Dresdner Moschee-Bomber hatte keine Ahnung von Chemie

Dresden - Der Prozess gegen den mutmaßlichen Moschee-Bomber Nino K. (31) am Landgericht Dresden. Dass nicht noch mehr in die Luft flog, lag offenbar daran, dass der Täter wenig Ahnung von Chemie hatte. Jedenfalls stellte der LKA-Experte ihm kein gutes Zeugnis aus.

An der Moschee wurden mehrfach Spuren genommen.
An der Moschee wurden mehrfach Spuren genommen.  © Barbara Noack/epd

So wurden unter anderem mit Kabeln durchzogene Konservendosen, gefüllt mit Chemikalien, sichergestellt. Laut Gutachter wurde aber Sulfat statt Nitrat verwendet. "Ich gehe von einer Verwechslung aus", so der Experte.

Zum aufgefundenen Aluminiumpulver sagte der Gutachter: "Ein guter Brennstoff, aber schwer zu entzünden. Fraglich, ob eine Detonationsumsetzung geklappt hätte." Zu einer - zum Glück untauglichen - Sprengstoffkonstruktion aus der Wohnung von Nino K. bemerkte der Experte: "Da kursieren viele nicht korrekte Infos im Netz ..." Kurz: Nino K. bastelte offenbar nach YouTube-Videos, die zum Glück so fehlerhaft waren, dass nichts Schlimmeres passierte.

Immerhin: Von Elektronik hatte Nino K. mehr Ahnung. So standen die Fahnder bei der Hausdurchsuchung längere Zeit im Dunkeln. Anfangs glaubten die Ermittler, die Lichtschalter wären defekt. Weit gefehlt: "Er steuerte das Licht über eine App im Smartphone", so ein Fahnder. "Die Anlage hatte er wohl selbst programmiert."

Übrigens: Eigentlich sollte in dieser Woche das Urteil fallen. Doch weil noch ein "Sprenggutachten" vom BKA benötigt wird, der dortige Sachverständige die Versuchssprengungen aber erst im Juni durchführen kann, wird nun ein Prozessende nicht vor Mitte Juli erwartet.

Nino K. (31), hier im Gespräch mit seiner Verteidigerin.
Nino K. (31), hier im Gespräch mit seiner Verteidigerin.  © Ove Landgraf

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