"Wollte Zeichen setzen": Moschee-Bomber legt Geständnis ab!

Nino K. (31) mit seinen Anwälten Dr. Ines Kilian und Hansjörg Elb
Nino K. (31) mit seinen Anwälten Dr. Ines Kilian und Hansjörg Elb  © Holm Helis

Dresden - Tag zwei im Prozess gegen den mutmaßlichen Moschee-Bomber von Dresden. Am Montag brach Nino K. (31) sein Schweigen und legte in nur zehn Minuten ein Teilgeständnis ab. Fast zwei Stunden dagegen sprach die Kriminalistin, die am Tatort seinerzeit Spuren sicherte.

Nino K. kam mit einem dicken Aktenordner in den Schwurgerichtssaal, blätterte, fand seine Aufzeichnungen und las dann ab: „Hohes Gericht, werte Anwesende.“ Mit brüchiger Stimme und immer wieder stockend erklärte er, dass er sich vor seiner Tat im September 2017 im Internet über die Moschee informierte hatte.

Deshalb war er davon ausgegangen, „dass keine Personen im Haus sind.“ Er habe auch kein Licht in den Fenstern gesehen. „Ich wollte nur ein Zeichen setzen. Es sollte ein Feuerball entstehen, mehr nicht“, so Nino K., dem die Anklage versuchten Mord vorwirft.

Denn zum Zeitpunkt des Anschlages waren der Imam und seine Familie im Gebäude. „Was mir die Staatsanwaltschaft unterstellt, stimmt nicht.“

Er sei an dem Tag sehr aufgeregt gewesen, habe vor Ort mal zwei der drei selbstgebauten Kartuschen unbrauchbar gemacht, mal den Zeitzünder neu eingestellt, alles von 15 Meter Entfernung beobachtet.

Polizisten bewachten nach dem Anschlag die Moschee.
Polizisten bewachten nach dem Anschlag die Moschee.  © DPA

„Ich hatte plötzlich Angst vor meiner eignen Courage“, so der Mann, der schon auf der PEGIDA-Bühne redete. Ein Sprengsatz flog schließlich in die Luft, demolierte die Tür der Moschee. „Es tut mir leid, was da passiert ist“, so der Angeklagte.

Die zusätzlich in seiner Wohnung gefundene Sprengmischung (4,6 Kilo) sei nicht für Anschläge auf weitere Ziele vorgesehen gewesen, sondern als Silversterböller. „Ich habe alle Teile legal gekauft. Ich wusste nicht, dass es ungesetzlich ist.“

Mehr sagte Nino K. nicht. Auch auf die Bitte des Richters, doch „brennende Fragen“ zu beantworten, schüttelte er den Kopf, schwieg fortan wieder, will erst später zu seinem Lebenslauf reden.

So hörte sich die Kammer die Zeugin Franziska S. (37) vom Landeskriminalamt an. Die Oberkommissarin vermaß den Tatort an der Moschee, sicherte Spuren, legte eine umfangreiche 3D-Skizze an: So waren Brocken von Kohleanzünder durch die Hecke aufs Nachbargrundstück geschleudert worden. Ebenso der Rest einer Dose des Brandsatzes mit der Aufschrift „Mosche“ (Rechtschreibung beibehalten).

Auf dem Hof wurden 18 Zigarettenkippen gesichert. Übrigens auch vier Kippen an der Ecke Rudolf-Renner-Straße/ Hühndorfer Straße. „Durch das Überwachungsvideo wurde schon in der Nacht bekannt, dass dort ein mutmaßlicher Täter gestanden und geraucht haben muss“, so die Beamtin.

Der Prozess wird fortgesetzt. Im Fall einer Verurteilung droht Nino K. lebenslange Haft.

Die Tür der Moschee wurde stark in Mitleidenschaft gezogen.
Die Tür der Moschee wurde stark in Mitleidenschaft gezogen.  © DPA

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