Norbert Leisegang und Keimzeit mit neuem Album auf Tournee

Dresden - Wenn er gut in Form ist, schreibt er Melodien und Texte, die so schön sind, dass sie für die zwei, drei, vier Minuten, die sie dauern, die Seele völlig ausfüllen können. "Maggie" ist so ein Lied, "Leuchte, Leuchte, Leuchtturm" oder das unvermeidliche, wunderbare "Kling Klang", das im Osten längst ein Volkslied ist.

Hirn und Stimme von Keimzeit: Norbert Leisegang (58).
Hirn und Stimme von Keimzeit: Norbert Leisegang (58).  © imago stock&people

Norbert Leisegang (58) ist das Mastermind von Keimzeit. Mit dem neuen Album "Das Schloss" kommt man am 1. Februar neu auf den Markt.

Zwölf neue Lieder sind es, die so ganz und gar nach Keimzeit klingen. Das ist zunächst keine sonderlich originelle Feststellung, wonach sollten sie sonst klingen? Gesagt sein soll, dass Norbert Leisegang sich mit der neuen Platte nicht neu erfindet. Er bleibt sich treu.

Gibt es einen typischen Keimzeit-Sound? Irgendwie schon, auch wenn sich das schwerlich an bestimmten Klangeigenschaften festmachen lässt. Eher sind es der Stilmix aus Pop, Songwriting und Chanson der früheren Bluesrock-Band, das oftmals Lässige der Arrangements und die melancholische Leichtigkeit der Poetik zusammen, die Keimzeit unverwechselbar machen.

Die Kraft für eindrückliche Sprachbilder hat Leisegang auch bei diesem Album nicht verlassen, etwa wenn er in "Geht schief", dem sechsten Song, über das Dasein eines Hackenschuhs, der am liebsten allein bliebe, sinniert.

Keimzeit ist ein bisschen wie BAP, keine über Jahre oder Jahrzehnte gewachsene Band, sondern mehr ein Projekt mit Markennamen und wechselnden Musikern, das sich ganz und gar um den einen Mann im Zentrum dreht. Dort Wolfgang Niedecken, hier Norbert Leisegang.

Am Anfang war das anders, da war die Band ein Familienunternehmen. Drei Brüder und eine Schwester, die sich ab 1982 Keimzeit nannten. Das erste Album, "Irrenhaus", entstand in der Wendezeit, 1990.

Seit Samstag ist die Band auf Tournee.
Seit Samstag ist die Band auf Tournee.  © imago/Michael Handelmann

Die Familienbande hielten nicht, wohl auch weil Norbert Leisegangs Macht- und Gestaltungsanspruch übermächtig wurde. Dass er mit seiner Art zu arbeiten manchmal "anderen die Luft abdrückt", gibt er unumwunden zu.

Ein pflegeleichter Zeitgenosse ist er nicht, hat es den Anschein, jedoch ein kreativer, ein melancholischer Poet, der seine Kunst mit augenzwinkerndem Ernst auch als "Selbsttherapie" beschreibt.

Entstanden ist die neue Platte, das zwölfte Studioalbum, in Berlin, der Heimatstadt, im "Candy Bunker". Produzent Moses Schneider habe es so gewollt, sagt Leisegang.

Mit dem VÖ-Termin verschränkt ist der Tourstart. Seit Sonnabend sind Keimzeit unterwegs, die ersten Konzerttermine in Sachsen sind am 8.2. in Plauen und am 9.2. in Chemnitz.

Nach Dresden kommt die Band in der zweiten Jahreshälfte, am 2.8., anschließend geht's nach Torgau (19.10.), Zwickau (8.11.), Leipzig (13.12.) und Freiberg (21.12.).

Titelfoto: imago stock&people

Mehr zum Thema Promis & Stars:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0