Der Kommentar zum Dresdner Philharmonie-Desaster

Michael Sanderling (49) und das Orchester der Dresdner Philharmonie. Diese Paarung wird bald Geschichte sein. 
Michael Sanderling (49) und das Orchester der Dresdner Philharmonie. Diese Paarung wird bald Geschichte sein.   © Nikolaj Lund

Dresden - Es ist wirklich nicht zu fassen, wie stümperhaft Stadtverwaltung und Stadtrat in Sachen Kulturfinanzierung agieren. Da hat man ein großartiges Orchester, die Philharmonie, einen großartigen Chefdirigenten, Michael Sanderling, baut einen großartigen Konzertsaal - und bringt das Projekt noch vor der Eröffnung durch kleinliche Mittelkürzungen in Gefahr.

Da fordert man die Musikfestspiele auf, den neuen Konzertsaal mit Weltklasse-Orchestern international bekannt zu machen, verspricht ihnen dafür Geld. Dann stellt die Kulturbürgermeisterin das Geld im Haushaltsentwurf einfach nicht ein. Ein Schildbürgerstreich und ein Wortbruch.

Die unglücklichste Figur in dieser unglückseligen Sache machen Kulturbürgermeisterin Klepsch und die rot-rot-grüne Stadtratsmehrheit. Klepschs Vorwurf an Chefdirigent Sanderling, er würde seinen Ausstieg inszenieren, ist eine Unverschämtheit.

Ein Kommentar von TAG24-Redakteur Guido Glaner.
Ein Kommentar von TAG24-Redakteur Guido Glaner.  © Christian Suhrbier

Es sei denn, sie könnte den Verdacht belegen. Können Sie das, Frau Klepsch? Beide Maßnahmen scheinen gegen den Kulturpalast gerichtet. Stadtsprecher Kai Schulz unterstellt einen "Hieb gegen die Hochkultur" und "eine späte Rache am Umbaubeschluss."

Sollte das wirklich wahr sein? Tatsache ist jedenfalls, dass sich die Fraktion der Hochkultur-Taliban bei Rot-Rot-Grün durchgesetzt hat. Zum Schaden der Kulturstadt Dresden.

Dabei gibt auch OB Hilbert kein gutes Bild ab. Wiedermal lässt er eine klare Haltung vermissen. Von Führungsfähigkeit ganz zu schweigen.

Michael Sanderling hat man vertrieben, wohl endgültig. Was, wenn auch Jan Vogler in den Sack haut? Dresden wird nicht müde, sich zu blamieren. Stümperhaft oder böse Absicht.