Namen von 2000 Nazi-Opfern verlesen: Bedrückende Erinnerung an ermordete Dresdner

Dresden - Bei eisigem Wind lasen Schüler, Bürger und Politiker an der Kreuzkirche Namen vor. Mehr als drei Stunden lang. Sie zählten mehr als 2000 Dresdner auf. Diese sind nur ein Teil der rund 7 000 verfolgten Juden aus Dresden und Umgebung, die Opfer der Nationalsozialisten wurden.

Das Andenken wird auch über diese Gedenktafel an der Kreuzkirche gewahrt.
Das Andenken wird auch über diese Gedenktafel an der Kreuzkirche gewahrt.  © Thomas Türpe

"Doris Henriette Feibusch: Vom Lager Dresden Hellerberg nach Auschwitz deportiert und dort mit 19 Jahren umgekommen. Beile, Gabriele: Mit zwei Jahren nach Polen deportiert und dort umgekommen".

Dutzende Dresdner lasen am Montag aus dem "Buch der Erinnerung" vor. Sie gedachten damit den zwischen 1933 bis 1945 aus Dresden und umliegenden Orten ermordeten, verschleppten und verschollenen Juden, Sinti und Roma sowie Kindern von Zwangsarbeiterinnen.

"Hinter den Zahlen verbergen sich Geschichten, Schicksale, Menschen mit Träumen, Plänen, alltäglichen Sorgen. Eltern, Großeltern, Freunde, Arbeitskollegen", erinnerte Finanzbürgermeister Peter Lames (55, SPD).

"Die Abläufe in Dresden sind gut dokumentiert. Der Weg führte oftmals über Judenhäuser und das Lager Hellerberge in das Ghetto Theresienstadt und weiter nach Auschwitz in die physische Vernichtung, ins Verschwinden."

Seniorin Uta Burgard (74): "Die Überlebenden werden immer weniger. So ist es schwierig, die Erinnerung wachzuhalten. Das ist aber wegen des rechten Milieus und zunehmenden Antisemitismus wichtig."

Und tatsächlich ermittelt die Polizei jetzt gegen eine Frau (23), die Montag während einer Gedenkveranstaltung in Pirna den Hitlergruß gezeigt haben soll.

Auch im Landtag gedachten Politiker zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz den Opfern.

Finanzbürgermeister Peter Lames (55, SPD) und Dutzende Gäste gedachten an der Kreuzkirche den Opfern des Nationalsozialismus.
Finanzbürgermeister Peter Lames (55, SPD) und Dutzende Gäste gedachten an der Kreuzkirche den Opfern des Nationalsozialismus.  © Thomas Türpe
Der Sebnitzer Bürgermeister Mike Ruck (55) übergab am Rathaus 2000 weiße Rosen an Dresdens OB Dirk Hilbert (48, FDP) für die Gedenkfeierlichkeiten am 13. Februar.
Der Sebnitzer Bürgermeister Mike Ruck (55) übergab am Rathaus 2000 weiße Rosen an Dresdens OB Dirk Hilbert (48, FDP) für die Gedenkfeierlichkeiten am 13. Februar.  © Steffen Füssel
Die weiße Rose ist ein Zeichen für die Überwindung von Krieg, Rassismus und Gewalt, dient auch als Symbol gegen die krude ideologische Verzerrungen des Gedenktages.
Die weiße Rose ist ein Zeichen für die Überwindung von Krieg, Rassismus und Gewalt, dient auch als Symbol gegen die krude ideologische Verzerrungen des Gedenktages.  © Steffen Füssel

Titelfoto: Thomas Türpe

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