20 Grad und Sonne satt: Dresdens Kleingärtner eröffnen die Saison

Dresden - Wahnsinn, das Wetter am Samstag! Die Frühlingssonne hat das erste, zarte Grün wach geküsst und Fleißige bei sonnigen 20 Grad hinaus in die Gärten gelockt. Mit Elan und Freude wird überall in die neue Saison gestartet. Nur im Landesverband der Kleingärtner ist die Stimmung etwas gedrückt...

Amsel, Drossel, Fink und Star besuchen Helmut Fischer (82) gern in seinem Gärtchen. Die Vögel finden dort Wasser zum Trinken und Baden.
Amsel, Drossel, Fink und Star besuchen Helmut Fischer (82) gern in seinem Gärtchen. Die Vögel finden dort Wasser zum Trinken und Baden.  © Thomas Türpe

Der Kleingartenverein "Burkersdorfer Weg" auf der Dresdner Südhöhe badet im Licht der Nachmittagssonne. Die 23 Parzellen inmitten des Wohngebiets protzen schon mit Farbe. Da blühen gelb die Forsythien, lila die Krokusse und zartrosa die ersten Aprikosen. Die Knospen an den Kirschbäumen sind prall, praller, am prallsten.

Steffi (35) grubbert und legt Beete an. Sie gesteht: "Nach dem Winter habe ich echte Lust auf diese Arbeit." In Gedanken schmiedet sie Pläne, wie auf den Flächen optimal Feldsalat, Möhren & Co. angebaut werden könnten. Sie sagt: "Ich beackere alles für den Eigengebrauch und freue mich heute schon auf die Ernte und den Gemüse-Genuss."

Nebenan macht der Vereins-Vorsitzende Jörg Fischer (34) ein Gewächshaus frühlings-fit. "Ich will Kohlrabi und Salat pflanzen", sagt er. Sein Vater Helmut (82) gießt derweil frisches Wasser in den umgedrehten Deckel einer Regentonne.

"Abends baden hier die Amseln", berichtet der Senior mit glänzenden Augen. Ute (61), Kerstin (54) und Nele (39) strahlen mit der Sonne um die Wette. Nach getaner Arbeit gönnen sich die drei Frauen im Garten gegenüber gemeinsam ein Genießer-Päuschen. "Herrlich, der Frühling", jauchzen sie im Chor.

Das treibt Peter Paschke Sorgenfalten auf die Stirn...

Kerstin (54) und Nele (39) genießen im Garten die Frühlingssonne und erfreuen sich an bunten Horn-Veilchen.
Kerstin (54) und Nele (39) genießen im Garten die Frühlingssonne und erfreuen sich an bunten Horn-Veilchen.  © Thomas Türpe

Sachsens Kleingärtner-Präsident Peter Paschke hätte seine Freude an dieser grünen Oase! Doch dem 63-Jährigen stehen Sorgenfalten auf der Stirn. 1996 gab es 230.000 Kleingärten im Freistaat. Heute sind es nur noch 199.000.

Zwei große Trends zeichnen sich seit Jahren ab: Im ländlichen Raum sterben die Sparten. Allein 2018 waren es 1500 Parzellen und 13 Vereine. In den Großstädten erfreuen sich die Kleingartenvereine ungebrochener Beliebtheit.

Manche Anlage führt sogar eine Warteliste, so begehrt sind die Schollen dort. Paschke: "Der Druck auf die Sparten ist jedoch enorm. Seitens des Wohnungs- und Straßenbaus gibt es viele Begehrlichkeiten."

Er fordert von den Stadtplanern aber Zurückhaltung. Peter Paschke: "Wir dürfen die Fehler, die in den alten Bundesländern gemacht wurden, nicht wiederholen."

Jörg Fischer (34) mit Salat- und Kohlrabipflanzen fürs Gewächshaus. Tipp: Der Stadtverband der Kleingärtner präsentiert sich kommende Woche auf der Ostermesse mit einer Erlebniswelt.
Jörg Fischer (34) mit Salat- und Kohlrabipflanzen fürs Gewächshaus. Tipp: Der Stadtverband der Kleingärtner präsentiert sich kommende Woche auf der Ostermesse mit einer Erlebniswelt.  © Thomas Türpe

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