Nazi-Musik und Rassisten-Sprüche bei Sachsens Bereitschaftspolizei

Dresden/Leipzig - Rechtes Gedankengut in sächsischen Einsatzkräften? Ein Ex-Azubi wirft der Bereitschaftspolizei in Leipzig rassistische Sprüche und Nazi-Musik vor. Dort läuft nun ein Disziplinarverfahren deswegen.

Bei seiner Ausbildung zum Polizisten sah sich Simon Neumeyer (21) mit rassistischen Sprüchen konfrontiert.
Bei seiner Ausbildung zum Polizisten sah sich Simon Neumeyer (21) mit rassistischen Sprüchen konfrontiert.

Vor rund zwei Jahren hatte der Kölner Simon Neumeyer (21) einen Traum, wollte Polizist werden, bewarb sich in Leipzig und begann im September die Ausbildung. Schnell war die Begeisterung weg: "Bei den Gesprächen vertraten einige mehr als nur eine rechte Meinung", sagt der ehemalige Beamte in Ausbildung.

"Auf der Stube spielte einer Musik der Band ,Stahlgewitter', erzählte von seinem Besuch eines NPD-Fests." Außerdem soll beim Schießtraining ein Lehrer gesagt haben, dass man jetzt gut schießen lernen müsse "wegen der Gäste".

Auch in einer WhatsApp-Gruppe der Klasse wurden rassistische Sprüche geklopft: Ein Mitschüler Neumeyers schrieb dort "Wir hassen alle .... Afrikaner". Neumeyer kündigte unter einem Vorwand, machte nun die Chatverläufe auf Instagram öffentlich. Auch das Magazin "Neon" griff die Vorwürfe auf.

Im Innenminsterium ist man alarmiert

Solche Witze machten im Klassen-Chat die Runde.
Solche Witze machten im Klassen-Chat die Runde.

"Es ist tatsächlich so, dass wir bis zu dieser Nachricht auf Instagram davon nichts wussten", sagt Silvaine Reiche (44) von der Bereitschaftspolizei. "Wir haben das mit den Lehrern und den Schülern in einer Schulkonferenz ausgewertet." Gegen den "Afrikaner"-Hasser aus dem Chat läuft ein Disziplinarverfahren, zwei andere Chat-Teilnehmer sind nicht mehr im Dienst.

Im Innenministerium ist man alarmiert: "Wir akzeptieren solche Äußerungen im dienstlichen Zusammenhang generell nicht", so ein Sprecher. "Es kann trotz unserer Einstellungstests passieren, dass auch ungeeignete Personen in die Ausbildung kommen. Wenn so etwas passiert, gehen wir dem nach."

Die Grünen sehen das Problem noch eine Nummer größer: „Wenn es mittlerweile fast jede Woche einen neuen Fall von Rechtsextremismus oder antidemokratischem Verhalten in den sächsischen Behörden gibt, muss man von einem strukturellen Problem ausgehen", so der innenpolitische Sprecher Valentin Lippmann (27).

"Ich erwarte von Innenminister Prof. Roland Wöller neben schonungsloser Aufklärung umgehend Antworten, wie diesen Entwicklungen begegnet werden kann.“

Bereitschaftspolizisten stehen bei Demonstrationen und Fußballspielen oft an den gefährlichsten Stellen.
Bereitschaftspolizisten stehen bei Demonstrationen und Fußballspielen oft an den gefährlichsten Stellen.  © Ralf Seegers
Grünen-Politiker Valentin Lippmann (27) geht von einem strukturellen Problem bei Sachsens Behörden aus.
Grünen-Politiker Valentin Lippmann (27) geht von einem strukturellen Problem bei Sachsens Behörden aus.  © Thomas Türpe

Mehr zum Thema Rechtsextremismus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0