Empörung: Obdachlose sollen in Dresden einfach "abgeschoben" werden

Dresden - Die Stadt will 20 Bewohner des Wohnungslosenheims an der Hubertusstraße in Dresden in das neue Heim - weitab vom Schuss - nach Klotzsche umsiedeln. Bewohner und engagierte Bürger haben das nicht so einfach hingenommen. Aus offenbar anderen Gründen ist am Montag erst einmal nichts passiert.

In dieses Gebäude nach Klotzsche soll ein Teil der Bewohner umgesiedelt werden.
In dieses Gebäude nach Klotzsche soll ein Teil der Bewohner umgesiedelt werden.  © Holm Helis

An die 50 Leute demonstrierten am Morgen seit 8 Uhr friedlich vor dem Heim in Trachenberge. Einer von ihnen ist Rene (40). Er selbst ist Bewohner und an den Rollstuhl gebunden, lebt seit über drei Jahren hier.

Er ist empört: "Wir kommen ins Nichts, wir werden aus unserem sozialen Umfeld gerissen." Und: "Ich werde das Objekt nicht freiwillig verlassen." Diejenigen, die umgesiedelt werden sollen, sind Drogen- und Alkoholabhängige mit chronischen Mehrfachschädigungen.

Das Heim an der Straße an der Wetterwarte, das einst Außenstelle des Gymnasiums Klotzsche war und für 1,3 Millionen Euro zum Asylbewerberheim umgebaut worden war, liegt an der Buslinie 70, eine Station vor der Endhaltestelle, kilometerweit entfernt von Einkaufsmöglichkeiten und Infrastruktur. Shuttle-Verkehr wird eingerichtet, doch das ist es nicht allein.

Die Demonstrantin Christine (28), die im Netz von der Demo erfuhr, sagt, was alle denken: "Es ist krass, wenn Leute, die Probleme haben, an den Rand gedrängt werden. Sie können sich nicht wehren."

Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann (43) begründet die Entscheidung, gerade die gesundheitlich eingeschränkten Obdachlosen nach Klotzsche umzusiedeln, mit den "baulichen und konzeptionellen Bedingungen" (Barrierefreiheit).

In die Hubertusstraße werden indes bis Ende September Bewohner des Obdachlosenheims am Emerich-Ambros-Ufers, das saniert wird, einziehen. Sie sind Obdachlose, die auf Dauer wieder in eigene Wohnungen vermittelt werden sollen.

Aus dem Umzug der ersten Obdachlosen wurde am Montag übrigens nichts. Offenbar hatte man noch keinen Pflegedienst für das Heim am Stadtrand gefunden. "Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir dazu keine Auskünfte erteilen."

Bewohner Rene (40,re.) ist empört: "Ich werde das Objekt nicht freiwillig verlassen."
Bewohner Rene (40,re.) ist empört: "Ich werde das Objekt nicht freiwillig verlassen."  © Holm Helis
Bis zum Nachmittag blieben die letzten Demonstranten am Heim an der Hubertusstraße.
Bis zum Nachmittag blieben die letzten Demonstranten am Heim an der Hubertusstraße.  © Holm Helis

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