Vater des toten Babys von Niederau: "Ich will, dass sie ihre gerechte Strafe bekommt!"

Dresden/Niederau - Fassungslosigkeit im Blick. Immer wieder kämpft Tom K. (32, Name geändert) mit den Tränen. Vor fast zwei Jahren wurde er Vater. Er hatte nie die Chance, seinen Sohn aufwachsen zu sehen. Denn Kindesmutter Nicole R. (32) tötet das Baby kurz nach der Geburt.

Auf diesem Feld legte die Frau das Kind ab.
Auf diesem Feld legte die Frau das Kind ab.  © Roland Halkasch

Seit Mittwoch sitzt die Melkerin wegen Totschlags auf der Anklagebank im Landgericht Dresden. (TAG24 berichtete). "Ich will, dass sie ihre gerechte Strafe bekommt", so Tom.

Im Dezember 2017 kreisten plötzlich Polizei-Hubschrauber über Niederau bei Meißen. Landarbeiter Tom, der unweit auf einem Acker arbeitete, sah sie.

"Es machte die Runde, dass ein totes Baby gefunden wurde. Aber das hab ich nicht mit mir in Verbindung gebracht." Zu Hause wäre der Vorfall Thema gewesen. "Aber Nicole war völlig unverändert", sagt Tom.

Laut Anklage aber hatte die Melkerin das gesunde Kind im Auto Tage zuvor geboren, in ein Handtuch gewickelt und auf einem Acker neben ihrer Arbeitsstelle, einer Agrargenossenschaft, abgelegt. Der Junge starb.

"Sie war im Frühjahr zu meinen Eltern und mir gezogen, fand einen Job als Melkerin", so Tom. "Natürlich wollte ich ein Kind. Wir hätten das doch alles hinbekommen. Ich weiß überhaupt nicht, was sie sich gedacht hat."

Freund gesteht: "Keinem von uns fiel auf, dass sie schwanger ist!"

Menschen legten an der Fundstelle Blumen und Kerzen ab.
Menschen legten an der Fundstelle Blumen und Kerzen ab.  © Tino Plunert

Weil Nicole im Schichtdienst und Tom "auf Abruf" bei diversen Landwirten arbeitete, sah sich das Paar selten. "Oft schlief sie schon, wenn ich heim kam. Keinem von uns fiel auf, dass sie schwanger ist."

Die Kripo fahndete vier Wochen nach der Kindesmutter, klingelte auch bei Nicole. "Sie gab zweimal freiwillig DNA-Proben ab", so Tom. Allerdings zog sie die Einwilligung jedes Mal zurück. Anfang Januar ordnete das Gericht eine DNA-Probe an.

Innerhalb von Stunden war klar: Nicole ist Mutter des toten Jungen. Sie wurde verhaftet. "Ich war wütend, geschockt, sauer, traurig. Alles auf einmal", so Tom, gegen den nie ermittelt wurde, der aber danach als angeblicher "Mittäter" im Dorf regelrecht Spießruten lief.

"Ich habe meinem Sohn inzwischen einem Namen gegeben und im Familiengrab beigesetzt. Das einzige, was ich für ihn tun konnte", so der Vater des toten Kindes traurig, der so viele Fragen hat. "Aber Nicole schweigt bis heute mir gegenüber."

Und auch als Nicole im Gericht über ihre Tat spricht, muss Tom draußen bleiben. Die Öffentlichkeit wurde für die Dauer ihrer Vernehmung ausgeschlossen. Sogar die Befragung der Chefermittlerin findet ohne Öffentlichkeit statt.

Das setzte die Anwältin von Nicole R. durch. Es könnten Dinge zur Sprache kommen, die die Angeklagte "mental erheblich belasten" könnten. Urteil folgt.

Nicole R. verheimlichte die Schwangerschaft vor Familie und Freund.
Nicole R. verheimlichte die Schwangerschaft vor Familie und Freund.  © Peter Schulze

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