Große Trauer um Peter Schreier: Tenor-Legende starb am 1. Weihnachtsfeiertag

Von Simona Block und Heiko Nemitz

Dresden - Der große Opernsänger und Dirigent Peter Schreier ist tot. Der Tenor und Kammersänger starb am 25. Dezember im Alter von 84 Jahren nach langer Krankheit in einem Dresdner Krankenhaus. Das teilte das Sekretariat des Sängers im Namen der Angehörigen mit.

Sein Anker lag immer in Dresden: Weltstar Peter Schreier (†84) in seinem Haus am Loschwitzer Elbhang.
Sein Anker lag immer in Dresden: Weltstar Peter Schreier (†84) in seinem Haus am Loschwitzer Elbhang.  © Ronald Bonss

Dresden trauert um einen seiner wirklichen Weltstars.

Und das ausgerechnet an Weihnachten! "Peter Schreier singt Weihnachtslieder", so lautet der Titel seiner bekanntesten Schallplatte, eingespielt 1975 an einem Wochenende in der Dresdner Lukaskirche.

Das Album zählt zu den schönsten Weihnachts-Aufnahmen überhaupt und hatte sich im Osten anderthalb Millionen Mal verkauft - eine der erfolgreichsten Schallplatten der DDR, auch im Westen beliebt. Bis heute. Nun ist Schreiers Jahrhundertstimme am ersten Weihnachtsfeiertag für immer verstummt.

Schreier galt als einer der führenden lyrischen Tenöre des 20. Jahrhunderts. Der in Meißen geborene Sänger kam mit acht Jahren zum Dresdner Kreuzchor und studierte später in Dresden Gesang und Dirigieren. 1959 stand er erstmals auf der Opernbühne - als Erster Gefangener in Beethovens "Fidelio".

Drei Jahre später schaffte er den Durchbruch als Belmonte in Mozarts "Die Entführung aus dem Serail". Danach gastierte er an allen führenden Opernbühnen der Welt, von New York bis Mailand, Wien und Bayreuth, wurde international ausgezeichnet.

Peter Schreier war eng mit seiner Heimat Dresden verwurzelt

Die Schallplatte "Peter Schreier singt Weihnachtslieder" gehört in vielen Haushalten zum musikalischen Standard-Programm für die Festtage.
Die Schallplatte "Peter Schreier singt Weihnachtslieder" gehört in vielen Haushalten zum musikalischen Standard-Programm für die Festtage.  © privat

Mehr als 60 Partien hat Schreier verkörpert, war bei den Salzburger Festspielen engagiert und der wichtigste DDR-Exportschlager auf sängerischem Gebiet.

"Der Weltsachse" überschrieb das Magazin Der Spiegel vor exakt einem Jahr das letzte große Interview mit der Tenorlegende.

Schreier genoss Privilegien, das aber ohne SED-Parteibuch.

1972 war er an der Staatsoper Berlin von ehemaligen Kommilitonen gefragt worden, ob er nicht mal den Taktstock führen wolle. Für eine große Dirigentenkarriere nach der Sänger-Laufbahn hatte der Vater zweier Söhne allerdings keine Ambitionen, obwohl auch hier gefragt: Er stand bei den Wiener Philharmonikern am Pult und beim New York Philharmonic Orchestra.

Doch er war in der Heimat verwurzelt, nie zog es ihn weg. "Mir würde etwas fehlen, wenn ich nicht in Dresden leben könnte", sagte er stets.

Im Juni 2000 trat er 65-jährig als Tamino in Mozarts "Zauberflöte" - seiner wohl wichtigsten Partie - in Berlin von der Opernbühne ab. Mit 70 gab er die Lieder und Oratorien auf. Nicht mal mehr im Bad habe er gesungen, sagte Schreier, dem das auch absolut nicht gefehlt habe.

Danach war er noch als Dirigent und Lehrer aktiv, bis es zu beschwerlich wurde für seine angeschlagene Gesundheit. Schreier plagten Rückenprobleme, er lebte mit Bypässen und war Diabetiker. Der Ruhestand brachte Zeit für die Leidenschaften jenseits der Musik: Lesen, Kochen, Natur und der Garten auf seinem Grundstück am Loschwitzer Elbhang.

Die Familie trauert um den Ehemann, Bruder, Vater, Großvater und Urgroßvater und bittet um Wahrung der Privatsphäre.

Schreier war einer der gefragtesten Tenöre für Oper und Konzert rund um den Globus.
Schreier war einer der gefragtesten Tenöre für Oper und Konzert rund um den Globus.  © Jens-Ulrich Koch/ddp

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