Wer ist Schuld am Philharmonie-Desaster?





Michael Sanderling (49) und das Orchester der Dresdner Philharmonie. Diese Paarung wird bald 
Geschichte sein. 
Michael Sanderling (49) und das Orchester der Dresdner Philharmonie. Diese Paarung wird bald Geschichte sein.   © Nikolaj Lund

Dresden - Kulturkampf im Rathaus: Nachdem Linke, Grüne und SPD der Hochkultur in Dresden die Gelder gekürzt haben und daraufhin Chefdirigent Michael Sanderling (49) seinen Abgang ankündigte, wird wild über die Schuldfrage gestritten. An vorderster Front: Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (39, Linke).

Die nahm im Stadtrat letzte Woche die enormen Kürzungen von jährlich 250.000 Euro für die Philharmonie und 300.000 für die Musikfestspiele schweigend hin. 

Am Montag holte sie aber zum Rundumschlag gegen den Chefdirigenten der Philharmonie aus, der die Kürzungen als „verantwortungslose Beschneidung der künstlerischen Arbeit“ bezeichnet hatte.

„Ich weise sämtliche Vorwürfe auf das Schärfste als haltlos zurück“, so Frau Klepsch, die selber schwere Geschütze aufbot: „Das Agieren von Professor Sanderling lässt vermuten, dass er ein Angebot von anderer Seite hat und seinen Ausstieg inszeniert.“





Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (39, Linke) schießt gegen Philharmonie-Chefdirigent 
Sanderling. 
Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (39, Linke) schießt gegen Philharmonie-Chefdirigent Sanderling.   © Thomas Türpe

Das wiederum schloss Philharmonie-Intendantin Frauke Roth (49) komplett aus: 

„Nach dem Stadtratsbeschluss waren wir in Schockstarre. Ich musste Michael Sanderling davon überzeugen, nicht sofort hinzuwerfen.“

Da die linke Ratsmehrheit, abgesehen von der Philharmonie, nahezu alle anderen Bereiche mit zusätzlich 60 Millionen Euro unterstützt, spricht OB Dirk Hilbert (45, FDP) von „falscher Prioritätensetzung“.

Stadtsprecher Kai Schulz: „Insgesamt wurde der Kulturetat um 1,5 Millionen Euro durch die Stadtratsmehrheit erhöht, dem steht nur die Reduzierung bei der Philharmonie gegenüber. Dies ist nur mit einem Hieb gegen die Hochkultur und einer späten Rache am Umbaubeschluss zum Kulturpalast zu erklären.“

Möglichkeiten, den Etat doch noch zu erhöhen, sieht Schulz „im Moment keine“.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0