Nach Wahlkrimi: Tobias Bilz ist neuer sächsischer Landesbischof

Dresden - Sachsen hat einen neuen evangelischen Bischof. Am Samstag wurde Tobias Bilz ins Amt gewählt. Der 55-Jährige Pfarrer ist zur Zeit Oberlandeskirchenrat im Landeskirchenamt.

Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz aus Dresden ist neuer Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Sachsen.
Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz aus Dresden ist neuer Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Sachsen.  © Ronald Bonss/dpa

Wahlberechtigt waren 79 anwesende Mitglieder des Kirchenparlaments, der Synode. Die Wahl fand in der Dresdner Dreikönigskirche statt.

Der Entscheidung ging ein stundenlanger Wahlkrimi voran: Es brauchte im vorgeschriebenen Abstand von je drei Stunden drei Abstimmungen, ehe Bilz seine Mitbewerber Ulrike Weyer (46, Plauen) und Andreas Beuchel (56, Meißen) aus dem Feld geschlagen hatte.

Witzig: Jeder Wahlgang wurde eingeleitet von der "Eurovisions-Hymne", einem Te Deum von Marc-Antoine Charpentier.

Den Tag hatten die Synodalen mit einem Gottesdienst begonnen. In sein Amt eingeführt werden soll der neue Bischof am 25. April.

Die Wahl war notwendig geworden, weil der bisherige Amtsinhaber Carsten Rentzing (52) im Oktober 2019 auf sein Amt verzichtet hatte.

Hintergrund war das Auftauchen rechtslastiger Texte aus seiner Studentenzeit.

Zwar hatte sich Rentzing vom Inhalt der Schriften distanziert, sah diese Vergangenheit aber als Bürde, die mit der Würde des Bischofsamtes unvereinbar ist. Die Kirchenleitung akzeptierte die Entscheidung.

Rentzing bleibt weiter Pfarrer

Die drei Kandidaten für das Bischofsamt: (v.li.)Andreas Beuchel, Superintendent in Meißen, Ulrike Weyer, Superintendentin in Plauen, und Tobias Bilz.
Die drei Kandidaten für das Bischofsamt: (v.li.)Andreas Beuchel, Superintendent in Meißen, Ulrike Weyer, Superintendentin in Plauen, und Tobias Bilz.  © Robert Michael/dpa

Konservative Gemeinden hatten ihm allerdings den Rücken gestärkt und für seinen Verbleib im Amt gekämpft. Sie sahen Rentzing unter dem Druck "linksliberaler Kreise" und unterstellten, der Bischof sei aus dem Amt gejagt worden. Abordnungen vor allem aus dem Erzgebirge (dem sächsischen "Bibel-Gürtel") hatten sogar vor dem Landeskirchenamt in Dresden demonstriert (Tag24 berichtete).

Es war das erste Mal in der evangelischen Kirchengeschichte Sachsens, also seit 500 Jahren, dass ein Bischof auf diese Art sein Amt aufgab.

Rentzing bleibt weiter Pfarrer. Er befindet sich zur Zeit im sogenannten Wartestand, bis endgültig geklärt ist, ob und wo er wieder eine feste Pfarr-Stelle antritt oder eine andere Funktion im Kirchendienst übernimmt.

Zur Zeit arbeitet er für das Kirchspiel Freital als Vertretung. Dort sind mehrere Pfarrstellen vakant. Rentzings Frau hat eine halbe Pfarrstelle in Possendorf bei Dresden.

Carsten Rentzing kam 2015 ins Amt und hätte theoretisch bis 2027 Bischof sein dürfen. Er siegte damals übrigens - ebenfalls nach mehreren Wahlgängen - gegen Bilz, am Ende mit einer Stimme Vorsprung.

Die evangelische Landeskirche Sachsens zählt zur Zeit 677.000 Mitglieder.

Carsten Rentzing trat vom Amt als Sachsens evangelischer Landesbischof zurück.
Carsten Rentzing trat vom Amt als Sachsens evangelischer Landesbischof zurück.  © epd-bild / Matthias Rietschel

Titelfoto: Ronald Bonss/dpa

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