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Dresden hat sein Dinglingerhaus wieder

Dresden - Am Donnerstag wurde Richtfest am Neurmarkt gefeiert. Dort wo einst Augusts Hofjuwelier wohnte, entsteht jetzt nach historischem Vorbild das berühmte Dinglingerhaus und das Triersche Haus.
Gut hundert Gäste kamen zum Richtfest des Kimmerle- Ensembles am Jüdenhof.
Gut hundert Gäste kamen zum Richtfest des Kimmerle- Ensembles am Jüdenhof.

Von Hermann Tydecks

Dresden - Ein neuer Meilenstein für den Neumarkt: Hinterm Kulti schließt Bauinvestor Michael Kimmerle (41) mit seinem Jüdenhof-Projekt die Westseite! Dabei baut er das berühmte Dinglingerhaus und Triersche Haus nah am historischen Vorbild auf. Gestern wurde Richtfest gefeiert und alle durften dabei sein. Nur eine Dresdner Behörde war unerwünscht ...

Gut hundert Gäste waren beim Richtfest des schmucken Jüdenhofs dabei. Michael Kimmerle investiert 30 Millionen Euro in sein Projekt, der Rohbau steht. „August 2016 sollte alles fertig sein“, sagt Kimmerle.

Der Komplex umfasst Tiefgarage (54 Stellplätze), Hotel (103 Zimmer), 19 Mietwohnungen, ein Restaurant „Vapiano“, einen Eisladen, Büros und Geschäfte.

Der Neumarkt ist das bauliche Herz Dresdens.
Der Neumarkt ist das bauliche Herz Dresdens.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude-Ensemble zerstört.

Kimmerle orientierte sich beim Wiederaufbau am barocken Vorbild. Das Triersche Haus wird mit originaler Fassade wiederhergestellt. Beim Dinglingerhaus entsteht sogar die innere Struktur mit Treppenhaus und Hof nach dem Original.

„Wir sind mit dem Projekt sehr zufrieden“, lobt Torsten Kulke (50), Vorsitzender der Gesellschaft Historischer Neumarkt, den kritischen Wächtern des Wiederaufbaus.

„Kimmerle ließ zum Großteil Stein auf Stein mit Wärmedämmziegeln mauern. Das ist wesentlich nachhaltiger als der kostengünstigere Betonguss, hält also viel länger.“

Nur eins ärgert Michael Kimmerle: Der irre Streit um die Fenster!

Erkennen Sie den Unterschied? Links eine historische Aufnahme des Jüdenhofs mit dem Dinglingerhaus vor der Zerstörung und wie auf dem rechten Bild wird das Karree am Jüdenhof mit dem wiederaufgebauten Pöppelmann- Bau ab 2016 aussehen.
Erkennen Sie den Unterschied? Links eine historische Aufnahme des Jüdenhofs mit dem Dinglingerhaus vor der Zerstörung und wie auf dem rechten Bild wird das Karree am Jüdenhof mit dem wiederaufgebauten Pöppelmann- Bau ab 2016 aussehen.

Da es bald laut wird am Kulti, sollten sich nach Willen des Dresdner Umweltamts (zuständig für Schallschutz) die Fenster der umliegenden Gebäude nicht öffnen lassen. Kimmerle: „Darum habe ich den Amtsleiter extra nicht zum Richtfest eingeladen.“

Christian Korndörfer (59) dürfte das aber kaum umgestimmt haben...

Bauinvestor Michael Kimmerle (41) im erhaltenen Keller des Dinglingerhauses, wo Vapiano bald Essen servieren wird.
Bauinvestor Michael Kimmerle (41) im erhaltenen Keller des Dinglingerhauses, wo Vapiano bald Essen servieren wird.

Er entwarf das Dinglingerhaus

Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann.
Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann.

Kein Geringerer als Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736), der auch das Kronentor des Zwingers und das Japanische Palais erschuf, entwarf das Dinglingerhaus am Neumarkt.

1716 erwarb es der namensgebende Hofjuwelier Georg Christoph Dinglinger (1668- 1728), der dort bis zu seinem Tod lebte und mit seinem Bruder Melchior Augusts Grünes Gewölbe bereicherte.

Später eröffneten erste Läden im Haus: Taschenmacher, Klempner, Porzellan- Händler und Messerschmied. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Dinglingerhaus schwer beschädigt, später abgerissen.

Nur der Keller blieb erhalten - bis heute! Wo Dinglinger einst Kartoffeln bunkerte, können Vapiano-Gäste bald speisen.

Auch Hofnarr Fröhlichs Narrenhäusel könnte bald wieder kommen

SPD Stadtrat Hendrik Stalmann- Fischer (22)
SPD Stadtrat Hendrik Stalmann- Fischer (22)

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Bekommt die Dresdner Innenstadt einen weiteren Baustein ihres historischehrwürdigen Gesichts zurück?

An der Augustusbrücke soll das Narrenhäusel wieder aufgebaut worden. Der Verein „Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden“ lieferte den Vorschlag, SPD und CDU unterstützen die Idee.

Stadtrat Hendrik Stalmann- Fischer (22, SPD) stellte jetzt den SPD-Antrag vor: „Das Narrenhäusel könnte ein verbindender Mosaikstein zwischen Altstadt und Neustadt sein.“

Laut Fraktions-Geschäftsführer Thomas Blümel (50, SPD) könnte der Antrag noch in diesem Jahr in den Geschäftsgang gehen, im ersten Quartal 2016 wäre der Antrag beschlussreif. Und auch die CDU-Fraktion unterstützt die Idee.

„Auch wir stehen dem Wiederaufbau des Narrenhäusels positiv gegenüber und habendas intern bereits wohlwollend diskutiert“, so Stadtrat Gunther Thiele (42, CDU).

Das Narrenhäusel wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1950 abgerissen, wurde von Hofnarr Joseph Fröhlich bewohnt.

Das Narrenhäusel, wie es wieder aussehen könnte. Augusts Hofnarr ließ das Original 1755 errichten.
Das Narrenhäusel, wie es wieder aussehen könnte. Augusts Hofnarr ließ das Original 1755 errichten.

Fotos: Petra Hornig, Juergen-Michael Schulter, Thomas Türpe, Visualisierungen: neumarkt-dresden.de

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