Erfolgskonzept "Nette Toilette": In Sachsen öffnen sich immer mehr Klo-Türen

In den über 100 Kneipen der Dresdner Neustadt tobt das Nachtleben.
In den über 100 Kneipen der Dresdner Neustadt tobt das Nachtleben.  © Petra Hornig

Dresden - In der Dresdener Neustadt hat sich die "Nette Toilette" seit 2012 etabliert - erfolgreich. Jetzt machen sogar Spätshops mit. Auch in Chemnitz ist Erleichterung in Sicht. Nur in Leipzig können sich Wildpinkler noch rausreden.

Ein Dresdner Späti, der seine Bedürfnisanstalten für Nichtkunden öffnet, ist die "Spätschicht" (Bischofsweg). Ein "Nette Toilette"-Sticker klebt draußen am Türrahmen von Betreiber Torsten Israel (45): "Wer fragt, darf hier kostenlos pinkeln." Auch die Spätshops "Café24" (Katharinenstraße) und "Holfix" (Rothenburger Straße) beteiligen sich seit Sommer vergangenen Jahres.

360 Euro pro Lokal zahlt Dresden jährlich für die kostenfreie WC-Bereitstellung. Das Geld fliest an den Gewerbe- und Kulturverein Äußere Neustadt. Sprecher Torsten Wiesener: "Wir machen Werbung für die teilnehmenden Kneipen aus der Neustadt." Auch in anderen Stadtteilen sei die "Nette Toilette" denkbar. "Doch das Interesse hielt sich bisher zurück."

Immerhin, 17 Schänken machen derzeit mit; einige seit fast sechs Jahren. Nur das Dresdner Café Continental (Görlitzer Str.) schloss seinen Lokus nach zwei Jahren wieder - zumindest während der Sommermonate.

50 bis 100 zusätzliche Leute, das war Betreiberin Luisa Weidel (27) zu viel: "Wegen der Massen war das nicht mehr umsetzbar", sagt sie. Jetzt öffnet sie das WC für Passanten nur noch im Winter.

Bei "Spätschicht"-Chef Torsten Israel (45) ist Pipi machen kein Problem.
Bei "Spätschicht"-Chef Torsten Israel (45) ist Pipi machen kein Problem.  © Steffen Füssel

In Chemnitz hat es fast ein Jahr gedauert, bevor aus einer guten Idee Realität werden konnte. Im zweiten Quartal soll es soweit sein. Gespräche mit zehn interessierten Gastronomen laufen derzeit.

Die Restaurant-Kette "Alex" in der Galerie Roter Turm ebenso wie das "Turm-Brauhaus", die Konditorei "Cortina" und das Rathaus wollen ihre Sanitäranlagen für Passanten öffnen. 100 Euro "Pinkel-Prämie" monatlich zahlt Chemnitz jeder Kneipe für die kostenfreie Bereitstellung von Toiletten und Windelwechselräumen. Das hat der Stadtrat im August 2017 beschlossen. Demnach sollen vor allem Einrichtungen mit behindertengerechten Toiletten einbezogen werden.

In mehr als 290 Kommunen deutschlandweit funktioniert die "Nette Toilette" schon. Nur in Leipzig können sich Wildpinkler noch rausreden. Bislang ist die Messestadt noch nicht dabei. Ob es Pläne gibt, war auf Nachfrage nicht bekannt.

Tipp: Öffentliche Toiletten finden Touristen und Einheimische im WC-Finder der Dresden App.

WC-Geld: Muss man bezahlen?

Nach ein paar Drinks ist Robert (27) froh über das "nette" Laden-Klo, das auch Nicht-Kunden auf die Schüssel lässt.
Nach ein paar Drinks ist Robert (27) froh über das "nette" Laden-Klo, das auch Nicht-Kunden auf die Schüssel lässt.  © Steffen Füssel

Muss man eigentlich das Toiletten-Geld bezahlen? Der Dresdner Rechtsanwalt Dr. Jochim Thietz-Bartram (62) sagt dazu: "Die Toiletten-Zahlung ist eine Gefälligkeit.

Man kann zahlen, muss aber nicht. Das 50-Cent-Schild ist eine Empfehlung, aber kein rechtlich bindendes Vertragsangebot, das man durch Betreten der Toilette angenommen hätte."

Umgekehrt hätten allerdings weder Autofahrer auf Raststätten noch Nicht-Gäste in einem Restaurant einen Anspruch auf die kostenlose Bereitstellung von Toiletten. So habe das Landgericht Tier ein Schmerzensgeld wegen funktionsloser Toiletten in einer Regionalbahn nicht für begründet erachtet.

Welches Klo Transsexuelle nutzen müssen, auch das hat der Gesetzgeber geklärt: "Transgender dürfen die Toilette ihres 'neuen', gerichtlich festgestellten Geschlechts nutzen", sagt Anwalt Thietz-Bartram.

Demnach müssen Frau-zu-Mann-Transgender auf die Herrentoilette und Mann-zu-Frau-Transgender auf die Damentoilette.


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