Eine Woche "autofreie Neustadt": Das kommt auf die Dresdner zu!

Dresden - "Sieben Tage autofreie Neustadt: Straßen sperren, alle Parkplätze umnutzen, Kultur und Handel auf die Straßen holen": Ende August sollen alle Autos aus der Neustadt raus. Die Kritik wächst. Droht angrenzenden Stadtteilen der Verkehrskollaps?

Eine Woche lang soll die Neustadt autofrei werden, alle Parkplätze müssten geräumt werden.
Eine Woche lang soll die Neustadt autofrei werden, alle Parkplätze müssten geräumt werden.  © Thomas Türpe

Die Vision: Eine autofreie Neustadt im Jahr 2030.

"Wo früher Autos parkten, befinden sich jetzt Gemeinschaftsbeete, Schachtische oder Aufladestationen für E-Bikes", lautet ein Traum der Macher der "Woche des Guten Lebens". Unterstützung kommt von Grünen, SPD und Linken.

Der Weg dorthin: Im Rahmen der Zukunftsstadt Dresden 2030 wurde das Projekt ausgewählt.

Konkret sollen noch in diesem Jahr eine Woche lang (30. August bis 6. September) Autos raus aus dem Gebiet zwischen Königsbrücker Straße, Bischofsweg, Prießnitzstraße und Bautzner Straße. Die Stadt ist beteiligt, beschlossen ist noch nichts.

Das müssen Autofahrer wissen: Knapp 4100 Autos wären betroffen, 1800 öffentliche Parkplätze sowie 2100 private Stellplätze könnten nicht genutzt werden.

Das ergab eine Anfrage von Linke-Rat Tilo Wirtz (52). Für diese müssten Ausweichplätze auf Brachen oder in anderen Parkhäusern gefunden werden. 30 Prozent der Autos sollten weit entfernt geparkt werden.

Stadtrat Tilo Wirtz (52, Linke) hat erhebliche Bedenken hinsichtlich einer konfliktfreien Umsetzbarkeit.
Stadtrat Tilo Wirtz (52, Linke) hat erhebliche Bedenken hinsichtlich einer konfliktfreien Umsetzbarkeit.  © Eric Münch

Die Kritik: "Während sich einige wenige Neustädter in der Autofreiheit sonnen, verstopfen ganze Straßenzüge in den Nachbargebieten", befürchtet Stadtrat Tilo Wirtz.

Und: "Ich habe Zweifel, dass so ein Experiment funktioniert, die Autos verschwinden nicht einfach."

Das sagt die Wissenschaft: Tibor Petzoldt (38), TU-Professor für Verkehrspsychologie, begleitet das einwöchige Projekt.

Aus seiner Sicht bestehen Chancen für Anwohner: "Straßen werden wieder zu einem Raum, in dem man sich aufhalten kann."

Und: "Wir entscheiden uns bei Verkehrsmitteln nicht einfach so um. Wer angeschoben wird, sein Auto stehen zu lassen, entdeckt vielleicht den neuen, für ihn passenden Radweg."

Aber: "Es gibt Frustpotenzial für alle überzeugten Autonutzer".

Neue Messergebnisse: Dresdens Luft ist nicht mehr ganz so dick

Sogar an der Bergstraße ist die Luft besser geworden.
Sogar an der Bergstraße ist die Luft besser geworden.  © Norbert Neumann

Dresden kann aufatmen: Im vergangenen Jahr hat sich die Luftqualität bezogen auf die Messwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid weiter verbessert. Das hat die Stadtverwaltung am gestrigen Montag mitgeteilt.

Demnach werden die Werte der Messstellen an der Bergstraße, der Winkelmannstraße und dem Schlesischen Platz seit drei Jahren eingehalten. An der Bergstraße wurde der Stickstoffdioxid-Grenzwert 2019 erstmals sogar deutlich unterschritten.

Daran haben auch die Reduzierung auf Tempo 50 und der Blitzer ihren Anteil.

Umweltamtsleiter Wolfgang Socher freut die Entwicklung: "Es zeigt sich, dass die Verkehrspolitik der Stadt allmählich Früchte trägt. Diese setzt vor allem auf die Stärkung des Umweltverbundes, bestehend aus öffentlichen Personennahverkehr sowie Fuß- und Radverkehr."

Verbesserungen bei der Technik der Autos trügen auch zur Reduktion von Luftschadstoffen bei, sagt er.

Dieses Team organisiert die autofreie Woche.
Dieses Team organisiert die autofreie Woche.  © Nicole Herzog
Zumindest während der BRN ist die Neustadt jetzt bereits autofrei.
Zumindest während der BRN ist die Neustadt jetzt bereits autofrei.  © Norbert Neumann

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