Tod meiner Mutter." Die hat Kretzschmar vorher teils selber, teils unterstützt durch Tagespflege liebevoll betreut.

"Ich habe gemerkt: Ich kann das. Die Hilfe, die große Professionalität und Fachkompetenz der Pfleger war obendrein inspirierend für mich."

Entsprechend leicht fiel der Schritt, nochmals für drei Jahre die Schulbank zu drücken und sich zum examinierten Altenpfleger ausbilden zu lassen. "Die Linke redet immer vom Pflegenotstand. Doch anprangern reicht nicht. Man muss selber anpacken, selber handeln."

Bei Null anfangen muss der Familienvater dafür nicht. Ein Praxisbetrieb ("Pro Seniore" an der Dürerstraße) war schnell gefunden. Es gibt umfangreiche Förderprogramme, die es ermöglichen, drei Jahre lang 70 Prozent des letzten Netto-Gehaltes zu bekommen.

Mit 52 Jahren, wenn andere fast schon den Vorruhestand planen, beginnt der einstige Politiker nun im neuen Traumberuf: "Es macht mich stolz, jetzt in der Pflege zu sein."

Pfleger-Demo auf der Albertbrücke

Etwa 100 Pfleger demonstrierten auf der Albertbrücke für mehr Anerkennung.
Etwa 100 Pfleger demonstrierten auf der Albertbrücke für mehr Anerkennung.  © Norbert Neumann

Unter dem Motto "proud to care" (stolz sein zu pflegen) ließen Ende vergangener Woche auf der Albertbrücke etwa 100 Pfleger pinkfarbene Luftballons in den Himmel steigen.

Eine der Dresdner Organisatorinnen ist Jeanette Paul. Die 52-Jährige leitet die "Pro Seniore"-Residenz an der Dürerstraße.

Ihr Grund, mit auf die Straße zu gehen: "Unser Image ist schlecht. Doch Pflege ist mehr als 'satt und sauber'. Es geht um Herzlichkeit, es geht darum, den Lebensabend zu verschönern, es gibt Karrieremöglichkeiten", so Frau Paul.

Motto der Kampagne: "Pflege ist schön, wir bekommen so viel zurück."

Das "Pro Seniore" an der Dürerstraße ist der Praxispartner des Neu-Pflegers.
Das "Pro Seniore" an der Dürerstraße ist der Praxispartner des Neu-Pflegers.  © Eric Münch
Zwölf Jahre lang kämpfte Maximilian Kretzschmar (l.) für "Die Linke", jetzt hilft er Pflegebedürftigen.
Zwölf Jahre lang kämpfte Maximilian Kretzschmar (l.) für "Die Linke", jetzt hilft er Pflegebedürftigen.  © Tom Wittig
Seit einer Woche ist der 52-Jährige jetzt "Azubi".
Seit einer Woche ist der 52-Jährige jetzt "Azubi".  © Eric Münch

Titelfoto: Eric Münch

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