Nach Kupfers Rücktritt wegen Depression: So reagieren die Parteien

Dresden - Es ist ein Befreiungsschlag für eine geschundene Seele - und für seine Partei: CDU-Fraktionschef Frank Kupfer (56) tritt zurück. Begründung: Schwere Depressionen. Das politische Sachsen ist betroffen. Politisch aber stand Kupfer zuvor in der Kritik.

Frank Kupfer (56, CDU).
Frank Kupfer (56, CDU).  © Norbert Neumann

„Ich leide seit langer Zeit an einer Depression. Es gibt Phasen, wo alles gut ist; es gibt aber auch Phasen, wo am liebsten gar nichts mehr hören und gar nichts mehr sehen möchte.“

Kupfer ist nach eigener Aussage erschöpft. "Ich habe mich sehr bemüht in den letzten Monaten und den letzten Jahren, dass das möglichst niemand mitbekommt. Dieses hat so viel Kraft gekostet. Ich kann einfach nicht so weitermachen.“

Kupfer unterrichtete am Donnerstag die Fraktion. Er wolle sich in Therapie begeben, krank geschrieben ist er schon eine Weile. „Ich habe gesagt, dass ich im nächsten Jahr nicht mehr für den Landtag kandidieren werde." Sein Mandat wolle er aber bis zur Landtagswahl 2019 behalten - aus Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern, aber auch, um nach der Therapie eine Aufgabe zu haben.

Michael Kretschmer (43, CDU) zeigte sich als CDU-Landeschef und MP erschüttert. Er sagte, es sei traurig und tragisch, dass mit Frank Kupfer ein langjähriger Wegbegleiter, aber auch menschlicher Freund von einer "sehr schlimmen Krankheit" heimgesucht werde.

Die Grünen erwarten eine "180-Grad-Wende"

CDU-Landeschef Michael Kretschmer (43).
CDU-Landeschef Michael Kretschmer (43).  © Norbert Neumann

SPD-Fraktionschef Dirk Panter (44) sagte: "Dass mein Kollege an Depression leidet, macht mich und meine Fraktionskollegen sehr betroffen." Umso größer sei sein Respekt vor dem offenen Umgang damit und dem Rücktritt.

Ähnlich äußerten sich Grüne und Linke. Kupfers Nachfolger soll in zwei Wochen gekürt werden. Vorgeschlagen ist bislang nur Geert Mackenroth (68, CDU), zurzeit Ausländerbeauftragter des Freistaates. Shootingstar und CDU-General Alexander Dierks (30) mag nicht.

Der Rücktritt hat auch politisch Gewicht und enttäuscht nicht alle CDUler: Besonders in Asylfragen, aber auch in Richtung Bundeskanzleramt gab Kupfer zeitweilig Äußerungen im AfD-Ton ab.

Deutliche Hinweise kamen am Donnerstag aber nur von der Opposition. So sagte die Linke, man sei gespannt, "ob die CDU weiter den Scharfmachern am rechten Rand nacheifern wird."

Die Grünen erwarten sich nichts weniger als eine "180-Grad-Wende" vom neuen Fraktionschef.

Mit diesen Sprüchen eckte Frank Kupfer an

© Norbert Neumann

Vollblut- oder Haudrauf-Politiker? Frank Kupfer eckte im Landtag immer wieder an.

•"Frau Kollegin Meiwald, hübsches Kleid! Das war aber das einzig Positive an Ihrer Rede − leider", sagte Kupfer am 16. August vor dem Plenum. Adressat war die Abgeordnete Verena Meiwald (52, Linke). Daraufhin forderten 19 weibliche Abgeordnete von Landtagspräsident Matthias Rößler (63, CDU) eine Rüge für Kupfer.

•"Öffentlich-Rechtliche ... dafür bezahlen wir Beiträge", schmähte er kurz darauf das ZDF via Facebook. Hintergrund: die Blockade eines TV-Teams am Rande des Besuchs von Kanzlerin Angela Merkel (64, CDU).

•"Was ich noch nie verstanden habe ist, dass Menschen, die ihren Pass wegwerfen und damit bewusst ihre Identität verschleiern, überhaupt einen Anspruch auf ein Asylverfahren und Leistungen aus unserem Sozialsystem erhalten."

Noch 2014 hatte der Politiker vier zunächst unbegleitete muslimische Kinder bei sich daheim aufgenommen.

Alter Bekannter: Ex-Justizminister Geert Mackenroth (68) soll neuer Fraktionschef der CDU werden. Derzeit ist er Sachsens Ausländerbeauftragter.
Alter Bekannter: Ex-Justizminister Geert Mackenroth (68) soll neuer Fraktionschef der CDU werden. Derzeit ist er Sachsens Ausländerbeauftragter.  © Ove Landgraf