Keime, Pestizide: So belastet sind Ostereier und Blumensträuße

Dresden - Eier selber färben? Keine Zeit... Tulpen mitten im Winter? Hmmm, nie darüber nachgedacht. Dann wird es Zeit, sich ein paar Gedanken zu machen, ob bunte Eier vom Discounter und hübsche Sträuße für kleines Geld wirklich unbedenklich sind.

Beim Kochen werden Bakterien auf dem Ei getötet. Doch nur eine unversehrte Schale schützt den den Inhalt. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sollte deshalb auch beachtet werden.
Beim Kochen werden Bakterien auf dem Ei getötet. Doch nur eine unversehrte Schale schützt den den Inhalt. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sollte deshalb auch beachtet werden.  © Carmen Jaspersen/dpa

Zugegeben, die leuchtend bunten Eier aus dem Supermarkt sehen hübsch aus. Trotzdem solltet Ihr die Finger davon lassen...

Der NDR ist in seinem Verbrauchermagazin "Markt" (Sendung 24. März 2018) der Frage nachgegangen "Wie frisch sind gefärbte Eier?". Schließlich gibt es die Eier schon Wochen vor dem Osterfest zu kaufen. Ohne Kühlung!

Das Magazin ließ deshalb Stichproben von bunten Eiern von Rewe, Aldi, Kaufland und Netto im Labor untersuchen. Positiv war, dass bei keiner Probe Fäkalkeime gefunden wurden.

Allerdings wurde bei der Gesamtkeimzahl eine deutlich höhere Belastung bei den Eiern von Rewe (vom Gut Springenheide in Ochtrup) festgestellt. "Das ist ein Indikator, dass irgendwo eine Verschmutzung vorliegt", erklärt der Lebensmittelchemiker Gary Zörner. Es sei nicht auszuschließen, dass es sich dabei um Mikroorganismen handelt, die "möglicherweise krank machen können", sagt Zörner weiter.

Tipp: Wenn Ihr doch zu den Discount-Eiern greift, achtet darauf, dass die Schale nicht beschädigt ist. Schon kleinste Risse schädigen die Schutzschicht und Keime können leichter eindringen. Das Ei wird dann auch schneller schlecht.

Bei einer Eier-Probe wurde eine erhöhte Gesamtkeimzahl festgestellt. (Symbolbild)
Bei einer Eier-Probe wurde eine erhöhte Gesamtkeimzahl festgestellt. (Symbolbild)  © 123rf.com/Geoffrey Whiteway

Und was ist mit der Herkunft? Wer Wert auf Bio-Eier legt, dürfte höchstwahrscheinlich enttäuscht werden. Denn während bei unverarbeiteten Eiern Herkunft und Haltung der Hennen gekennzeichnet werden müssen, "ist das bei gekochten Eiern nicht der Fall", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg in "Markt".

Der Verbraucher verliert hier ganz klar die Kontrolle. Oft kämen Käfigeier aus Drittländern zum Einsatz. In Großbetrieben würden davon täglich bis zu einer Million Stück gekocht und gefärbt. Ihre Herkunft ist danach meistens nicht mehr erkennbar.

Apropos Farbe: Hier konnte das Labor Entwarnung geben. Die eingesetzten Farbstoffe unterliegen dem Lebensmittelrecht.

Allerdings sollten vor allem Allergiker auch hier vorsichtig sein, denn die Farben werden in der Regel künstlich hergestellt.

So ein Strauß sieht schön aus, kann aber gefährliche Pestizide enthalten. Am meisten belastet sind Rosen.
So ein Strauß sieht schön aus, kann aber gefährliche Pestizide enthalten. Am meisten belastet sind Rosen.  © 123rf.com/Olga Miltsova

Mit den Ostersträußen hat sich dagegen das Verbrauchermagazin "plusminus" (ARD, 28. März 2018, gesamte Sendung hier in der Mediathek) beschäftigt. Trauriges Fazit: "Die meisten Blumesträuße sind reine Pestizidschleudern."

Problem: Viele Blumen kommen aus Afrika, Kenia und Äthiopien. Dort gibt es mittlerweile eine riesige Blumenindustrie. Sie sättigt den deutschen Markt vor allem im Winter, zum Valentinstag oder Ostern mit enormen Blumen-Mengen.

Damit Schädlinge nicht das Geschäft verderben, werden Pestizide eingesetzt. Doch in den afrikanischen Ländern gelten andere Grenzwerte als in Deutschland. Hier wird allein ein Drittel der in Afrika eingesetzten Petizide sogar als bedenklich bewertet. Geschätzt 40.000 Menschen, die auf den Blumenfeldern arbeiten, sterben nach Angaben von "plusminus" jährlich durch die Schadstoffe.

Deshalb fragt Ökotest regelmäßig, woher denn all die Blumen im Supermarkt und an Tankstellen kommen. Zuletzt untersuchte Sträuße hätten zu einem katastrophalen Ergebnis geführt: "Zehn von 14 untersuchten Rosensträußen waren mangelhaft oder ungenügend", sagt Jürgen Stellpflug von Ökotest in "plusminus".

Hauptgrund sei auch hier die extreme Belastung mit Pestiziden gewesen. "Wir haben bis zu 100 Milligramm pro Kilogramm gefunden. Zum Vergleich: bei Lebensmitteln findet man mal 1,2 oder fünf Milligramm. Und wir haben bis zu 20 verschiedene Pestizide in einem Strauß gefunden", sagt Stellpflug weiter.

Doch auch bei Blumen, die in Europa produziert werden, komme kaum ein Unternehmen ohne Pestizide aus. Lasche Kontrollen würden dann dazu führen, dass man sich den bunten Giftcocktail mit nach Hause nimmt.

Titelfoto: Carmen Jaspersen/dpa, 123rf.com/Geoffrey Whiteway/


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