Es grünt so grün... Auf dem Neumarkt wächst bald ein Wald

Dresden - Dresdens Neumarkt wird jetzt richtig grün. An der Westseite, vor dem neuesten Karree mit Gebäuden von Nobelpreisträger Günter Blobel (†81) und USD (siehe unten), wird in einem Jahr ein ganzer Platanenhain mit 28 großen Bäumen wurzeln. Das Beste: Dresden muss dafür nur einen Teil der Kosten tragen.

Das sind die Spender. OB Dirk Hilbert (46) begrüßte sie gestern auf dem Neumarkt.
Das sind die Spender. OB Dirk Hilbert (46) begrüßte sie gestern auf dem Neumarkt.  © Holm Helis

Am Freitag übergaben Vertreter des Vereins Dresden Trust und der evangelischen Kirchen Dresden Mitte Spenden von 33.000 Euro für die künftige Grünanlage mit Brunnen und Bänken.

"Zwei Bänke und fünf Bäume sind von uns" so Evelyn Eaton, Vorstandsvorsitzende des 1993 gegründeten Dresden Trust, als sie den Scheck mit 30.000 Euro am Freitag auf dem Neumarkt an die Vertreter der Stadt überreichte.

Auch Superintendent Christian Behr hatte einen Scheck mit 3000 Euro dabei, weitere Spender waren anwesend. "Insgesamt haben wir damit 60.000 Euro erhalten. Aber es gibt noch fiskale Lücken...", ermuntert OB Dirk Hilbert. Tatsächlich kostet das Platanenprojekt mit sieben Bänken und einem Brunnen sowie die kunstvolle Pflasterung in Ornamenten traditioneller Tuchmuster 1,1 Million Euro. Im April 2019 soll die Neumarkt-Oase fertig sein.

Die dann geometrisch angeordneten Platanen stehen auf dem Platz, an dem sich ursprünglich Gewandhaus von 1590 befand. Doch schon 1791 wurde es wieder abgerissen. Beim Wiederaufbau nach der Wende war an seiner Stelle ein neues, modernes "Gewandhaus" vorgesehen, aber nach hitzigen Diskussionen wieder verworfen worden. Der Platanenhain soll nun räumlich an das alte Gewandhaus erinnern.

Die Bäume, die ab nächstem Frühjahr gepflanzt werden, sind übrigens stattliche Gewächse: "Die Platanen werden schon seit vier Jahren gezogen, sind mittlerweile neun bis zehn Meter hoch", so Landschaftsarchitekt Till Rehwaldt (53). Für ihn ist das Projekt etwas Besonderes: Der "Bau" mit lebendigem Grün ist seiner Ansicht nach etwas "Einmaliges".

So war das mit dem alten Gewandhaus

Erholungshain statt Stein! So soll das Platanen-Gewandhaus aussehen.
Erholungshain statt Stein! So soll das Platanen-Gewandhaus aussehen.  © Römmler & Jonas

1453 erwarb der Rat der Stadt die leer stehende Synagoge am Jüdenhof und richtete sie zum Gewandhaus her.

150 Jahre später hatte das Gebäude ausgedient: Kurfürst Christian I. (1560-91) ließ 1591 ein paar Meter weiter am Neumarkt ein modernes, 120 Meter langes Gewandhaus errichten - mit Saal im ersten Stock für die Tuchmacher, im Untergeschoss Fleisch- und Schuhbänke und ein Ratskeller.

Das Gebäude, im siebenjährigen Krieg schwer beschädigt, wurde 1791 abgerissen.

Die Gewölbe davon schlummern bis heute im Boden und wurden zuletzt bei Grabungen 2007 für kurze Zeit freigelegt.

Neumarkt Blobel und USD ließen die Hüllen fallen

Canalettos Blick auf den Neumarkt zu Dresden von der Moritzstraße aus.
Canalettos Blick auf den Neumarkt zu Dresden von der Moritzstraße aus.  © © SLUB / Deutsche Fotothek

Jetzt sieht der Neumarkt wieder aus wie vor der Zerstörung 1945. Fast wenigstens. In den vergangenen Tagen fielen die Bauhüllen und Gerüste vor den wieder aufgebauten Häusern des Quartiers VI an Westseite des Platzes.

Zum Vorschein kamen die Fassaden des nachempfundenen "Au Petit Bazar", ursprünglich ein mondänes Geschäftshaus aus dem Jahre 1850. Bauherr ist Nobelpreisträger Günter Blobel (†81).

Daneben lässt die Firma USD ihre eigene Version des einst nach 1760 im "Hungebarock"-Stil errichteten Wohn- und Geschäftshauses bauen. Im folgt zum Jüdenhof hin ein auftrumpfender Eckbau. Auch er erinnert an das spätbarocke Vorgängergebäude.

Kritiker bemängeln allerdings eine allzu freizügige und "billige" Interpretation der Originale. Bei den beiden Häusern der USD wurde ein zusätzliches Geschoss hinangequetscht Dachgauben sind irritierend kastenförmig.

Ob im Eckbau die einst stilbildende Ladenfront des Hofjuweliers Elimeyer originalgetreu wieder entsteht, bliebt abzuwarten. Dabei war dies das letzte Werk, das Opernhaus-Architekt Gottfried Semper 1840 den Dresdnern hinterlassen hat.

Noch ist der Blick zum Verkehrsmuseum frei.
Noch ist der Blick zum Verkehrsmuseum frei.  © Holm Helis
Noch ist nicht viel zu sehen. Im Herbst werden die Bäume ausgepflanzt.
Noch ist nicht viel zu sehen. Im Herbst werden die Bäume ausgepflanzt.  © Holm Helis

Titelfoto: Holm Helis, Römmler & Jonas


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