So brachte Sachsen Indien zum blühen

Im indischen Bangalore legte der Gärtner Krumbiegel Parks und Gärten an.
Im indischen Bangalore legte der Gärtner Krumbiegel Parks und Gärten an.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - In seiner Heimat ist er bislang völlig unbekannt, dafür in Indien ein echter Gärtner-Star. Diese Geschichte zeigt den Aufstieg eines einfachen Mannes aus Pillnitz hin zum Chefgärtner des Maharadschas: Gustav Hermann Krumbiegel (1865-1956), geboren in Lohmen, gelernt in Pillnitz, gelebt und geliebt in Indien.

„Wir wollen Krumbiegel zum 150. Geburtstag wieder lebendig werden lassen. Er war sehr angesehen, hat im Palastgarten des Maharadschas Krishnaraja Wodeyar IV. gearbeitet“, weiß Kuratorin Dr. Anja Eppert (33).

Die Mitarbeiterin im Schloss und Park Pillnitz begab sich auf Spurensuche in Indien. Sechs Wochen forschte sie in Archiven, Gärten und Ämtern, machte unerwartete Entdeckungen:

Dr. Anja Eppert (33) forschte sechs Wochen in Indien. Sie begab sich auf Spurensuche von Gärtner Gustav Hermann Krumbiegel.
Dr. Anja Eppert (33) forschte sechs Wochen in Indien. Sie begab sich auf Spurensuche von Gärtner Gustav Hermann Krumbiegel.

„Sein Name ist dort groß. Er sorgte dafür, dass Bangalore noch heute zu jeder Jahreszeit bunt blüht. Er forschte, brachte Pflanzen nach Europa, holte neue Nutzpflanzen nach Indien.“

Krumbiegel legte Lustgärten an, betreute Palastgärten, forschte im Gartenbau. Zuvor hatte der Sachse in den berühmten Königlichen Botanischen Gärten in Kew/London gelernt. Von dort ging es 1893 per Schiff nach Indien, damals noch britische Kolonie. Dabei liegen seine Wurzeln in den Königlichen Gärten Pillnitz.

„Als 14-Jähriger begann er hier für vier Jahre zu arbeiten“, berichtet Kuratorin Eppert. Seine folgende steile Auslandskarriere blieb bislang unbemerkt.

Im südindischen Bangalore hingegen gibt es eine nach Krumbiegel benannte Straße, steht eine Krumbiegel- Büste. Die soll im kommenden Jahr als Geschenk nach Pillnitz gebracht werden. „Sein Grab wird regelmäßig von indischen Gärtnern besucht und geehrt“, so Anja Eppert. Sogar eine jährliche Blumenschau erinnert an den sächsischen Gärtner.

Kein Wunder: Er sorgt bis heute für Bangalores Ruf als Gartenstadt, legte er doch viele Alleen an und plante große Parks für die Bewohner der Stadt.

So blüht die indische Metropole dank eines einfachen Mannes aus Pillnitz noch heute alljährlich bunt und kontrastreich.

Krumbiegel-Schau blüht für ’ne halbe Million Euro

Jetzt im Winter blüht in der Parkanlage von Schloss Pillnitz wenig. Doch 2016 wird es indisch bunt.
Jetzt im Winter blüht in der Parkanlage von Schloss Pillnitz wenig. Doch 2016 wird es indisch bunt.

Der sächsisch-indische Gärtner Gustav Hermann Krumbiegel wird 2016 das wichtigste Projekt im Schlösserland Sachsen. „Wir rollen in Pillnitz einen indischen Teppich aus“, verspricht Schlossleiterin Sybille Gräfe (58).

Das kostet rund eine halbe Million Euro, wird aber ein enorm aufwendiges Farbspektakel.

„Wir zeigen Teppichbeete, Blumentreppen und filigrane Blumenskulpturen.“ Die Blumenschau wird ab Juni gezeigt. „Das wird sehr bunt und konstrastreich“, verspricht Kuratorin Anja Eppert. Als Basis kommen unter anderem prächtige Iresinen und Studentenblumen in die Beete-„denn das ist typisch indisch“.

Ab 30. April lädt zudem eine Sonderausstellung ins Schlossmuseum, zeigt Krumbiegels Leben. Dazu gibt’s im Krumbiegel-Themenjahr Yoga im Park, Curry-Essen und indische Kräuter.

Das hat übrigens seinen Preis:

Während der Ausstellung kostet der Parkeintritt 3 statt 2 Euro (Schloss plus Park unverändert 8 Euro).

Fotos: Steffen Füssel(2), Archiv Schloss und Park Pillnitz


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