Wurde in diesem Kupferkessel die erste Zahnpaste angerührt?

Dresden - Im Atelier von Parfümeur Uwe Herrich (57) auf der Warthaer Straße (Cotta) türmen sich Gläser mit eingelegten Blüten und Blättern, Schächtelchen mit Parfümen und Seifen. Doch inmitten der duftenden Kosmetik thront ein wahrer Schatz: ein kupferner Destillierapparat anno 1790. Er könnte bei der Herstellung der ersten "Chlorodont"-Zahnpaste geholfen haben!

Parfümeur Uwe Herrich (57) präsentiert stolz seinen alten Destillier-Apparat aus dem Leo-Laboratorium.
Parfümeur Uwe Herrich (57) präsentiert stolz seinen alten Destillier-Apparat aus dem Leo-Laboratorium.  © Ove Landgraf

"Die Apparatur stammt vom Dachboden der ehemaligen Löwenapotheke am Altmarkt", weiß Herrich. Genau dort richtete sich Ottomar Heinsius von Mayenburg sein Laboratorium "Leo" ein, in dem er an der Erfindung der Zahnpaste tüftelte - Odol-Mundwasser gab es schon seit 1893. Doch der Apotheker wollte den Zahnschutz mittels Bürste und Paste verbessern.

1907 hatte er die richtige Mischung - aus Naturkalkstein-Pulver, Salzen, ätherischen Ölen. "Letztere könnte er in meinem Destillierapparat gewonnen haben. Sie waren als entzündungshemmender Bestandteil sehr wichtig", erklärt Herrich.

Wo von Mayenburg die Zahnpaste erfand, war schon seit über 400 Jahren eine Apotheke ansässig. Vielleicht hat er 1901 mit der Pacht auch den Destillierapparat übernommen. Und wahrscheinlich blieb er dort, als die Leo-Werke 1917 in die Neustädter Katharinenstraße umzogen.

Die alte Löwenapotheke wurde 1945 beim Bombenangriff zerstört. Der ramponierte schwarze Destillierapparat landete bei einem Schrotthändler - dort entdeckte ihn der Dresdner Sammler Einhart Grotegut und machte ihn wieder schmuck.

"Er sollte als Exponat in die geplante Hofapotheke von Schloss Pillnitz einziehen", so Herrich. Als aber nur eine Hofküche eingerichtet wurde, blieb der Destillierapparat übrig. "So hab ich ihn für meine Parfümerie gekauft."

Am Altmarkt neben dem Alten Rathaus war bis zur Zerstörung 1945 die Löwen-Apotheke (2. Gebäude von rechts) ansässig.
Am Altmarkt neben dem Alten Rathaus war bis zur Zerstörung 1945 die Löwen-Apotheke (2. Gebäude von rechts) ansässig.  © Deutsche Fotothek Dresden
Die Tubendruckerei der Leo-Werke 1928 in der Katharinenstraße. Die Nachfrage nach der Chlorodont-Zahnpaste war so groß, dass die Produktion schon 1917 in die Neustadt umzog.
Die Tubendruckerei der Leo-Werke 1928 in der Katharinenstraße. Die Nachfrage nach der Chlorodont-Zahnpaste war so groß, dass die Produktion schon 1917 in die Neustadt umzog.  © Werksarchiv Dental-Kosmetik GmbH
Aus den 50er Jahren stammt dieses Chlorodont-Plakat, entworfen vom Dresdner Günter Schmitz.
Aus den 50er Jahren stammt dieses Chlorodont-Plakat, entworfen vom Dresdner Günter Schmitz.  © Werksarchiv Dental-Kosmetik GmbH

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