Ballermann-Boofer: Nationalpark Sächsische Schweiz versinkt im Müll

Pirna – Vom romantischen Geheimtipp zum zerstörerischen Massenphänomen: Jahr für Jahr übernachten mehr Naturfreunde als „Boofer“ im Nationalpark Sächsische Schweiz. In ihrer Menge hinterlassen sie nicht nur tonnenweise Müll und Unrat. Sie richten auch nicht wiedergutzumachende Schäden an.

Insgesamt 19 mal brannte es 2018 im Nationalpark – 17 mal waren illegale Lagerfeuer die Ursache.
Insgesamt 19 mal brannte es 2018 im Nationalpark – 17 mal waren illegale Lagerfeuer die Ursache.  © Marco Förster

Das Boofen war einst heimliche Tradition sächsischer Bergsteiger. Man übernachtet unter einem Felsvorsprung nah am Aufstieg, ist eins mit der Natur.

Doch weil Traveller-Blogs und Outdoor-Führer voneinander abschreiben und nicht darauf hinweisen, dass Boofen nur den Kletterern vorbehalten ist, wird der Nationalpark weltweit als kostenloses Übernachtungsdomizil angesehen.

Vorletzte Saison zählte die Nationalpark-Verwaltung von Mai bis August über 21 000 Übernachtungen im Freien. Sprecher Hanspeter Mayr: „Der Anteil der Kletterer lag im einstelligen Prozentbereich.“ Im dreistelligen Euro-Bereich hingegen liegen die Bußgelder – pro Jahr werden an die 300 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Denn die Nachtgäste nutzen nicht nur die 58 genehmigten Übernachtungsplätze, sondern auch höchst sensible Stellen.

Rücksichtslos: Von 19 Waldbränden im Jahr 2018 konnten 17 auf illegale Lagerfeuer zurückgeführt werden. Auch den Rückgang der geschützten Arten Wanderfalke, Uhu und Schwarzstorch schreibt man den nächtlichen Störern zu.

Zu allem Überfluss nahm Flixbus in dieser Woche einen regelmäßigen Linienbetrieb zwischen Berlin und Bad Schandau auf - mit Halt an der Bastei. Kommen jetzt noch mehr Party-Boofer?

Der Naturpark wird inzwischen als kostenlose Party- und Übernachtungszone für Feierbiester aus aller Welt wahrgenommen.
Der Naturpark wird inzwischen als kostenlose Party- und Übernachtungszone für Feierbiester aus aller Welt wahrgenommen.  © Jacob Ammentorp Lund/imago images/Valentin Wolf

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