Dresden prüft Standorte für 1000 neue Asylbewerber

Dresden muss wegen des großen Flüchtlingsstroms mehr Asylbewerber provisorisch unterbringen, wie hier an der Bremer Straße.
Dresden muss wegen des großen Flüchtlingsstroms mehr Asylbewerber provisorisch unterbringen, wie hier an der Bremer Straße.

Von Dirk Hein

Dresden - Die durch die Landesdirektion an der Bremer Straße als Erstaufnahmeeinrichtung betriebene Zeltstadt zeigt, was Dresden bevorsteht: Immer mehr Flüchtlinge müssen notfalls auch provisorisch untergebracht werden. Das sind die aktuellsten Zahlen und so will Dresden reagieren.

Laut der letzten Prognose der Landesdirektion von Anfang August muss Dresden in diesem Jahr mindestens 2683 Asylsuchende neu aufnehmen. In der Summe würden damit zum Jahresende rund 4000 Flüchtlinge durch die Stadt unterzubringen sein. Dafür müssen weitere 1000 Schlafplätze geschaffen werden.

„Um das zu schaffen und weil mit einer weiteren Dynamik zu rechnen ist, dürfen wir die nächsten Wochen nicht wartend verstreichen lassen. Zelte und Turnhallen sind für uns auch als Notquartiere keine Optionen“, macht Sozialbürgermeister Martin Seidel (39, parteilos) deutlich.

"Zelte und Turnhallen sind für uns auch als Notquartiere keine Optionen“, macht Sozialbürgermeister Martin Seidel (39, parteilos).
"Zelte und Turnhallen sind für uns auch als Notquartiere keine Optionen“, macht Sozialbürgermeister Martin Seidel (39, parteilos).

Die Stadt will lieber mit Hochdruck weitere Wohnheime zur Verfügung stellen. Dennoch kann Seidel Containerstandorte (jeweils 180 Plätze) nicht mehr ausschließen. Sozialamt und Stadtplanungsamt prüfen derzeit, welche Flächen in Frage kommen.

Ziel ist es, dass bei Bedarf binnen eines halben Jahres ein oder mehrere Containerlösungen in Betrieb gehen können. Anfang September soll dafür eine Standortliste vorliegen.

Zudem arbeitet die Stadt an einem Notfallszenario. Gemeinsam mit dem Brand- und Katastrophenschutzamt überprüfen Mitarbeiter des Sozialamtes aktuell den ehemaligen Betriebshof am Hutbergblick in Schönfeld-Weißig oder den Saal am Übergangswohnheim in der Podemusstraße. Dort würden Flüchtlinge untergebracht um „im Notfall eine Einquartierung von Flüchtlingen in Turnhallen oder Zeltlagern zu vermeiden“, erläutert Seidel.

Grundlage dieser Prognosen sind bundesweit etwa 400.000 Flüchtlinge. Die neue Flüchtlingsprognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtling geht wohl aber von bis zu 750.000 Flüchtlingen aus. Triff das zu, würden weitere 2000 Asylsuchende nach Dresden kommen.

So reagiert Dresden

  • Die Prüfungen zum ehemaligen „Alttolkewitzer Hof“ sind abgeschlossen. Nach Einschätzung der Fachleute können kurzfristig bis zu 60 Flüchtlinge einziehen. Die Stadt will die Immobilie daher kaufen.
  • Der Standort Heidenauer Straße 49 (100 Plätze) sollte eigentlich im April 2016 in Betrieb genommen werden. Jetzt können die ersten Asylsuchenden schon im Oktober einziehen.
  • Die Eröffnung des Wohnheimes in der Lockwitztalstraße (72 Plätze) 60 hatte sich mehrfach verzögert. Jetzt können Anfang November 2015 erste Flüchtlinge kommen.
  • Aktuell hat Dresdens 383 Wohnungen angemietet. Bei hundertprozentiger Auslastung bieten sie bis zu 2 373 Asylsuchenden Platz. Zudem werden aktuell 95 Asylsuchende in 19 Ferienwohnungen. Das soll ausgebaut werden.
  • Bislang hat die Stadt kaum Flüchtlinge in Privatwohnungen untergebracht. Das soll sich ändern. 30 Platzangebote liegen vor. Über eine Hilfeaufruf will Sozialbürgermeister Martin Seidel (39, parteilos) mehr als 1000 Plätze ermöglichen.
  • An der Försterlingstraße 20 soll ein neues Übergangswohnheim (168 Plätze) entstehen. Sollte der Stadtrat zustimmen, könnten die ersten Asylsuchenden Mitte 2016 einziehen.

Fotos: Holm Helis, Steffen Füssel


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