"Man sieht sich ..." Neustadt-Original Lutz Fleischer (†63) ist tot

Dresden - Der 22. Scheune-Schaubuden-Sommer ist der erste ohne ihn - und seine "Fleischer"-Bude: Neustadt-Künstler Lutz Fleischer (63) ist am Mittwoch nach einem Zusammenbruch auf der Intensivstation gestorben. Ein wahrer Bohemien hat die Seiten gewechselt.

Lutz Fleischer, wie ihn die Neustadt kennt: Lässig, mit Brille(n) und Zigarette, Zug um Zug über Gott und die Welt philosophierend.
Lutz Fleischer, wie ihn die Neustadt kennt: Lässig, mit Brille(n) und Zigarette, Zug um Zug über Gott und die Welt philosophierend.  © Amac Garbe

Wenige haben ihn wirklich gekannt, viele ihn geschätzt, noch mehr ihn gesehen - wenn er leicht gebeugt, mit großer Brille, weißem Haar und Bart durch die Neustadt schlurfte, unkonventionell bekleidet, auch mal eine Bierpulle in der Hand.

Was andere dachten, scherte ihn nicht: Fleischer war Maler, Grafiker, Objekt- vor allem aber streitbarer Überlebenskünstler.

Er war Dauergast auf der Ostrale - aber auch im Späti. "Lutz war ein ernsthafter Künstler und alter Vagabund, der oft in Kirmes-Kostümierung vor meiner Galerie saß", erinnert sich Künstler-Kollege Holger John (59). "Manchmal hatte er einen Kinder-Kassettenrekorder dabei, aus dem Heavy Metal dröhnte."

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Der gelernte Offset-Retuscheur ließ sich an der Abendschule der Kunstakademie zum Maler ausbilden, gehörte zu den Mitbegründern des Leitwolfverlags und des Schlüsselbundverlags - beide spezialisiert auf künstlerische Editionen. Fleischer arbeitete an vielen Künstlerbüchern der Obergrabenpresse mit, gründete 1991 die Galerie "Blaue Fabrik" (Prießnitzstraße) mit.

2005 wurde dem gebürtigen Dresdner der mit 20.000 Euro dotierte Hans-Theo-Richter-Preis der Sächsischen Akademie der Künste verliehen. Das Geld hatte Fleischer vermutlich schon verpulvert, bevor es auf seinem Konto war. Er legte keinen Wert auf Besitz, durfte und ließ gern anschreiben, beglich seine Schulden mit den Worten: "Man sieht sich ..."

Der Scheune-Schaubuden-Sommer - diesmal ohne Lutz Fleischer. Wo seine Bude stand, soll eine Wodkaflasche an ihn erinnern.
Der Scheune-Schaubuden-Sommer - diesmal ohne Lutz Fleischer. Wo seine Bude stand, soll eine Wodkaflasche an ihn erinnern.  © Amac Garbe

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